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Der Phasendrescher: Chinaschreck beim Rückrundenstart

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Rüdiger für die Überraschung sorgen kann? (©Laven)

29.01.2019 - Auch für die Kreisligaspieler der SG Eintracht Regenbach/Wurmtal geht es nach der Weihnachtspause wieder los. Und auch wenn die Hinrunde nicht optimal verlief, sind die Schützlinge von Mannschaftsführer Eberhard durchaus motiviert. Dass es zum Rückrundenstart allerdings ausgerechnet gegen den mit einem Chinesen verstärkten FC geht, trübt die Stimmung - zumindest vorübergehend, wie ‚Phasendrescher‘ Philipp Hell in seinem neuesten Blog berichtet.

Es geht also wieder los: Zum Start in die Rückrunde kann es nach dem mehr als schwachen Ende der Hinrunde für die dritte Mannschaft der „Regenwürmer“ eigentlich nur noch besser werden. Eigentlich. Denn schon ein Blick ins Internet auf die Rückrundenaufstellungen der Gegner zeigt, dass die meisten Mannschaften aufgerüstet haben: Der FC hat einen neuen Chinesen, bei TSV konnte ein Altstar reaktiviert werden, die Spielvereinigung hat zwei angeblich begnadete jugendliche Talente in die Herrenmannschaft hochgezogen und bei den „Sportfreunden“ hat sich die Landesliga-Damenmannschaft aufgelöst, so dass die verbliebenen Spielerinnen nun in der 2. Kreisliga der Herren antreten werden – von allzu vielen weiteren Pleiten sollte man beim Aufsteiger und Schlusslicht der Liga also nicht mehr ausgehen.

Schwierige Voraussetzungen

Ganz anders bei der SG Eintracht Regenbach/Wurmtal von 1953, wo nach langem Hin und Her die zuletzt schwächelnden Hotte und Jungspund Malte in der Mannschaft verbleiben durften/sollten/mussten – ganz einfach, weil sonst niemand in dieser spielerisch und psychologisch kriselnden Truppe Stammspieler werden wollte. Eine Verstärkung sieht also anders aus. Abzuwarten bleibt außerdem, wie sich Routinier Rüdiger im ersten Paarkreuz schlägt, in das es ihn aus unerfindlichen Gründen plötzlich punktemäßig gespült hat. Zusätzlich ist offen, wie sich Klaus-Dieters Ausquartierung auf die durchgesessene Wohnzimmercouch (Stichwort: Betörend niedliche Susi. Status: Ehekrise. Drohung: Scheidung) auf seinen ohnehin maladen Rücken sowie seine langsam angeknackste Psyche (Susi hat seit der Weihnachtsfeier seltsamerweise nichts mehr von sich hören lassen) und damit auf seine sogenannte Leistung auswirken wird. Dass Starspieler Bastis Start-Up endgültig kurz vor der Pleite steht und er daher immer bis spät abends arbeiten muss, hilft dem Team auch nicht wirklich weiter.

So viele Hoffnungen hatte Mannschaftsführer und Erbsenzähler Eberhard daher in die Gerüchte gesetzt, dass die Jungs vom SB/DJK ihre Mannschaft zurückziehen. Damit hätte einerseits ein Absteiger aus der 2. Kreisliga bereits sicher festgestanden und somit nur noch ein weiterer gesucht werden müssen. Andererseits hatte Eberhards Team gegen den SB/DJK sehr alt ausgesehen, während direkte Konkurrenten um den Abstieg dort den einen oder anderen Zähler geholt hatten – das Streichen all dieser Resultate hätte den „Regenwürmern“ tabellarisch sehr gut getan. Doch dann hat beim SB/DJK wohl doch keiner seine Karriere kurzfristig beendet, niemand ist ins Ausland gezogen und es gab auch keine ungeplanten Schwangerschaften zu vermelden, kurz: Man tritt wieder an und Eberhards Hoffnungen auf den Klassenerhalt sind arg getrübt.

Wunderwaffe aus China statt Noppenmamis

In dieser nicht vollkommen ausgelassenen Stimmung tritt man nun zum ersten Rückrundenspieltag an. Die undurchschaubaren Regeln des Kreisliga-Spielplans sehen anders als in der Hinrunde jedoch keinen Start gegen den noch punktlosen und jetzt mit Damen verstärkten Aufsteiger vor. (Malte ist ganz erleichtert: Von der letzten Niederlage bei einem Vorbereitungsturnier im Sommer gegen eine dieser mit Noppen spielenden Mittfünfzigerinnen, die alle seine Mutter sein könnten, hat er immer noch Albträume!) Stattdessen wartet mit dem FC eine der stärksten Mannschaften der Liga und von dem bereits erwähnten neuen Chinesen erzählt man sich im Tischtennis-Volk der Region so manche Wunderdinge. Wenigstens hat Eberhard das erste Mal seit Oktober sein Team vollzählig um sich versammelt, denn nach der Weihnachtspause sind alle hoch motiviert und recht optimistisch, die Saison doch noch zu einem guten Ende zu bringen.

Drei Eingangsdoppel und einen 0:3-Rückstand später ist dieser Optimismus schon wieder Geschichte. Die durch die Veränderungen in der Rangliste nötigen Umstellungen der Doppel haben – ohne gemeinsames Training – leider erwartungsgemäß der lächerlichen Doppel-Bilanz nach der Hinrunde keine Wende bescheren können. Kann diese Wende wenigstens in den Einzeln gelingen, oder droht nun noch weniger Erfolg, als ihn die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der vergangenen WM zu verzeichnen hatte? 

Routinier sorgt für Überraschung

Zunächst gilt es für die allenfalls vereinzelt anwesenden Zuschauer Erstaunliches zu begutachten: Der neue hochgelobte Chinese vom FC hat in seiner vorherigen Liga offenkundig noch nie gegen einen Senior mit Noppen auf beiden Schlägerseiten gespielt – und das hat Routinier Rüdiger natürlich bereits beim zweiten Ballwechsel des Einspielens bemerkt! Als der gute Mann auf der anderen Seite des Tisches immer öfter nach einem verschlagenen einfachen Ball irritiert auf seinen Schläger blickt, packt Rüdiger auch noch sein ganzes schauspielerisches Talent aus: Während jeder andere Spieler im Kreis weiß, dass Rüdiger trotz seiner über 80 Lenze noch topfit ist und den kurz bevorstehenden Herzanfall lediglich simuliert, nimmt sein chinesischer Gegner Rüdigers Gesundheitszustand so ernst, dass er ihm ab Mitte des dritten Satzes gar die Bälle auf seiner Seite aufhebt. Leider können sich die Mitspieler mit ihrem Neueinkauf noch nicht verständigen und ihm die Situation erklären. 

So kommt es, wie es kommen muss: Nach einem lockeren Dreisatzsieg schleppt sich Rüdiger wieder äußerst fidel zu seinem Platz zurück, schlägt frivol zwinkernd mit seinen Teamkameraden ein und genehmigt sich als Belohnung erstmal drei schnelle Biere. Für die Moral der „Regenwürmer“ ist dieses Erlebnis natürlich Gold wert und gerade auch die empörten Rufe und drohenden Gesten der sich ausgetrickst fühlenden übrigen FC-Spieler schweißen das Team nur noch enger zusammen. 

Allein: Es hilft nichts. Der Rückstand nach den Doppeln wiegt einfach zu schwer und da, gerade als das Spiel zu kippen scheint, lautstark und ausdauernd bimmelnde Handys sowohl Basti (die Firma!) als auch Klaus-Dieter (Susi?) und schließlich auch noch den ohnehin nervösen Malte (Mama!!!) in entscheidenden Momenten ablenken, ist die nächste Saisonpleite bald perfekt. Eberhard kocht natürlich innerlich, wofür hat er denn extra die „Handy in der Halle nur lautlos“-Regel eingeführt? Allein Althippie Hotte sieht die Lage immer noch entspannt. Erstens sieht er sich kommende Saison eine Liga niedriger gegen deutlich schwächere Gegner seinem Ziel des „schönen Spiels“ viel einfacher näherkommen. Und bimmelnde Handys füllen doch bekanntlich nur die Mannschaftskasse, da kommt bis zur Abstiegsfeier bestimmt noch einiges zusammen.

Zur ersten Phase "Saisonvorbereitung"
Zur zweiten Phase "Saisonauftakt"
Zur dritten Phase "Pokalspiel"
Zur vierten Phase "Spitzenreiter"
Zur fünften Phase "Erste Krise"
Zur sechsten Phase "Weihnachtspause"

(Philipp Hell)

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