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Neuer Phasendrescher-Blog: Die Phasen einer Saison!

Diese sechs Spieler werden wir nun ein Jahr lang begleiten (©Laven)

23.07.2018 - Gemeinsam mit unserem Phasendrescher Philipp Hell haben wir uns in den vergangenen zwei Jahren die typischen Abschnitte eines Amateurspiels angeschaut. Nachdem hier der letzte Ball gespielt und das letzte Bierchen in der Stammkneipe getrunken wurde, beginnt Hell mit einer neuen Serie. Diesmal betrachtet er die Phasen einer ganzen Saison und nimmt sich dafür eine typische Amateurmannschaft zu Hilfe. Im ersten Blog geht es natürlich um die Saisonvorbereitung.

Lernen Sie die 'Regenwürmer' der SG Eintracht Regenbach/Wurmtal kennen: Hier geht's zur Mannschaftsbeschreibung! 

Schon vor Beginn der Kreisliga-Saison 2018/19 der dritten Mannschaft der SG Eintracht Regenbach/Wurmtal von 1953 (Spitzname: die Regenwürmer) kommt es zwischen den sechs Stammspielern dank der völlig unterschiedlichen Saisonvorbereitungen zu ersten Zweifeln am Mannschaftsgeist. 

Die Fleißigen

Trainings-Aktivposten und Routinier Rüdiger hat sowieso das ganze Jahr über trainiert, hat keine Sommerpause gemacht und kann daher auch nicht von einer expliziten Saisonvorbereitung reden. Er geht jede Woche zwei Mal ins Training und trainiert dort wahnsinnig engagiert. Und das alles mit seinen Noppen! Am Ende gibt es immer noch ein Doppel, das ist klar. Anschließend geht es auf vier Biere in die Kneipe, das ist noch klarer. Und das Wichtigste: Zu Hause muss er in dieser Zeit nicht im Rosengarten seiner Inge das Unkraut jäten oder ähnlich nervenaufreibende Dinge tun. Dass plötzlich wieder das neue Schuljahr und damit die neue Saison beginnt, interessiert ihn höchstens peripher – er ist mittwochs ohnehin immer in der Halle.

Bei Turnierspieler Malte wiederum besteht die komplette Saisonvorbereitung aus dem Besuch zahlloser Turniere. Training hält er allgemein für überschätzt, denn er trainiert lieber unter Wettkampfbedingungen. Früher musste man dafür im Sommer gerne mal bis ins nächste Bundesland fahren, um an einem halbwegs seriösen Turnier teilnehmen zu können. Dies hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass dort das Spielniveau deutlich niedriger war und man daher gerne mal mit reichlich bestückten Geschenkekörben und haufenweise TTR-Punkten im Gepäck wieder nach Hause kam. Heutzutage finden stattdessen im Umkreis von zehn Kilometern von Maltes Elternhaus jedes Wochenende mindestens fünf Turniere von einer dieser neumodischen Turnierserien statt. Das hat den großen Vorteil, dass man nicht bis 22:30 Uhr warten muss, bis man endlich zum Spiel um Platz drei der Doppelkonkurrenz aufgerufen wird. Dafür schwankt Maltes TTR-Wert im Verlauf der Sommerpause jedoch um mehrere hundert Punkte – nur gut, dass die Mannschaftsmeldung sich auf den Q-TTR-Wert aus dem Mai bezieht. Außerdem findet Malte im eng getakteten Turnierplan nur selten die Zeit, den Mathe-Stoff der elften Klasse zu wiederholen, um sich seriös auf das finale Schuljahr vor dem Abi vorzubereiten. So oder so, Turnierspieler Malte ist selbstverständlich voll im Saft, wenn im September endlich wieder die Saison beginnt. Also das heißt natürlich: im Rahmen seiner – eher begrenzten – Möglichkeiten.

Vorbereitung abseits der Halle

Der Tischtennis-Nichtstuer Basti andererseits meidet miefige Sporthallen im Sommer wie der Teufel das Weihwasser: Ihn sieht man nur auf diversen Tennisplätzen und Beachvolleyball-Feldern in der Nah- bis Mitteldistanz um seinen Wohnort. Daher betritt die Nummer 1 der Mannschaft die Halle braungebrannt das erste Mal 30 Minuten vor Beginn des ersten Punktspiels. Folglich besteht seine Saisonvorbereitung aus diesen Abschnitten: fünf Minuten umziehen, zehn Minuten aufbauen, fünf Minuten Doppelaufstellung bereden, fünf Minuten über die Doppelaufstellung ärgern, fünf Minuten mit Materialspieler Rüdiger warmspielen (von „einspielen“ kann nun wirklich keine Rede sein) – das muss reichen.

Dann gibt es da noch Mannschaftsführer und Trainingslager-Fan Eberhard. Zwar hat er keine Lust auf eine klassische Saisonvorbereitung während der Sommerferien in völlig überhitzten Turnhallen. Doch ins von Hansi organisierte Trainingslager in Kroatien fährt er seit mehr als einem Jahrzehnt mit. Dort wird in guter alter Tradition nicht nur die schwache Vorhand, sondern auch die bereits recht starke Leber trainiert. Zusätzlich gibt es manchmal auch noch nächtliche Einheiten, in denen exzessiv Karten geklopft werden. Nach einer schlauchenden Woche kehrt Eberhard dann urlaubsreif nach Hause zurück und sieht sich eigentlich körperlich und mental kaum in der Verfassung, nächste Woche bereits beim Pokalspiel anzutreten. Tut er aber trotzdem, als Mannschaftsführer ist das natürlich Ehrensache. Außerdem hätte er sonst das Spiel kampflos herschenken müssen, doch so etwas hat der Beamte aus Prinzip noch nie getan.

Traditionalist und Wundertüte

Der Pragmatiker Klaus-Dieter wiederum geht das Thema Saisonvorbereitung sehr strukturiert an: Nach der traditionellen Email des Abteilungsleiters, in der das erste Training nach den Sommerferien beworben wird, packt Klaus-Dieter traditionell seine sieben Sachen (Gaby muss ihm erst noch sagen, wo das Trikot ist), fährt in die traditionelle (um nicht zu sagen: heruntergekommene) Halle, ärgert sich darüber, dass die Duschen – anders als angekündigt – traditionell immer noch eine Baustelle sind, trainiert 75 Minuten seine traditionell starke Vorhand, ignoriert eben so lang seine traditionell schwache Rückhand, absolviert ein oder zwei traditionelle Doppel mit der selbstverständlich vollständig anwesenden sechsten Mannschaft, bevor er wieder nach Hause fährt und traditionell dort duscht, bevor er noch die Kinder ins Bett bringt. Und wie jedes Jahr – um nicht zu sagen: traditionell – geht Pragmatiker Klaus-Dieter eine Woche später mit seiner traditionellen Spielstärke in die neue Saison.

Und Hotte? Tja, Hotte ist auch in Hinsicht auf die Saisonvorbereitung eine Wundertüte. Kann sein, dass er sich in der letzten Ferienwoche jeden Tag in irgendeinem Training der umliegenden Vereine hat blicken lassen und dementsprechend motiviert erneut sein übergeordnetes Ziel vom „schönen Spiel“ angehen wird. (Sein Rating ist ihm bekanntlich schnuppe.) Kann aber auch sein, dass er bis Mitte Oktober aus unerfindlichen Gründen einfach nicht zu erreichen ist. Angeblich ist er wieder mal in Indien auf einem seiner obskuren Ayurveda-Yoga-Seminare, bei denen sich Geist und Seele finden sollen. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass er irgendwo in Amsterdam völlig bekifft „verloren gegangen“ ist. Und drei Wochen Rundlauf in einem holländischen Knast zählt selbst bei Hotte nicht als erwähnenswerte Saisonvorbereitung.

(Philipp Hell)

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