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Nachwuchs-Ass An Duy Dang: Spätzünder und Marathonläufer

In Badeschlappen nach dem Training: An Duy Dang wohnt seit einem Jahr im DTTI. (©Sebastian Leib)

18.09.2020 - Vor einer Woche berichteten wir in unserer Reihe 'Nachwuchs-Asse' über den 14-jährigen André Bertelsmeier. Zeitgleich interviewten wir auch seinen unwesentlich älteren Kumpel und Trainingspartner An Duy Dang (16). Bis zum Lockdown teilten sich beide ein Zimmer im Deutschen Tischtennis-Internat. An Duy begann seine TT-Karriere ungewöhnlich spät. Der gebürtige Kölner schaut sich sehr viel von Benedikt Duda ab.

Dass die heranwachsenden Tischtennisprofis während ihrer Förderung auch eine gute Kondition brauchen und deshalb unter Bundestützpunktleiter Dirk Wagner (selbst ehemaliger Leichtathlet) mehrere wöchentliche Laufeinheiten bestreiten, ist für An Duy Dang nichts Neues. Für das Nachwuchstalent sind kurze Ausdauerläufe jedoch fast schon Peanuts. „Es hat sich ein bisschen herumgesprochen. Ich bin in der Corona-Zeit einen Marathon gelaufen“, erzählt er. Dabei hat sich der Elftklässler nicht einmal für einen offiziellen Lauf angemeldet, geschweige denn irgendwo eine Startgebühr gezahlt. An Duy Dang legte die knapp 42 Kilometer lange Strecke ganz alleine hin, natürlich mit einer großen Portion Eigenmotivation im Rücken.

Über den Cousin mit zehn Jahren zum TT

Vom Familien-Wohnsitz in Köln-Widdersdorf bis zum Rhein-Energie-Stadion und durch die Wälder an den Jahnwiesen vorbei wurden es mehrere große Runden. Das Ergebnis ist mit einer Zeit von 3:20 Stunden beachtlich, eine allzu große Vorbereitung war für den geübten Läufer nicht nötig. „Es hat sich natürlich sehr langgezogen, aber es war ein gutes Gefühl ihn abzuschließen. Ich wusste genau, wie gut ich laufen muss und welches Tempo ich wann brauche“, berichtet der Gymnasiast des Düsseldorfer Lessing-Gymnasiums über eine Leistung, auf die er definitiv stolz sein kann. Doch nicht nur in Laufschuhen fühlt sich der Internatsschüler wohl, früher spielte er neben Tischtennis auch Basketball.

Noch heute verfolgt er die amerikanische Spitzenliga NBA in seiner Freizeit. Zum Schläger griff er im Gegensatz zu den meisten Mitbewohnern erst sehr spät. Kurz nach seinem zehnten Geburtstag begeisterte ihn sein Cousin 2014 für den kleinen weißen Ball. „Er hat damals beim ttc indeland Jülich gespielt. Mit ihm habe ich die ersten Bälle geschlagen“, erinnert sich An Duy. Gefallen daran fand der 16-Jährige schnell. Beim nahegelegenen Verein TTC Lövenich fühlte er sich sofort heimisch. In nur sechs Jahren kämpfte sich der Spätzünder in die NRW-Liga (Jugend) bzw. Landesliga (Herren) hoch. 

An Duy bewundert Vorbild Benedikt Duda

Zur laufenden Saison wagte das Talent den nächsten Schritt. Mit der Hoffnung, sich weiterzuentwickeln, wechselte An Duy Dang zum 1. FC Köln III in die NRW-Liga. „Da ich schon ein paar Leute kannte, hat sich die Möglichkeit ergeben. Die Gegner sind schon stärker“, sagt An Duy, der insgeheim auch auf einen Einsatz in der Zweitvertretung (Regionalliga West) schielt. Seine ersten beiden Einzel in dieser Saison gestaltete er siegreich. Die große Stärke liegt in seiner Vorhand. „Wenn der Ball lange läuft, kann ich auch gegen bessere Spieler ganz gut mithalten“, weiß er. Im Aufschlag-/Rückschlagspiel und bei Rückhandbällen sei jedoch noch Luft nach oben.

Einer, der deutlich weniger Schwächen hat, heißt Truls Möregård. Der junge Schwede gehörte lange zu den großen Vorbildern des 16-Jährigen. Seit An Duy im DTTZ zu Hause ist, hat sich das geändert. „Im Moment ist es Benedikt Duda. Ich bewundere ihn sehr für seine Art, wie hart er trainiert und sich dadurch in der Weltrangliste nach oben gekämpft hat.“ In manchen Punkten sehe er sogar Parallelen zu sich selbst und kann sich demnach gut mit seinem Idol identifizieren. Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit: Während Duda vor einem Jahr Deutscher Meister im Doppel wurde, sicherte sich An Duy Dang bei den Westdeutschen Meisterschaften der Schüler im selben Jahr den Titel und feierte mit André Bertelsmeier seinen bisher größten Erfolg. André ist auch sein Lieblingspartner beim Training am Tisch. Die Bilanz: ausgeglichen.

Ballwechsel mit Omar Assar sorgt für Lacher

Beim Top 12 der Schüler wurde An Duy Dang Dritter, für das Top 48 der Jugend qualifizierte er sich nicht. Das aber soll sich schon bald ändern. Wie aber muss das Erfolgsrezept für die entscheidenden nächsten Jahre aussehen, um die gleichaltrige Konkurrenz um die Nationalkaderathleten Felix Köhler, Mike Hollo und Co. nicht aus den Augen zu verlieren? „Ich will mich, so weit es geht, hocharbeiten. Man muss Spaß dran haben und sich immer über die Grenze hinaus pushen“, sagt der Spieler des 1. FC Köln und fügt hinzu: „Wichtig ist zudem eine gute Bezugsperson. Ein Mannschaftskollege oder Trainer, um sich gegenseitig zu fördern.“ 

Eine Erfahrung, die ihm allerdings keiner mehr nimmt, war die dreifache Teilnahme an der Turnierserie Düsseldorf Masters im Sommer. Gegen Omar Assar und Gerrit Engemann gab es zwar deutliche Klatschen. Bei einem Ballwechsel konnten sich die Anwesenden in der Halle das Lachen aber nicht verkneifen. Mit einem effektiven Stoppball führte Assar den jungen Kölner hinters Licht (siehe Video bei 6:10). „Anfangs war ich ziemlich nervös. Das hat sich schnell gelegt. Den letzten Ball hätte ich natürlich noch treffen können“, scherzt An Duy, der trotz des verspäteten Betretens der großen Tischtennisbühne im professionellen Jugendbereich noch ganz hoch hinauswill. 

Hier lesen Sie das Poträt über André Bertelsmeier

Eine kleine Kostprobe von An Duy Dangs Spiel sehen Sie hier!

(FKT)

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