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ITTF-Protest: Das sagen Weikert, Geiger, Boll und Ovtcharov

ITTF-Präsident hofft auf eine sinnvolle Lösung! (©ITTF)

09.09.2020 - Nicht alle Topspieler konnten die Entscheidung der ITTF nachvollziehen, den World Cup der Damen und Herren sowie die Grand Finals nach China zu verlegen. Neben Timo Boll haben sich auch Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska den Unmutsbekundungen im Protestschreiben angeschlossen. ITTF-Präsident Thomas Weikert kann die Aufregung der Profis durchaus verstehen und hofft das Thema noch mal auf die Agenda zu bringen.

Eigentlich sollte man meinen, dass die Vorfreude auf die internationalen Turniere bei Timo Boll und Co. überwiegen sollte. Stattdessen ist die für den November angesetzte #Restart-Serie der ITTF für die Stars mit enormen Reisestrapazen verbunden. Zudem droht bei einer möglichen Nicht-Teilnahme der Abzug wichtiger Weltranglistenpunkte, die mit Blick auf die Olympischen Spiele noch enorm wichtig werden könnten

Timo Boll äußerte sich kürzlich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur zu dieser Thematik: „Der Weltverband hat uns Spieler mehrfach gefragt, ob wir uns vorstellen könnten - ähnlich wie die NBA im Basketball - für einige Wochen in einer Art Blase zusammenzukommen. Das heißt, uns in einem Hotel mit angeschlossener Halle zu treffen und dort einige Turniere auszutragen. Ich persönlich war da eher skeptisch. Zum einen beginnt jetzt bei uns die Bundesliga, was eine solche ‚Bubble‘ allein aus Vereinssicht schon einmal schwierig machen würde. Außerdem würde das eventuell bedeuten, dort vor Ort in Quarantäne zu müssen und danach wieder hier vor Ort in Quarantäne zu müssen. Dafür würde viel Zeit draufgehen. Aber klar: Jeder macht sich Gedanken, wie man etwas ausrichten und von dem ursprünglichen Turnierplan retten könnte. Das werden noch spannende Zeiten.“

Verträge mit Vereinen - Weikert zeigt Verständnis

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung fügte Boll hinzu: „Die Bundesliga findet in dieser Zeit auch statt und ist für die meisten Spieler momentan die lebensnotwendige Haupteinnahmequelle. Da überlegt man sich dreimal, ob man seinen Verein vergrault, indem man wochenlang in China spielt. Ich kann mir das im Moment nicht vorstellen." Noch deutlicher wurde Dimitrij Ovtcharov: „Wir haben Verträge in Vereinen und können diese nicht brechen. Da können ich und eine Vielzahl anderer Spieler vor allem aus Europa nicht teilnehmen“, sagte der 32-Jährige der SZ. Davon geht auch ITTF-Präsident Thomas Weikert aus. Nachdem ihn der offene Protestbrief erreichte, zeigte sich der 58-Jährige wenig überrascht. Der Grund: Die Athletenkomission habe sich schon zuvor vehement gegen geplanten Vergabemodus der Weltranglistenpunkte gewehrt.

Dadurch, dass die Punkte in China für Tokio noch sehr wichtig werden könnten, wertete Weikert den Protest als eine Art „Hilferuf an die ,World Ranking Group‘ zu überlegen, ob man es nicht auch anders regeln könnte." Bei einem Voting über den aktuell geplanten Punktevergabemodus sei er überstimmt worden. "Ich bin sehr für diese Turnierserie, finde aber, man darf die Spieler mit dem Druckmittel Weltrangliste nicht zwingen teilzunehmen. Spieler, die teilnehmen, sollten vielmehr mit einer Art Bonus für die Weltrangliste belohnt werden. Ich hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist", wird der ITTF-Präsident von der SZ zitiert.

Hoffnung auf sinnvolle Lösung besteht

Momentan wird noch heiß diskutiert, der DTTB hingegen hofft auf eine baldige, einvernehmliche Lösung zwischen Profis und Verband. Präsident Michael Geiger sieht die Zusammenfassung der Top-Events als begrüßenswerten Ansatz. „Deshalb haben wir auf Wunsch der ITTF den LIEBHERR Men’s World Cup 2020 zurückgegeben", so Geiger. Der Wunsch, mehrere ITTF-Events in Deutschland zu veranstalten, wäre in der vom Weltverband durchgeführten Form nicht umsetzbar gewesen.

Viel wichtiger sei neben den internationalen Wettkämpfen die Berücksichtigung des Interesses von Bundesliga- und Champions-League-Vereinen. „Die Entscheidung, ob ein Spieler an einem Turnier teilnimmt, bleibt unter den besonderen Umständen der Pandemie immer eine sehr individuelle, die jeder Ausrichter respektieren muss. Wir hoffen, dass ITTF und Spieler über noch offene Fragen bald Einvernehmen erzielen“, wird Michael Geiger auf der DTTB-Seite zitiert.

(FKT)

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