Buntes

Kurzarbeit in Düsseldorf – Bad Driburg vor Worst-Case

Im Februar fand für Borussia Düsseldorf das vorerst letzte Match auf europäischer Bühne statt. (©Fabig)

31.03.2020 - Seit nun bereits knapp zwei Wochen legt das Coronavirus das öffentliche Leben in Deutschland komplett lahm. Die Krise hat massive Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche in der Gesellschaft. Auch die Vereine aus der TTBL und Damen-Bundesliga sind hart von den Maßnahmen betroffen. Doch wie wird in Düsseldorf, Grenzau oder Bad Driburg mit dem ,Shutdown‘ umgegangen? MyTischtennis.de hat bei einigen Vereinsvertretern nachgefragt.

Wirft man einen Blick in die sozialen Medien, dann fällt auf, dass sich die meisten deutschen Topsportler in ihren eigenen vier Wänden, soweit es geht, mit individuellem Krafttraining und physischen Übungen fit halten. „Nicht jeder hat einen Kellerraum mit Tisch“, weiß Kevin Kösling, Coach des Damen-Bundesligisten TuS Bad Driburg. Der 27-Jährige bekommt die Konsequenzen der Pandemie besonders hart zu spüren. Er arbeitet im Verein an allen Ecken und Enden. Rechnet man von der Jugendbetreuung, über die Vorstandsarbeit bis zu den eigenen Bezirksligaspielen alles zusammen, verbringt Kevin Kösling in einer normalen Woche gut 25 Stunden in der Halle.

Sponsoren springen ab – Bad Driburg droht Rückzug

All das hat sich schlagartig geändert. Im Juni sollte das 50-jährige Vereinsjubiläum groß gefeiert werden. „Jetzt liegt erst mal alles auf Eis“, bedauert Kösling, dem aktuell ganz und gar nicht zum Feiern zumute ist. Denn den TuS Bad Driburg plagt im Moment ein viel größeres Problem. Die Zukunft des Tabellenzweiten der Damen-Bundesliga steht auf dem Spiel. „Im Profisport braucht man Sponsoren. Und die springen jetzt schon nach und nach ab“, beschreibt Kösling die für alle Bad Driburger immens schwierige Situation. Da es sich hauptsächlich um Gelder vieler Kleinsponsoren und mittelständischen Unternehmen handelt, ist der TuS auf jeden einzelnen davon angewiesen.

Doch haben die Förderer zurzeit mehr denn je mit sich selbst zu kämpfen. Die Sorgen werden so nicht gerade kleiner. Die Gehälter für die Bundesligaspielerinnen kommen da noch oben drauf. Zunächst werde sich mit Überbrückungsmanövern geholfen. Die Lizenzunterlagen für die kommende Spielzeit wurden eingereicht, erste Verträge gemacht. „Aber wenn es hart auf hart kommt, müssen wir die Mannschaft zurückziehen. Ohne Sponsoren ist sie nicht zu finanzieren“, sagt Kösling. Gemeinsam mit Manager Franz-Josef Lingens wird die Lage ständig neu sondiert. Die Telefone in Ostwestfalen laufen wohl auf längere Sicht heiß. Am Dienstag haben sich die schlimmsten Befürchtungen in Bad Driburg bewahrheitet.

Kurzarbeit bei über 20 Mitarbeitern von Borussia Düsseldorf 

Von einem derartigen Worst-Case-Szenario ist Deutschlands erfolgreichster Klub, Borussia Düsseldorf, noch weit entfernt. Wann die TTBL-Play-offs und die Champions-League-Halbfinals allerdings ausgetragen werden können, steht noch in den Sternen. Zwar fallen durch die ruhenden Wettkämpfe lukrative Prämien und wichtige Zuschauer- sowie Fernseheinnahmen in mittleren fünfstelligen Beträgen auf unbestimmte Zeit weg, doch die Borussia bewegt sich wirtschaftlich in ganz anderen Sphären und Strukturen, als es in Bad Driburg der Fall ist. 

Das Herunterfahren jeglicher Aktivitäten – das gesamte DTTZ ist geschlossen – stellt den Verein dennoch vor eine große Probe. „Die Uhren sind in allen Facetten auf null gestellt. Wir müssen uns definitiv auf einen längeren Zeitraum einstellen“, berichtet Manager Andreas Preuß. Der 58-Jährige zieht im Hintergrund weiter die Fäden, während in der vergangenen Woche die personelle Notbremse gezogen werden musste. Ob Auszubildende, duale Studenten oder FSJ’ler – die meisten der über 20 Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit und sind, sofern es geht, im Homeoffice tätig. Dazu gehört auch Timo Boll, wie er in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtete. Der 39-Jährige nimmt sich nach der Olympia-Absage sehr viel Zeit für sich und seine Familie. Preuß hingegen hofft wie jeder Funktionär, dass es bald zumindest wieder möglich sein wird, in Kleinstgruppierungen den Hochleistungssport auszuüben.

Personalplanungen unter erschwerten Bedingungen

Noch gebe es keine negativen Anzeichen von Seiten der Sponsoren. Mit einer „ruhigen, klaren Linie“ sieht man sich nach wie vor gut aufgestellt. Eine entscheidende Rolle spiele in erster Linie die Frage, wie lange das Hotel und beispielsweise die andro-TT-Schule noch geschlossen sein werden. Die Ungewissheit ist demnach groß. Andreas Preuß wollte sich nach aktuellem Stand noch nicht ausmalen, was mögliche Schwierigkeiten der Partner langfristig mit sich ziehen würden. „Die Schäden würden enorm sein“, sagt der 58-Jährige, der nach dem Abgang von Omar Assar noch nach einer Nummer fünf sucht, „ein Backup“, das bei Verletzungen der Stammspieler bereitstünde.

Die Planungen für die neue Saison sind auch beim TTC Zugbrücke Grenzau bereits im vollen Gange – aufgrund der Zwangspause ebenfalls unter erschwerten Bedingungen. Denn das „Abstiegsgespenst“ schwebte lange Zeit noch durch die Täler des Westerwalds. Der Vorteil: Da die Liga einen Spieltag vor Schluss nun entschieden ist, herrscht auch in Grenzau endlich Klarheit. „Die Spieler konnten sich lange nicht sicher sein. Mit den Verträgen sind wir aber inzwischen schon weiter“, sagt der Vereinsvorsitzende Olaf Gstettner. Zwei bis drei Neuzugänge sollen in Kürze noch bekanntgegeben werden. Wichtige Sponsoren wurden glücklicherweise schon vor der Krise an den Verein gebunden.

Verlust durch ausfallende Ferienkurse über Ostern 

Unabhängig von der sportlichen Situation stellen die von der Politik zur Krisenbewältigung ergriffenen Maßnahmen den Grenzauer Alltag in allen Bereichen auf den Kopf. Jegliche Leistungen im gesamten Komplex können aufgrund der eingeschränkten touristischen Reisen nicht mehr angeboten werden. „Das Hotel ist so gut wie leer. Es wurde eine Notbesetzung eingerichtet“, sagt der Geschäftsführer. Gerade in den Osterferien wären viele Gruppen für die beliebten Kurse unter Bundesligabedingungen angereist. 

Einbußen so weit das Auge reicht. Die Auswirkungen der Coronakrise sind groß. Nahezu jeder Verein ist in finanzieller Sicht betroffen, der eine mehr, der andere weniger. Während die großen Klubs die Verluste aktuell noch stemmen können, leiden die kleineren zunehmend. 

(FKT)

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