International

Linz verliert Titel - Stockerau doch Österreichs Meister!

David Serdaroglus extrovertierte Siegerfeier war doch nicht umsonst (©TT11TV)

14.08.2019 - Etwa zehn Wochen lang durfte sich die SPG Linz als „österreichischer Meister“ fühlen. Nach dem Urteil des ÖTTV-Berufungsgerichts vorige Woche steht der Titel nun aber der SG Stockerau zu. Dass die Frage nach dem rechtmäßigen Meister überhaupt im Raum stand, gründete sich auf einen vermeintlich falschen Aufschlag beim Bundesligafinale Ende Mai, der eigentlich zum Titelgewinn Stockeraus führte, dann aber für großen Aufruhr sorgte.

David Serdaroglu hat sein Trikot doch nicht umsonst zerrissen. Auf diese Weise hatte der Spieler der SG Stockerau den Gewinn des Meistertitels in der österreichischen Bundesliga auf dem Tisch stehend gefeiert, bevor wenig später doch Gegner SPG Linz zum Sieger erklärt wurde (myTischtennis.de berichtete). In zweiter Instanz behielt Stockerau nun aber Recht und bekam den Pokal durch das Urteil des ÖTTV-Berufungsgerichts wieder zurück. Die Angelegenheit war pikant, da sich eigentlich auch die erste Instanz, die österreichische Bundesliga-Kommission, darüber einig gewesen war, dass Stockerau zu Recht Protest eingelegt hatte. Dieser sei bloß nicht rechtzeitig formuliert worden. Das Berufungsgericht stellte nun fest, dass Stockerau sowohl im Recht war als auch den Protest früh genug eingelegt hatte. Damit wandert der Meistertitel mit einiger Verspätung noch von Linz nach Stockerau.

Doch was war am 26. Mai genau passiert? Im Finale der österreichischen Bundesliga sollte die Entscheidung über die Meisterschaft im letzten Einzel der Partie Linz gegen Stockerau fallen. Bei einem Sieg von David Serdaroglu ginge Stockerau mit einem Unentschieden aus diesem Spiel, würde aber wegen der besseren Position in der Abschlusstabelle zum Meister erklärt. Wenn Uros Slatinsek die Partie für sich entscheiden sollte, würde Linz als Sieger des Spiels und der Bundesligasaison vom Tisch gehen. Das hochemotional geführte Match, in dem das Thema Aufschlag von Beginn an präsent war, gipfelte in einem Ass von Serdaroglu zum 11:9 im fünften Satz, welches ihm vom Schiedsrichter am Tisch auch zugesprochen wurde. Noch während der Siegesfeier des Stockerauers hatte der Oberschiedsrichter seinem Kollegen am Tisch aber bereits signalisiert, dass der Aufschlag nicht regelkonform gewesen sei, woraufhin dieser seine Entscheidung revidierte und den Spielstand auf 10:10 änderte. Am Ende einer emotionalen Diskussion wurde Serdaroglu disqualifiziert und das Spiel für Linz gewertet. Stockeraus Protest wurde wegen zu spät erfolgter Einreichung abgewiesen, der Verein ging in Berufung, wo ihm nun Recht zugesprochen wurde.

Das Berufungsgericht, dessen ausführliche Urteilsbeschreibung man zum Beispiel auf der Webseite „Sportreport.biz“ nachlesen kann, gibt Stockerau in beiden Punkten Recht: Der Oberschiedsrichter hätte nicht eingreifen dürfen und der Protest wurde früh genug eingelegt. Der Schiedsrichter am Tisch sei laut ITTF-Regeln die Person, die das Spiel leite. Die Spielleitung gehöre nicht zu den Aufgaben des Oberschiedsrichters. Der Schiedsrichter am Tisch hatte Serdaroglus Aufschlag als regelgerecht anerkannt und ihm den Punkt gegeben. Dies war laut Gericht zweifellos eine unanfechtbare Tatsachenentscheidung, gegen die auch beim Oberschiedsrichter kein Protest eingelegt werden könne. Die nachträgliche Zurücknahme der Entscheidung, nachdem das Spiel schon beendet worden war, verstoße damit gegen die Regeln. Der Protest sei zudem von Stockerau nach der Partie auf dem Spielbericht vermerkt worden, noch bevor dieser an den Oberschiedsrichter übergeben wurde. Eine Fristverletzung sieht das Gericht nicht.

„Wir sind sehr froh und erleichtert, dass wir am Ende Recht bekommen haben“, erzählt Stockeraus Mannschaftsführer Tarek Al-Samhoury. „Österreichs Nationalspieler David Serdaroglu ist ein Held, weil er unter großem Druck eine heroische Leistung abgeliefert hat.“ Ob heroisch oder nicht - er hat Linz auf jeden Fall den Doppelsieg der Damen und Herren vermiest. Sofia Polcanova und Co. müssen die Meisterschaft daher nun alleine feiern, während in Niederösterreich bei der SG Stockerau wohl ebenfalls die Sektkorken knallen.

(JS)

Ähnliche Artikel

Kommentar schreiben

* Pflichtfeld

Sicherheitsabfrage Bitte geben Sie die untenstehende Zeichenfolge im Feld darunter ein.

Copyright © 2019 myTischtennis GmbH. Alle Rechte vorbehalten.