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Der Phasendrescher: Die englische Woche

Den Regenwürmern steht eine englische Woche bevor (©Laven)

01.04.2019 - Die Kreisliga-Saison der „Regenwürmer“ der SG Eintracht Regenbach/Wurmtal von 1953 biegt langsam aber sicher auf die Zielgerade ein. Sportlich gesehen ist das Jahr längst gelaufen, besondere Ambitionen hat man – abgesehen von Jungspund Malte – ohnehin nie gehegt. So könnte das Team um Mannschaftsführer und Erbsenzähler Eberhard ganz entspannt dem Saisonende entgegenblicken, stünde nicht noch ein besonders großes Ärgernis bevor: eine englische Woche.

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Wie jedes Jahr hatte es der Spielplan eigentlich recht gut mit den Regenwürmern gemeint, größere Abstände zwischen den geplanten Punktspielen ergaben sich wie immer nur in den Schulferien wenn der Hausmeister die Turnhalle wie üblich verriegelt und verrammelt, um eine Woche auf Malle zu entspannen. Doch wie ebenfalls jedes Jahr traten im Verlauf der Rückrunde dann doch einige spielplantechnische Komplikationen auf: belegte Turnhallen aufgrund von Schulveranstaltungen, geblockte Termine aufgrund der traditionell langatmigen Bezirksversammlung, verlegte Spiele aufgrund von Unabkömmlichkeiten vermeintlicher Leistungsträger der Gegner sowie die Inkompetenz des Spielplangestalters, der gleich fünf Spiele von Mannschaften des TTC auf den gleichen Tage gelegt hatte, wodurch es auch noch zu einer von oben verordneten Spielverlegung kam. Kurz zusammengefasst warten auf Captain Eberhard und seine Jungs nach einer zähen vierwöchigen Pause diese Woche gleich drei Spiele: am Dienstag, am Freitag sowie als ultimative Krönung das ohnehin unbeliebte Samstags-Auswärtsspiel beim bereits erwähnten TTC (familienfreundlicher Beginn um 17:30 Uhr).

Rüdiger droht Hüft-OP
Routinier Rüdiger schmerzt bereits beim bloßen Gedanken an diese Horror-Woche die seit Jahrzehnten malade Hüfte. Nach langer Verhandlung mit seinem Kapitän verzichtet Rüdiger auf das Freitagsspiel. Ein Umstand, der ihn beinahe noch mehr schmerzt als seine Hüfte, ist es doch seine erste Absage für ein Punktspiel in dieser Saison. Doch der Chiropraktiker seines Vertrauens hatte zuletzt klare Ansagen gemacht: Privat (Rosenschneiden) und im Beruf (Tischtennis) kürzertreten, sonst droht eine weitere Hüft-OP. Und mit Rollator wird selbst der sonst noch so fidele Rüdiger kaum mehr an die Tischtennis-Platte zurückkehren können.

Der angehende Beinahe-Abiturient Malte hingegen freut sich auf die englische Woche. Statt alle zwei Tage zu irgendwelchen Turnierserien mit hunderten Kilometern Anfahrt kutschen zu müssen, kann er seinem liebsten Hobby endlich auch in der nächsten Umgebung unter Wettkampfbedingungen nachgehen. Außerdem gilt es, die zuletzt wirklich saublöd und äußerst unglücklich verlorenen 200 TTR-Punkte schleunigst wieder aufzuholen, um nächste Saison nicht in die fünfte Mannschaft abzurutschen. Schön auch, dass er diese Woche eine vorzeigbare Ausrede für Mama hat, warum er leider gerade vor lauter Tischtennis-Stress nicht fürs Abi lernen kann.

„Big Papa“ Klaus-Dieter wiederum kann seiner Gaby drei Tischtennis-Termine in nur einer Woche auf gar keinen Fall schmackhaft machen. Erstens stellt sich die Frage, wer denn dann zum Elternsprechtag, zum Eltern-Kind-Turnen sowie zum Fußballtraining der F-Jugend fährt. Und außerdem bleibt Gaby mehr als latent skeptisch, ob ihr Klausi wirklich auch zum Tischtennis fährt und sich nicht doch etwa mit der angeblich betörend süßen Kellnerin Susi treffen will. Klaus-Dieter weiß inzwischen, dass verschwitze Sportklamotten keinen Beweis für eheliche Treue darstellen, und so teilt er seinem Kapitän mit, dass er allerhöchstens und nur in größter Not Dienstag und Freitag spielen kann.

Spitzenspieler Basti ist seit der endgültigen Pleite seines mit Pauken und Trompeten gescheiterten Start-Ups für Eberhard nicht mehr zu erreichen. (Man munkelt: auch für das Finanzamt nicht mehr.) Dies ist natürlich ein herber sportlicher Verlust für die Regenwürmer, denn ohne Basti ist man in dieser Liga wirklich kaum konkurrenzfähig.

Hotte hatte Eberhard für das Samstags-Spiel bereits vor Monaten abgesagt, da fährt er angeblich zu irgendeiner obskuren „Weiterbildung“ nach Holland. Und auch am Freitag davor möchte er eigentlich nur ungern spielen, da will er sich lieber mental auf das Wochenende einstellen. 

Jeder mögliche Ersatzspieler schon anderweitig verplant
So kommt es, dass Eberhard bereits zwei Wochen vorher alle 50 Freiminuten seines „ALDI-Talk“-Prepaid-Vertrages aufgebraucht hat beim Versuch, eine schlagkräftige Truppe für alle drei Punktspiele der englischen Woche zusammenzustellen. Gerade an dem Samstag scheint – kaum zu glauben – wirklich beinahe jeder mögliche Ersatzspieler schon anderweitig verplant zu sein. Schon bald handelt es sich folglich nur noch um den Versuch, überhaupt irgendeine Truppe zusammenzustellen. Dies gelingt schließlich nur dank der aufopferungsvollen Einsatzbereitschaft mehrerer vertrauensseliger elfjähriger Jugendspieler sowie einiger gutmütiger Tischtennis-Rentner, die eigentlich seit Jahren nur noch zum Kartenspielen vorbeischauen.

Was folgt ist eine Ausbeute von 0:6 Punkten bei 2:27 Spielen – und damit ist man noch gut davongekommen! Höchste Zeit, dass diese Saison endlich ein Ende nimmt.

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(Philipp Hell)

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