Buntes

Tischtennis als Wett-Hit während Coronakrise

Da sonst nur wenig Sport lief, wetteten in der Coronakrise viele Leute auf osteuropäische Tischtennisspiele (©Bet365)

16.07.2020 - Normalerweise wird Tischtennis von der allgemeinen Öffentlichkeit eher stiefmütterlich behandelt. Wenn wegen einer Pandemie allerdings das Sporttreiben weltweit weitgehend eingestellt wird, kann ein kontaktloser Sport wie Tischtennis plötzlich punkten. Zumindest im Bereich Sportwetten, wo in den vergangenen Monaten Tischtennisspiele in Osteuropa bei den ‚Zockern‘ in den Fokus rückten und selbst in den wenig tischtennisbegeisterten USA zahlreiche Wett-Fans fanden.

Wie Oleg Suharkov gegen Andrey Ocvhinnikov in der russischen Liga Pro spielt oder ob Anton Yolkien Kostiantyn Kirsanov im ukrainischen Setka Cup schlagen wird, interessiert die internationale Sportgemeinschaft normalerweise nicht die Bohne. Während der Coronakrise war aber so ziemlich nichts normal - und so rückten plötzlich Sportereignisse in den Fokus, die dort eigentlich sonst nichts zu suchen haben. In einer Zeit des Jahres, in der Sportfans normal voll auf ihre Kosten kommen und sich Fußball, Basketball oder Handball anschauen können, herrschte wegen der Kontaktbeschränkungen Sendepause. Das traf natürlich die Sportfans, die sich auf Wettbewerbe im Fernsehen freuen, aber auch die Wettspieler, die nun kaum mehr Gelegenheit hatten, ihr Geld auf sportliche Ereignisse zu setzen. Die Wettanbieter hatten darum große Einbußen zu verschmerzen und waren froh, sich zumindest auf einige wenige Exotenwettbewerbe stützen zu können, darunter Tischtennis in Russland, Tschechien oder in der Ukraine.

Die ITTF hatte den internationalen Spielbetrieb im März zwar komplett eingestellt, das bedeutete aber nicht, dass in manchen Ländern nicht trotzdem Tischtennis gespielt wurde (myTischtennis.de berichtete). Die Wettspielfreunde nahmen dies freudig zur Kenntnis. „So entwickelte sich plötzlich Tischtennis zur populärsten Sportart auf unserer Seite“, erzählt Claus Retschitzegger vom Wettanbieter Bet-at-Home der Frankfurter Rundschau, die gestern vom Tischtennis-Wett-Boom in der Coronakrise berichtete. Dieser Aufschwung beschränkte sich aber nicht nur auf Deutschland. Auch in den USA, wo in diesem Frühjahr nicht auf NBA, MLB oder Golf-Masters gesetzt werden konnte, rückte Tischtennis ins Rampenlicht. Der Sportsender ESPN berichtete Ende Mai, dass hunderttausende Dollar täglich in solche Sportwetten fließen. Und Journalist Gene Collier fragte in der Überschrift seiner Kolumne für die Pittsburgh Post-Gazette gar: „Sind wir schon gelangweilt genug, um auf Ping Pong zu wetten? Oh ja!“ Tatsächlich scheint der eine oder andere mit diesem „langweiligen“ Zeitvertreib viel Geld gemacht zu haben. Wie der US-Wettanbieter William Hill im Mai berichtete, machte ein ‚Zocker‘ aus Nevada offenbar knapp 25.000 US-Dollar aus einem 100-Dollar-Einsatz.

Ob bei den Spielen, auf die in den vergangenen Monaten gewettet werden konnte, immer alles mit rechten Dingen zugegangen ist, wurde von ESPN allerdings schon damals angezweifelt. Es sei schwierig, Informationen über Organisatoren oder Spielorte herauszubekommen - an offizielle Verbände seien sie meist nicht angeschlossen. In New Jersey und Colorado wurden laut ESPN ukrainische Spiele vorige Woche wegen Verdachts auf Spielabsprachen aus dem Programm der Buchmacher genommen. Lange anhalten wird der Tischtennis-Boom im Wettgeschäft aber wohl eh nicht. Sobald die populäreren Sportarten wieder uneingeschränkt ausgeübt werden dürfen und die Ligen in eine neue Saison starten, wird sich wohl auch der Tischtennissport wieder in seine Nische verziehen - zurück zu den anderen Stiefmütterchen im Sportbeet.

(JS)

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