Buntes

Als man dachte, dass Tischtennis schädlich für die Augen sei

Ein Ausschnitt aus dem Artikel von 1902 (©The Table Tennis Collector)

04.07.2016 - In der Anfangszeit der Dampflok im 19. Jahrhundert warnten englische Ärzte davor, Geschwindigkeiten jenseits der 30 km/h könnten dem menschlichen Körper schaden – aus heutiger Sicht ein großer Irrtum. Einen ähnlichen Fall gab es auch im Bezug auf Tischtennis. So glaubte man Anfang des 20. Jahrhunderts, dass Tischtennis schädlich für die Augen sei. Das ITTF-Magazin "The Table Tennis Collector" veröffentlichte dazu nun einen Artikel.

Dieser stammt aus einer Zeitung aus San Francisco aus dem Jahr 1902. Dort wird zunächst beschrieben: "Lassen Sie Londoner Chirurgen ruhig über die Sehnenscheidenentzündung und Ähnliches diskutieren. All das ist nichts im Vergleich zum 'Tischtennis-Auge'. Alle Tischtennisspieler leiden darunter." Etwas näher ausgeführt wird das 'Krankheitsbild' auch. So sollen Physiker behauptet haben, dass "Tischtennisspieler an Augenentzündungen leiden und Wettkampfspieler das beste Beispiel dafür sind. Das ständige Verfolgen des Balls ist verantwortlich für Kopfschmerzen, oder, in anderen Worten, verursacht Irritationen (…)." Doch dem ist noch nicht genug. Weiter heißt es: "Das Auge des Tischtennisspieler ist oft blutunterlaufen. Der einzige Weg, das zu verhindern, ist, das Tischtennisspielen zu unterbrechen und dem überstrapazierten Auge eine Pause zu gönnen." Auch auf die bestmögliche Farbe des Tischs – das auch heute noch recht beliebte dunkelgrün – wird in dem Artikel von 1902 eingegangen: "Der ideale Tisch sollte dunkelgrün sein. Diese Farbe ist gut für das Auge."

Der Mythos, dass Tischtennis in der Sowjetunion zwischen 1930 und 1950 aufgrund solcher Bedenken für das Wohlergehen des menschlichen Auges verboten war, wird im Magazin "The Table Tennis Collector" ebenfalls behandelt und widerlegt. Alex Lomaev, der Pressesprecher des Russischen Tischtennisverbands, soll auf Anfrage solche Meldungen nämlich als unwahr deklariert haben.

Aus heutiger medizinischer Sicht kommt einem die Anfang des 20. Jahrhunderts vertretene These natürlich ohnehin eher abenteuerlich vor. Der Augenarzt Dr. Thomas Katlun, der uns bereits bei einem Artikel zur LASIK, dem Augenlasern, als Experte zur Verfügung stand, sagt: "Es gibt keinen Anhalt dafür, dass Tischtennis den Augen bzw. den sechs Muskeln, die jedes Auge in alle Richtungen bewegen, schadet. Eine Einschränkung gibt es lediglich nach Linsen- oder Netzhaut-Operationen. Dann sollten vier Wochen lang schnelle Bewegungen mit den Augen sowie Erschütterungen vermieden werden." Gerade Kindern empfehle man bei einer Ergotherapie Tischtennis sogar, um die Hand-Auge-Koordination zu schulen.

Hier ein etwas älterer YouTube-Beitrag zu einer Sehstudie:

(DK)

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