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Große Reform: Mehr Geld, neue Struktur, ‚Grand Slam’

Die Kalender der Stars sollen entzerrt werden, die Geldbörsen anwachsen (©ITTF)

04.03.2020 - Der Tischtennis-Weltverband ITTF strebt einer großen, neuen Zukunft entgegen. In einer Pressemitteilung kündigte er gestern den Beginn einer neuen Ära für das Jahr 2021 an. Mit mehr Preisgeld, einer neuen Turnierstruktur und vier Spitzenevents, die an die Grand-Slam-Turniere im Tennis erinnern, soll es nächstes Jahr unter dem Stichwort „World Table Tennis“ losgehen. Dafür hat man sich mit Philippe Le Floc’h einen Marketingprofi ins Boot geholt.

Tischtennis soll sein Nischendasein verlassen und Sportfans weltweit begeistern, die dieser Sportart bisher kaum Beachtung geschenkt haben. Mit dieser Zielsetzung läutet die ITTF im kommenden Jahr eine neue Ära ein und stellt dafür seine Turnierstruktur im Topsport auf den Kopf. Für den Sprung auf die nächste Ebene holte man sich mit dem ehemaligen FIFA-Handelsdirektor und UEFA-Marketingchef, Philippe Le Floc’h, einen Profi ins Boot, der sich seit über 25 Jahren an der Spitze des Sportbusiness bewegt und sich bisher vor allem auf Fußball konzentriert hat. Mit seiner Hilfe sollen die ITTF-Events frischer und dynamischer werden und einen größeren Fokus auf den Faktor Unterhaltung bekommen. So sollen neue Zuschauer und Fans gewonnen werden - auch indem Events über die ganze Welt verteilt werden, so dass auch Menschen, die bisher nie die Gelegenheit hatten, diesen Sport zu erleben, ihn einmal live sehen können.

Über 13 Millionen US-Dollar Preisgeld

Doch wie sehen die geplanten Veränderungen konkret aus? Ein wichtiger Punkt: Es wird künftig mehr als doppelt so viel Preisgeld auf ITTF-Events zu gewinnen geben. Insgesamt wird eine Summe von über 13 Millionen US-Dollar veranschlagt. Zudem sollen die Turniere medial besser verkauft werden, es sollen professionelle Fernsehproduktionen entstehen, die über die reine Sportberichterstattung hinausgehen und auch interessante Geschichten über die Spieler erzählen sollen. Vor allem wird allerdings die bisherige Turnierstruktur grundlegend geändert und folgt dann einer anderen Einteilung, als man es seit Jahrzehnten von World Tour und Co. gewohnt ist. Mit dieser Maßnahme sollen die Terminkalender der Stars entzerrt werden, die sich künftig wohl vor allem auf die wichtigsten Events konzentrieren werden.

Neben der Weltmeisterschaft, die weiterhin jedes Jahr ausgetragen werden soll, stehen die sogenannten ‚Grand Smashes‘ an der Spitze der ITTF-Turniere. Der Name erinnert bereits ein wenig an den Grand Slam im Tennis - und auch sonst folgen die ‚Grand Smashes‘ dem Vorbild mit dem gelben Filzball. Bis zu viermal im Jahr werden diese Turniere über zehn Tage lang an vier festen Standorten stattfinden. Die besten 64 Männer und Frauen der Welt dürfen um ein Preisgeld von jeweils 3 Millionen US-Dollar pro Turnier kämpfen. „Indem sie die perfekte Mischung bieten aus höchstklassigem Tischtennis sowie die Aktivierung und Unterhaltung der Community, sind die Grand Smashes die Spitzenevents, die alle Spieler gewinnen wollen, alle Städte veranstalten wollen und alle Fans einfach nicht verpassen dürfen“, heißt es in der ITTF-Pressemitteilung.

Mehr reine Damen- und Herrenevents

Unterhalb dieser vier Spitzenevents wird es die WTT-Serie mit bis zu 28 Turnieren geben, die sich in verschiedene Kategorien aufteilen. In der WTT-Champions-Serie treten Damen und Herren in unabhängigen Turnieren an. Jeweils vier Damen- und vier Herrenwettbewerbe sind hier geplant, in denen die 32 besten Spieler der Welt an nur einem Tisch gegeneinander antreten werden. Am Ende des Jahres werden die 16 Besten der Serie in den WTT Cup Finals ihren König krönen. Diese Events sollen an ungewöhnlichen Orten wie Theatern oder Nachtclubs stattfinden und Musik-, Tanz- und andere kulturelle Beiträge zur besseren Unterhaltung enthalten. Insgesamt geht es hier um ein Preisgeld von 8 Millionen US-Dollar.

Spieler, die noch nicht in diesen Sphären angekommen sind, haben die Möglichkeit, in der Contender- und Star-Contender-Serie Erfahrungen zu sammeln. Hier wird es bis zu 14 Turniere im Jahr geben, die in normalen Sporthallen ausgerichtet werden. An diesen Events können prinzipiell alle Spieler der Weltrangliste teilnehmen. „Von der Minute, in der ich von diesem Projekt gehört habe, hat es mich begeistert“, erklärt Le Floc’h. „Ich habe große Hoffnung, dass man mit diesem neuen Businessmodell viel erreichen kann, und ich glaube, dass WTT ein Vorbild für alle anderen internationalen Verbände wird. Ich freue mich, meine große Erfahrung einzubringen, um WTT zu großem Erfolg zu verhelfen und Tischtennis in der globalen Sportelite zu positionieren.“

(JS)

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