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Der Phasendrescher: Relegationsschock kurz vor der Pause

In der Relegation müssen sich die 'Regenwürmer' noch einmal von der besten Seite zeigen (©Laven)

13.05.2019 - Mit einem Bein standen die Spieler der SG Eintracht Regenbach/Wurmtal eigentlich schon in der Sommerpause, als Mannschaftsführer Eberhard die Truppe noch einmal zusammentrommelt. Plötzlich ist der sichere Platz in der zweiten Kreisliga gefährdet - es will tatsächlich eine Mannschaft von unten aufsteigen. ‚Phasendrescher‘ Philipp Hell erzählt uns, wie die ‚Regenwürmer‘ die unerwartete Phase ‚Relegation‘ meistern.

Lernen Sie die 'Regenwürmer' der SG Eintracht Regenbach/Wurmtal kennen: Hier geht's zur Mannschaftsbeschreibung!

Schock bei den 'Regenwürmern' der dritten Mannschaft der SG Eintracht Regenbach/Wurmtal von 1953: Kaum ist die Saison auf dem normalerweise völlig akzeptablen achten Platz von neun Mannschaften beendet, meldet sich der Spielgruppenleiter telefonisch und gibt die Termine für das Relegationsspiel durch. Mannschaftsführer und Erbsenzähler Eberhard fällt aus allen Wolken, denn seiner Erinnerung zufolge wurde die Relegation zuletzt Ende der 80er tatsächlich ausgespielt. Sonst gab es immer jede Menge zurückziehender Mannschaften, andere wollten nicht aufsteigen und irgendwo hatte schließlich auch noch ein Verein für immer zugesperrt. Nur aus diesem Grund hatten Eberhard und seine Jungs nach dem Rückzug des SB/DJK zu Beginn der Rückrunde den praktisch sicheren achten Platz akzeptiert und sich in den verbleibenden Saisonspielen nun wirklich nicht mehr völlig verausgabt. Wenn man das nur gewusst hätte…! 

Mit den Gedanken schon in der Sommerpause

Doch dieses Jahr scheint es in der 3. Kreisliga eine völlig überambitionierte junge Mannschaft beim 1. SC zu geben, die erst in der Rückrunde so richtig in Fahrt kam, für die es zum direkten Aufstieg aber knapp nicht mehr gereicht hatte. Und anstatt – wie es alle anderen Mannschaften traditionell seit Jahrzehnten machen – einfach nächste Saison einen neuen Anlauf zu starten, hat der Vorstand vom 1. SC doch tatsächlich die verstaubten Regularien gewälzt und diese völlig antiquierte Regel zur Relegation des Drittplatzierten gegen den Drittletzten der zweiten Kreisliga ausgegraben. Nun steht Eberhard kreidebleich da, das Handy noch in der langsam herabsinkenden Hand, denn guter Rat ist mehr als teuer: Wie um alles in der Welt soll er jetzt eine schlagkräftige Truppe für kommenden Samstag zusammenstellen? Und dann auch noch für ein Spiel auf neutralem Boden in der Turnhalle des 65 km entfernten TSV Concordia? Beim bloßen Gedanken an seine malade, formschwache und wenig motivierte Mannschaft, die sich mental bereits in der sechsmonatigen Sommerpause befindet, läuft dem tapferen Finanzbeamten ein kleiner Schauer über den Rücken.
 
Trotzdem macht er sich umgehend an die Arbeit. Routinier Rüdiger ist natürlich kein Problem, der spielt ohnehin immer. Doch der sonst so ambitionierte Jungspund Malte steht just an diesem Samstag zwei Tage vor der mündlichen Abiturprüfung – und damit vor der letzten Chance, lebenslangem Hausarrest gerade noch zu entgehen. Trotzdem sagt er seinem Kapitän sofort zu: Denn lebenslanger Hausarrest hin oder her, aber in der dritten Kreisliga will der eigentlich talentfreie Malte nun wirklich nicht mehr spielen! Eberhard ist erleichtert. Und denkt er an Maltes Leistungen in der abgelaufenen Saison, muss sich mit einem eventuellen lebenslangen Hausarrest im kommenden Jahr ohnehin bestenfalls der Mannschaftsführer der vierten oder fünften Mannschaft herumschlagen.

Kleine Notlügen

Bei „Big Papa“ Klaus-Dieter muss Eberhard – nach zähen Debatten zwischen diesem und seiner Gattin Gaby – höchstselbst intervenieren und zum Hörer greifen: Er versichert Gaby beim Leben seines geliebten Goldfischs, dass es sich am kommenden Samstag tatsächlich um ein Tischtennisspiel und noch dazu um ein wahnsinnig wichtiges handelt. Nein, von einer betörend niedlichen Kellnerin Susi habe er nie etwas gehört, ja, Klaus-Dieter wird pünktlich um 23:00 Uhr wieder daheim sein, ja, er wird mit Sicherheit stocknüchtern sein und am nächsten Morgen auf jeden Fall mit den Kindern zum 80. Geburtstag der Schwiegermama fahren können. Unter diesen Bedingungen gibt Gaby ihren Schatz schließlich schweren Herzens frei. Eberhard legt auf und muss sich zur Strafe für seine dreisten Lügen erst einmal in den kleinen Finger beißen: Selbstverständlich wird man nach dem Relegationsspiel bis vier Uhr morgens – entweder zur Feier des Tages oder aus Frust über den Abstieg – in der Vereinskneipe versumpfen und jedes einzelne Bier für Klaus-Dieter wird diesem mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der tatsächlich betörend süßen Kellnerin Susi kredenzt werden. Doch was tut man nicht alles für den Klassenerhalt!

Nun, da Kapitän Eberhard praktisch einen Lauf hat, versucht er gleich auch noch Hotte zu überzeugen. Hotte ist ein schwerer Fall, denn nach einem kurzen spielerischen Zwischenhoch in der Rückrunde (als alle dachten, man könne von sportlichen Zwängen befreit einfach frei aufspielen) sieht sich Hotte dem nun drohenden nahezu unmenschlichen Druck einer Kreisliga-Relegation eigentlich nicht gewachsen. Selbst seinen traditionell eingeübten Entspannungstechniken traut er nicht zu, das irgendwie ändern zu können. Mit dem Mute der Verzweiflung geht Eberhard zum Angriff über: Er erinnert Hotte daran, dass er ja mit dem örtlichen Polizeidienststellenleiter verschwägert sei, dieser kürzlich eine Soko „Hasch“ ins Leben gerufen habe und wirklich für jeden anonymen Tipp dankbar sei. Daraufhin erkundigt sich Hotte umgehend und sehr interessiert nach Spielbeginn sowie Treffpunkt für das Relegationsspiel. Er wird auf jeden Fall pünktlich da sein!

Drastische Mittel für Spitzenspieler

Bei Spitzenspieler Basti muss Eberhard gar zu drastischen Mitteln greifen: Von seinem Starspieler hat man seit Wochen und Monaten nichts mehr gehört in der Tischtennisabteilung, seit sein Start-Up pleite ist. Doch ohne Basti brauchen die Regenwürmer gar nicht erst anzutreten. So kommt es, dass sich Eberhard nach 20 vergeblichen Anrufen einfach in sein Auto setzt und bei Basti vorbeifährt. Er wird empfangen von halb heruntergelassenen Rollläden und weder auf Klingeln noch lautstarkes Klopfen an der Wohnungstür gibt es irgendeine Reaktion. Ein verschlafener Nachbar öffnet seine Wohnung und meint, in Bastis Wohnung hätte er schon ewig niemanden mehr gesehen und, ja, es röche langsam auch etwas unschön. Hoch alarmiert telefoniert Eberhard mit seinem Kumpel von der freiwilligen Feuerwehr. Wenig später rücken drei Löschfahrzeuge samt Besatzung an, brechen Bastis Tür auf – und finden den sonst so sportlichen und fröhlichen jungen Mann laut schnarchend auf seiner Couch, umgeben von Pizzakartons, halbvollen Cola- und Bierflaschen, leeren Chips-Tüten und einem tatsächlich sehr strengen Geruch. Kaum ist Basti geweckt, rückt der Löschzug wieder ab und Eberhard steht vor der Herkulesaufgabe, seinen besten Mann innerhalb von drei Tagen davon zu überzeugen, dass das Tischtennis-Leben durchaus Spaß macht. Gottseidank wird Einfühlungsvermögen in der Ausbildung zum Finanzbeamten groß geschrieben!

So kommt es, dass Eberhard zu seiner eigenen Überraschung am Samstag mit seinem Team in Bestbesetzung zur Relegation antreten kann. Zwar hat sich nur der eigene Abteilungsleiter zur Unterstützung mit auf den langen Weg zum TSV Concordia gemacht, während sich beim ambitionierten 1. SC knapp dreißig Schlachtenbummler mit nahezu ebenso vielen Kisten Bier und sogar einigen Trommeln aus mehreren Vereinsbussen schälen. Doch aus irgendeinem völlig unklaren Grund läuft es für die Regenwürmer an diesem Tag einfach: Bereits nach den Doppeln liegt man entspannt in Führung, alle Mitglieder des Teams spielen mindestens am oberen Rand ihrer Möglichkeiten (wenn nicht sogar darüber), bald verstummen auch die zähesten Trommler des Gegners und nach noch nicht einmal eineinhalb Stunden steht der souveräne Klassenerhalt von Eberhards Truppe fest. Mit Tränen in den Augen setzt er seine Unterschrift auf diesen nahezu historischen Spielberichtsbogen, klopft seinem bitter enttäuschten Gegenüber väterlich auf die Schulter und gesellt sich zu seinem Team. Das muss gefeiert werden!

Immer noch irritiert ob der starken Leistung seiner Jungs hatte Eberhard auf der Rückfahrt Richtung Vereinskneipe zunächst noch interessiert den aufgekratzten Gesprächen zugehört, weil er mit den Stichworten „Gynäkologe unseres Vertrauens“, „Infusion“ und „Eigenblut“ nichts so recht anzufangen wusste. Doch spätestens ab dem dritten kleinen Radler verschwimmen für den tapferen Mannschaftsführer Eberhard so ein bisschen die Erinnerungen an diesen denkwürdigen Abend. Wer kann es ihm verdenken?

Zur ersten Phase "Saisonvorbereitung"
Zur zweiten Phase "Saisonauftakt"
Zur dritten Phase "Pokalspiel"
Zur vierten Phase "Spitzenreiter"
Zur fünften Phase "Erste Krise"
Zur sechsten Phase "Weihnachtspause"
Zur siebten Phase "Rückrundenstart"
Zur achten Phase "Saisonendspurt"
Zur neunten Phase "Englische Woche"

(Philipp Hell)

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