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Nachwuchs-Ass André Bertelsmeier: Alles geben für den Profi-Traum

André Bertelsmeier nahm im Sommer auch an den Düsseldorf Masters teil. (©Sebastian Leib)

10.09.2020 - André Bertelsmeier ist mit 14 Jahren der der jüngste Bewohner des Deutschen Tischtennis-Internats in Düsseldorf. Zu Beginn seiner Sportlerkarriere lag der Fokus nicht nur auf Tischtennis. Heute tut er alles dafür, seinen Traum, Profi zu werden, wahr werden zu lassen. Für unsere Reihe ,Nachwuchs-Asse' haben wir uns mit André über seine bisher steilen Karriereweg unterhalten. Der sportliche Höhepunkt ist noch lange nicht erreicht.

Mittwoch, 18 Uhr. Hinter André Bertelsmeier liegen seit dem Aufstehen anstrengende Stunden. Die zweite schweißtreibende Trainingseinheit ist gerade erst vorbei. Obwohl sich der Tag langsam dem Ende zuneigt, steht für den 14-Jährigen und seine Mitbewohner noch einiges auf dem Programm. Bundesstützpunktleiter Dirk Wagner hatte ihm das Seil schon in die Hand gedrückt. Die Crossfit-Übungen und die Französisch-Vokabeln mussten allerdings noch kurzzeitig hintenangestellt werden. Denn zunächst stellte sich André Bertelsmeier den Fragen der myTischtennis-Redaktion.

Der Fußball musste weichen

Noch ist es gar nicht so lange her, als der Neuntklässler des Lessing-Gymnasiums sein Zimmer im DTTI bezog. Auf Empfehlung des WTTV verbrachte der NRW-Liga-Spieler des TTC GW Bad Hamm II vor einem Jahr eine Probewoche in Düsseldorf. „Es hat mir hier sofort sehr gut gefallen“, erinnert sich André. Dass der im Jahr 2005 geborene gebürtige Hammer der Jüngste sein würde, störte ihn schon damals nicht. „Ich bin hier sehr schnell reingewachsen. So groß ist der Altersunterschied auch nicht.“ Mit seinem Kumpel An Duy Dang wohnte er bis zum Lockdown noch in einem Zimmer, seit Corona sind jedoch nur noch Einzelzimmer erlaubt. 

Auch wenn es im Tischtennis natürlich vermehrt auf die Leistungen des Einzelnen ankommt, war André Bertelsmeier schon früh ein echter Teamplayer. Dabei hatte er den klassischen Weg eingeschlagen, den gefühlt jeder zweite deutsche Junge im Kindesalter geht. Zum Sport fand er nämlich über den Fußball, später erst kam dann Tischtennis dazu. Eine Entscheidung musste gefällt werden. „Es lief immer besser. Dann habe ich irgendwann mit Fußball aufgehört“, sagt André, der als Fan des SC Paderborn gelegentlich auch noch im Stadion zu Gast ist oder in seiner Freizeit mit Freunden vor den Ball tritt. 

Zweitligamatch und Masters-Teilnahme als wichtige Erfahrung

Heute bestimmt der kleine weiße Ball seinen umfänglichen Alltag. Alles begann 2014 mit seinem ersten Meisterschaftsspiel in der C-Schüler-Kreisklasse. Nach fünf Jahren bei seinem Heimatverein SV Westfalia Rhynern, wo er sich bis in die Herren-Landesliga hochspielte, entschloss sich André Bertelsmeier 2019 zu einem Wechsel. In der Zweitvertretung des unweit entfernten TTC GW Bad Hamm gehört er zum Stamm - mit dem klaren Ziel vor Augen, wieder in die Oberliga zurückzukehren. Im November des vergangenen Jahres schnupperte das Nachwuchstalent dann sogar erstmals Zweitligaluft.

Ein Sieg sprang am Ende zwar nicht dabei heraus, dennoch blickt der 14-Jährige noch gerne auf dieses Erlebnis zurück. „Es war sehr schön und durch die Fans war die Atmosphäre ganz anders. Es läuft alles viel professioneller ab.“ Für seine weitere Laufbahn ähnlich wichtige Erfahrungen sammelte der Gymnasiast bei drei Ausgaben der Turnierserie Düsseldorf Masters, wo er die Möglichkeit bekam, sich mit Alberto Mino, Kirill Fadeev und dem späteren Gesamtsieger Dang Qiu messen zu dürfen. „Man konnte hautnah erleben, was die Profis wirklich besser machen. Von außen sieht man das nicht immer.“

Sprung in den U15-Nationalkader geglückt

Nicht nur von den Stars aus der Tischtennisszene schaut sich André Bertelsmeier sehr viel ab. Zu seinen Vorbildern zählt auch der Tennisspieler Novak Djokovic. „Ich mag seinen Kampfgeist. Er gibt einfach nie auf und gibt, egal wie es steht, immer 100 Prozent.“ Wie der serbische Superstar ist auch André Rechtshänder und gleichzeitig voll auf Angriff spezialisiert. Was aber zeichnet sein Spiel im Vergleich zu anderen genau aus? „Ich bin mehr auf Aufschlag-Rückschlag fokussiert und will schnell den Punkt machen“, sagt er.
Lange, spinorientierte Ballwechsel zählen hingegen zu seinen Schwächen. 

Die 2000-TTR-Punkte-Marke hat André zwischenzeitlich schon mal überschritten. Mit jeder Menge Ehrgeiz nahm er im jungen Alter bis dato eine rasante Entwicklung, die noch lange nicht abgschlossen sein soll. Seine größten Erfolge: Westdeutscher Schülermeister im Doppel 2019 mit An Duy Dang, 5-Länderkampfsieger 2018 sowie eine Teilnahme am Top 12-Bundesranglistenfinale. Vor nicht allzu langer Zeit wurde er sogar in den U15-Nationalkader berufen. Unter der ehemaligen Bundestrainerin der Schüler, Eva Jeler, erlebte der 14-Jährige seit Anfang 2020 noch einige Lehrgänge mit. Der Übergang von Jeler zu Chris Pfeiffer vollzog sich ohne große Umgewöhnung.

Mitbewohner als größte Konkurrenten

 „Ein paar Unterschiede merkt man schon. Beide sind sehr gute Trainer. Chris wird das jetzt gut weiterführen“, ist sich André Bertelsmeier sicher. Doch ist er nicht der einzige seines Jahrgangs, der in den Genuss der 1a-Trainingsbedingungen im Deutschen Tischtennis-Zentrum kommt. In seiner Altersklasse sieht er seine vor allem seine Mitbewohner Tayler Fox und Tobias Sältzer als deutschlandweit größte Konkurrenten. Trotz ihrer jungen Jahre setzten die ,Stars von morgen‘ bereits alles auf eine Karte und geben immer und überall 100 Prozent. 

Das müssen sie auch. Nach einem harten Tag im Internat und dem geschafften Interview stand dem wohlverdienten Abendessen für André Bertelsmeier am Mittwochabend dann aber auch nichts mehr im Wege. 

Da wir für ein Doppel-Interview im DTTZ zu Gast waren, dürfen Sie sich auch noch auf ein Porträt über An Duy Dang freuen. Der Text erscheint in ein bis zwei Wochen auf www.myTischtennis.de 

(FKT)

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