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WTT Doha: Großes Chaos am ersten Turniertag

Zum Auftakt des WTT-Contender-Turniers musste ungewollt per Hand gezählt werden. (©Walther)

28.02.2021 - Der offizielle Start der WTT-Serie in Doha lief alles andere als glatt. Zwar konnten mit Ricardo Walther, Yuan Wan und Chantal Mantz alle DTTB-Asse ihr erstes Qualifikationsspiel in Katar gewinnen, die Kritik von Trainern und Spielern in Richtung der Organisatoren war allerdings schon am ersten Tag riesengroß. Die späte Vorrunden-Auslosung des mit 200.000 Dollar dotierten Contender-Turniers sollte nur der Anfang gewesen sein. Coronagerecht ging es in den Hallen nicht überall zu.

Dabei hatte der Ausrichter im Vorfeld der ersten internationalen Standortbestimmung für die deutschen TeilnehmerInnen noch von scharfen Corona-Regeln gesprochen. Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf äußerte sich gegenüber dem DTTB verärgert über die schlechten Bedingungen vor Ort: "Es ist jetzt kurz vor 15 Uhr Doha-Ortszeit, aber es liegt keinerlei Auslosung für die morgige Qualifikation vor. Die Spieler wissen somit erst viel zu spät, gegen wen und wann sie spielen oder ob sie vielleicht sogar ein Freilos haben. Obwohl wir es angemahnt hatten, wurde uns nicht mitgeteilt, wo und wann die Auslosung stattfindet. Es ist schon Wahnsinn, dass es null Informationen gibt. Das sind einfach für den Sport ganz wichtige Dinge, die rechtzeitig und transparent kommuniziert werden müssen. Dass dies nicht geschieht, ist schon sehr ernüchternd. Die Coronavorkehrungen finde ich hier sehr grenzwertig. Es graut einem fast, in die Trainingshalle zu gehen, so eng tummelt sich alles aufeinander. Es verstärkt sich leider der Eindruck, dass es für WTT das Wichtigste ist, dass beim Hauptturnier die Lichter blinken, die Musik wie in einer Disko dröhnt und schwarze Tische auf schwarzem Boden stehen."

Walther und Roßkopf kritisieren chaotischen Auftakt

Erst drei Stunden vorher wurde bekannt, gegen wen Ricardo Walther und Co. im Kampf um die Hauptfeldplätze in die Box mussten. Der Düsseldorfer traf in Runde eins auf den Ägypter Khalid Assar. Den Bruder seines ehemaligen Mitspielers Omar besiegte der Nationalspieler klar mit 3:0. Schwieriger sollte es für den amtierenden deutschen Einzelmeister im späteren Verlauf gegen den Tschechen Pavel Sirucek werden. Mit seiner Auftaktleistung war der 29-Jährige zufrieden. „Wieder international zu spielen und zurück auf der Tour zu sein, das fühlt sich klasse an. Meine Leistung war nach ein paar Anlaufschwierigkeiten im ersten Satz auch gut und ich habe souverän gewonnen“, resümierte Walther dessen Einzel wegen technischer Probleme mit den digitalen Zählgeräten verspätet begonnen hatte.

Dass manuell gezählt werden musste, bestätigte die holprige WTT-Premiere. Walther: "Das Turnier läuft sehr chaotisch. Nicht nur wegen der technischen Probleme oder wegen der Zustände in der Trainingshalle, in der eineinhalb Tage keine Banden zur Verfügung standen. Aber auch Zeitpläne gibt es hier nicht. Wir haben gestern erst sehr spät überhaupt erfahren, wann und gegen wen wir heute spielen. Für morgen weiß ich gerade einmal, wer mein nächster Gegner ist. Auf Nachfrage wird auch nichts bekanntgegeben: Uhrzeit und Tisch weiß kein Mensch. Irgendwie hat man den Eindruck, dass alles drunter und drüber läuft. In der Halle ist es sehr dunkel und die Kombination mit schwarzen Tischen und schwarzem Boden macht die Lichtsituation noch schwieriger. Man sieht durch die neue Optik natürlich, dass WTT etwas verändern will. Aber das, worauf es für die Sportler ankommt, das ist bislang noch nicht so optimal."

Drei Gewinnsätze, vier Runden bis Hauptfeld, Auslosungsmodus gewöhnungsbedürftig

Ruwen Filus und Dang Qiu durften sich bei den Herren über ein Freilos freuen, beide stiegen erst am Montag in den Wettbewerb ein. Selbiges galt für Sabine Winter in der Damen-Konkurrenz. Ihre Kolleginnen Yuan Wan und Chantal Mantz hatten währenddessen zu Beginn keine großen Mühen. Die Kolbemoorerin scheiterte nach dem 3:0-Erfolg über die Slowakin Nikoleta Puchovanova in Runde zwei an der favorisierten Taiwanesin Cheng Hsien-Tzu. Mantz musste nach dem 3:0 über Ema Labosava gegen die Singapur-Chinesin Yu Mengyu als Verliererin aus der Box gehen. Auch bei den Damen waren bis zum Erreichen des am Mittwoch beginnenden Hauptfelds vier Siege nötig. Anders als auf internationalem Topniveau gewohnt reichten drei, statt vier Gewinnsätze zum Weiterkommen.

Ähnlich wie im Tennis sorgte auch der neue Auslosungsmodus im Hauptfeld für Erstaunen bei den Beteiligten. Zur Erklärung: Bisher war es üblich, dass die an den Positionen fünf bis acht bzw. neun bis 16 gesetzten Akteure direkten Duellen mit den vier Topfavoriten zumindest am Anfang aus dem Weg gingen. Dies ist in Doha nicht mehr gewährleistet. Ein Beispiel: Die Niederländerin Britt Eerland (Position elf) traf zu ihrer Überraschung im 32er-Feld der Damen schon in Runde eins auf die topgesetzte Japanerin Mima Ito. Nach altem Prozedere wäre dieses Match frühestens im Achtelfinale möglich gewesen. WTT klärte im Vorfeld zwar über den neuen Modus auf, doch nicht jeder schien darüber Bescheid gewusst zu haben. Einige Athleten äußerten via Social Media ihren Frust darüber. 
 

Die Qualifikationsspiele der Deutschen in der Übersicht:

Herren-Einzel

1. Runde
Ricardo Walther - Khalid Assar EGY 3:0 (12,7,6)

2. Runde
Ricardo Walther - Pavel Sirucek CZE 1:3 (5,-9,-9,-8)
Dang Qiu - Florent Lambiet BEL 3:0 (9,8,6)
Ruwen Filus - Joao Geraldo POR 2:3 (-9,5,-12,7,-11)

3. Runde
Dang Qiu - Ovidiu Ionescu ROU 3:0 (8,6,4)

4. Runde
Dang Qiu - Noshad Alamyan IRN 0:3 (-2,-7,-12)

Damen-Einzel

1. Runde
Yuan Wan - Nikoleta Puchovanova SVK 3:0 (7,6,7)
Chantal Mantz - Ema Labosava SVK 3:0 (9,7,9)

2. Runde
Yuan Wan - Cheng Hsien-Tzu TPE 1:3 (-8,9,-6,-6)
Chantal Mantz - Yu Mengyu SGP 0:3 (-7,-7,-5)
Sabine Winter - Szandra Pergel HUN 3:0 (7,3,8)

3. Runde
Sabine Winter - Hsing-Yin Liu TPE 0:3 (-2,-6,-11)

Zu weiteren Informationen auf der ITTF- und der WTT-Turnierseite

(FKT)

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