Buntes

Was macht eigentlich Ex-Europameisterin Wu ,Dudu' Jiaduo?

Wu Jiaduo bei den Olympischen Spielen 2012 und mit ihrem dreijährigen Sohn im Jahr 2020. (©ITTF/privat)

04.08.2020 - Mit dem Einzel-Europameistertitel 2009 in Stuttgart feierte Wu Jiaduo ihren größten Erfolg als Tischtennisprofi. Seit der Geburt ihres Sohnes Louis vor drei Jahren hat ,Dudu‘ ihre Karriere unterbrochen. Nun steht ihre Rückkehr kurz bevor. Beim französischen Erstligisten Metz TT will die 42-Jährige zur kommenden Saison wieder angreifen. In unserer Kategorie ,Was macht eigentlich...?' werden wir den Werdegang der gebürtigen Chinesin noch einmal genauer beleuchten.

Der kleine weiße Ball spielte in Wu Jiaduos Leben schon sehr früh eine besondere Rolle. Ihr Vater Wu Xiaoming, selbst ein ehemaliger chinesischer Nationalspieler, war ihr erster Trainer und brachte seiner Tochter das Tischtennisspielen bei. Nach dem Besuch einer Sport- und Provinzschule in ihrem Herkunftsland wagte ,Dudu‘ 1998 den Sprung ins weit entfernte Deutschland. Ihr erster Klub, der langjährige Damen-Bundesligist TSV Röthenbach, war über einen Spielervermittler auf die talentierte Chinesin aufmerksam geworden. „Es war der beste Schritt für mich. Ich bin sehr schnell gut zurechtgekommen, weil ich im Studium (Wirtschaft, Anm. d. Red.) auch schon Englisch gelernt habe“, sagt Wu Jiaduo 22 Jahre später. 

Trauriger Abschied aus Deutschland

Schon während ihrer Zeit im Frankenland avancierte ,Dudu‘ dank ihrer sympathischen Art und ihres attraktiven Offensivspiels zum Publikumsliebling. Das sollte sich auch bei ihrer zweiten Station in Kroppach nicht ändern. Im Gegenteil: Der FSV war bis zum Rückzug 2013 das Nonplusultra im deutschen Damen-Tischtennis und gewann eine deutsche Meisterschaft nach der anderen. „Es war schon eine lange und erfolgreiche Zeit“, blickt die einstige Weltklassespielerin zurück. Die eine oder andere Träne habe ,Dudu‘ schon verdrückt, als es nach zwölf Jahren im Westerwald plötzlich vorbei war mit der ersten Liga.

Als aktive Spielerin in Kroppach kletterte die ehemalige Weltranglistenelfte auf der Karriereleiter immer weiter nach oben. Nur wenige Wochen nach ihrer Einbürgerung im November 2005 debütierte Wu Jiaduo für die deutsche Nationalmannschaft, 77 weitere Einsätze im schwarz-rot-goldenen Trikot, zwei Olympia-Teilnahmen und viele weitere Triumphe (siehe Seite 2) sollten hinzukommen. Bis zu ihrem Abschied aus dem Nationalteam war ,Dudu‘ zudem wie viele ihrer Kolleginnen bei der Bundeswehr als Sportsoldatin in der Sportfördergruppe Köln aktiv. 

Wiedersehen mit Tamara Boros

Mit einigen ihren damaligen Mitspielerinnen, darunter auch Kristin Lang und Shan Xiaona, steht ,Dudu‘ nach wie vor in Kontakt. Ihr Spitzname ist in TT-Kreisen bis heute geläufig. „In Deutschland war ich wegen Corona in diesem Jahr leider noch nicht“, sagt sie. Seit ihrem Wechsel zum Klub Metz TT im Jahr 2013 führte es Wu Jiaduo in regelmäßigen Abständen immer wieder nach Düsseldorf, wo sie lange Zeit wohnte. Neben einigen Einheiten mit alten Bekannten traf ,Dudu‘ bei ihrem letzten Besuch im DTTZ auch auf Tamara Boros. Beide spielten sich ein paar Bälle zu und sprachen über alte Zeiten.

Die fast gleichaltrige Kroatin und jahrelange Konkurrentin stand der Deutschen auf internationaler Bühne des Öfteren gegenüber. Boros wird nach den Olympischen Spielen 2021 in die Fußstapfen von Jie Schöpp treten und das Amt der Damen-Bundestrainerin übernehmen. „Sie war als Spielerin technisch stark und hatte beeindruckende Aufschläge“, erinnert sich ,Dudu‘. „Tami wird mit ihrer Erfahrung sicherlich gute Leistungen bringen und vor allem die jungen Spielerinnen weiter heranführen.“ 

Nach überstandener Babypause: ,Dudu‘ vor Comeback

Heute lebt Wu Jiaduo mit ihrem Mann und ihrem dreijährigen Sohn Louis Duval in Frankreich in der Nähe von Metz. Dort fühlt sich die 42-Jährige pudelwohl. Könnte es womöglich dennoch irgendwann eine Rückkehr nach Deutschland geben? „Alles ist möglich“, antwortet die stolze Mutter, die sich seit der Geburt ihres Sohnes voll und ganz um ihre Familie kümmert. Zu Beginn der Schwangerschaft legte Wu Jiaduo ihren Schläger erstmal zur Seite. Eigentlich sei dies nur für ein bis zwei Jahre geplant gewesen, letztlich wurden es sogar über vier. 

Bestand ihr Alltag zuvor zu großen Teilen aus Tischtennis, hat sich das Blatt irgendwann gewendet. „Es war schon eine große Umstellung und sehr viel Abwechslung für mich, sich rund um die Uhr um das Baby zu kümmern. Aber ich wollte so viel wie möglich mit meiner Familie erleben. Das macht mich sehr glücklich.“ Den Topsport und die Damen-Bundesliga verfolgte sie demnach in der jüngeren Vergangenheit nur noch am Rande, der Abstand sei einfach zu groß geworden. Jetzt will es Wu Jiaduo aber noch mal wissen, die Auszeit hat ein Ende. Ihr Sohn wird schon bald den Kindergarten besuchen, Dudu‘ brennt auf ihr Comeback. 

„Ich werde wieder für Metz spielen. Darauf freue ich mich sehr. Ich hoffe, dass die Saison im September normal beginnen kann“ – vorausgesetzt, die Corona-Lage in Frankreich lässt es zu. Die zweifache Olympiateilnehmerin hat eine neue Heimat gefunden. Mit ihrem Mann und ihrem Sohn spricht ,Dudu‘ in erster Linie deutsch, ihre Französisch-Kenntnisse seien jedoch noch ausbaufähig. „Ich kann es nur ein bisschen, versuche es aber weiter zu lernen.“ Mit dem nötigen Kampfgeist und Fleiß aus dem Sport sollte das für die ehrgeizige Angriffsspielerin das geringste Problem sein.

(FKT)

Die Eckdaten zur Person Wu Jiaduo finden Sie auf der zweiten Seite des Artikels.

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