Olympia 2021

Faire Lösung gesucht - Athleten wollen frühen Stichtag für Tokio

Zoran Primorac kämpft in der ITTF-Athletenkommission für eine faire Lösung (©ITTF)

14.04.2020 - Hätten die Olympischen Spiele wie geplant in diesem Sommer stattfinden können, wäre die Weltrangliste von Juni 2020 als Basis zur Vergabe der letzten Tischtennis-Startplätze genutzt worden. Auf dieses entscheidende Ranking haben viele Spieler hingearbeitet und für dieses Ziel zum Teil viel Geld investiert. Damit diese Mühen nicht umsonst waren, wollen die Athleten, dass diese Jagd trotz der Verschiebung um ein Jahr nun nicht von vorne beginnt.

Als die Olympischen Spiele wegen der Coronakrise um fast genau ein Jahr nach hinten verlegt wurden, bedeutete dies für alle Athleten, die in Tokio an den Start gehen wollten, einen fundamentalen Einschnitt. Die einen waren schon qualifiziert und bereiteten sich bereits auf die Wettbewerbe vor, die anderen kämpften noch um einen Startplatz, was über kontinentale Ausscheidungsturniere, den Welt-Qualifikationswettbewerb und die Weltrangliste möglich gewesen wäre. Besonders jene, die ihre Teilnahme noch nicht in trockenen Tüchern wissen, fürchten nun um ihre Chancen - und dass all die Bemühungen umsonst gewesen sein könnten. Denn noch ist nicht entschieden, wie die Qualifikation für die Olympischen Spiele im Sommer 2021 fortgesetzt und welcher Weltranglistenstand für die Vergabe der letzten Plätze ausschlaggebend sein wird.

Stichtag noch in diesem Jahr

Um letzteren Punkt geht es der ITTF-Athletenkommission, die sich Ende März mit einem offenen Brief an den Weltverband wandte. In diesem loben die Athleten die Entscheidung, die Olympischen Spiele zu verschieben, bitten aber gleichzeitig darum, sorgsam abzuwägen, welches Ranking für die Qualifikation entscheidend sein wird. „Wir glauben, dass der Stichtag vor dem 31. Dezember 2020 terminiert werden sollte - und damit vor der Einführung des neuen World-Table-Tennis-Systems“, heißt es in dem Brief, der auf der ITTF-Webseite veröffentlicht wurde. Damit würden Turniere, die für das Frühjahr 2021 geplant sind - und damit näher am Olympiatermin liegen - nicht berücksichtigt werden.

Athletensprecher Zoran Primorac erklärt auf Nachfrage die Hintergründe dieser Forderung. Der Kommission geht es vor allem um Fairness für die Spieler - und diese sei vor allem dann gewährleistet, wenn sich die Bedingungen für die Qualifikation möglichst wenig ändern würden. „Es gibt eine Menge Spieler, die viel Geld und Zeit investiert haben, um Punkte für das entscheidende Ranking im Juni 2020 zu sammeln“, erläutert der ehemalige kroatische Nationalspieler. Würde der Stichtag analog zu den Spielen selbst um ein Jahr nach hinten verschoben, wäre diese Investition möglicherweise umsonst gewesen. Zudem wird die internationale Turnierstruktur ab Anfang 2021 komplett überarbeitet, die Grundlage für das Sammeln von Weltranglistenpunkten wäre also nicht mehr dieselbe. „Dies ist ein komplett neues System, das auch die Weltrangliste beeinflussen wird. Wir finden es fair, wenn die Entscheidung über die Olympia-Startplätze auf der Grundlage des alten Systems fiele“, erklärt Primorac.

Verschobene Turniere sollen mit einfließen

Die Athletenkommission schlägt vor, das aktuell eingefrorene Ranking, das gegebenenfalls in diesem Monat noch von der ITTF angepasst wird, als Basis zu verwenden und die Turniere zu ergänzen, die ursprünglich auch in das Olympia-Ranking einfließen sollten. Das heißt, die Weltmeisterschaften oder zum Beispiel die Japan und China Open, die für die Olympischen Spiele 2020 gezählt hätten, aber wegen der Coronakrise verschoben wurden, sollen, wenn sie wiederholt werden, auch noch Einfluss auf das entscheidende Ranking haben. Die Konditionen, um sich über die Weltrangliste für die Spiele zu qualifizieren, wären dann also fast dieselben wie zum Ursprungstermin. So hätten Athleten, die sich in diesem Jahr schon fast qualifiziert hatten, aber womöglich einen ähnlichen zeitlichen und finanziellen Aufwand bis Juni 2021 nicht zusätzlich noch leisten können, gute Chancen, ihren Startplatz zu sichern. Und was ist mit Spielern, die erst im Frühjahr 2021 richtig in Fahrt kommen und ebenfalls ein Ticket nach Tokio verdient hätten? „Diese Spieler haben ja trotzdem noch die Möglichkeit, über die kontinentalen oder internationalen Qualifikationsturniere nach Tokio zu kommen. Uns geht es nur um die Plätze, die über die Weltrangliste vergeben werden“, betont Primorac. 

Bis Ende Juni finden international keine Tischtenniswettkämpfe statt. Das heißt, die ITTF hat viel Zeit, sich nicht nur über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs und den Turnierkalender, sondern auch über die Qualifikationskriterien für die Olympischen Spiele in Ruhe Gedanken zu machen und eine für alle Seiten möglichst faire Lösung zu finden.

(JS)

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