Bundesligen

TuS Bad Driburg: Bundesliga-Rückzug nach 23 Jahren

Keine der Spielerinnen wird im kommenden Jahr noch für den TuS Bad Driburg aktiv sein. (©Verein)

01.04.2020 - Es ist kein Aprilscherz, doch wirklich überraschend kommt die Nachricht nicht. Der TuS Bad Driburg zieht seine erste Mannschaft aus der Damen-Bundesliga zurück. Das gaben der Vereinsvorsitzende Helge Heinemann und Manager Franz-Josef Lingens am Dienstagabend bekannt. Die Coronakrise bringt damit auch die ersten Opfer im Tischtennis-Profisport sich. Vor gut einer Woche kündigte der ehemalige TTBL-Klub TTC Ruhrstadt Herne ebenfalls an, in der Saison 2020/2021 nicht mehr in der 3. Liga an den Start gehen zu können.

Der TuS Bad Driburg blickt auf 23 lange Jahre in der Damen-Bundesliga zurück. Nun kommt das Aus ausgerechnet zum Zeitpunkt des sportlich größten Erfolgs. Denn seit der Aussetzung des Spielbetrieb steht die Mannschaft hinter dem ttc berlin eastside auf Tabellenplatz zwei. "Durch die Coronakrise ist leider jetzt schon abzusehen, dass uns viele unserer treuen Sponsoren nicht mehr unterstützen können und es damit für die kommende Saison keine finanzielle Basis für den Verbleib in der 1. Bundesliga geben wird", sagt der Vorsitzende Helge Heinemann auf der vereinseigenen Homepage

Mitte März wurden die Lizenzunterlagen fristgerecht eingereicht

Im Gespräch mit myTischtennis.de machte Coach Kevin Kösling schon in der vergangenen Woche deutlich, dass es wohl auf das Worst-Case-Szenario hinauslaufen werde. "Wenn es hart auf hart kommt, müssen wir die Mannschaft zurückziehen", so seine Worte. Und der 27-Jährige sollte Recht behalten. Franz-Josef Lingens, seit Jahrzehnten als Manager für Bad Driburg verantwortlich, hatte zwar insgeheim gehofft, noch zwei bis drei Jahre weitermachen zu können, doch am Ende blieb auch ihm nichts anderes übrig, als diesen ungewollten Schritt des Rückzugs zu gehen.

"Wir hängen finanziell völlig in der Luft. Ich kann den Spielerinnen keine Zusage geben, weil ich nicht weiß, ob ich diese auch wirklich einhalten kann. Die Sponsorengelder sind das A und O, denn dies ist die einzige Einnahmequelle! Die Eintrittsgelder und der Erlös an der Verkaufstheke gehen meist komplett in die Schiedsrichter", betont das Urgestein auf der Vereinshomepage. Noch am 15. März wurden die nötigen Lizenzunterlagen fristgerecht beim DTTB eingereicht, mit dem Ausmaß der wirtschaftlichen Krise war zu diesem Zeitpunkt allerdings auch noch nicht zu rechnen.

Genug Zeit für neue Vertragsgespräche 

Nach 18 Jahren Bundesliga und fünf Saisons in Liga zwei ist nun also Schluss in Ostwestfalen. In dieser Zeit fanden viele Topspielerinnen den Weg zum TuS, der sich mit Auftritten auf europäischer Bühne auch einen Namen in der internationalen Tischtennisszene machte. Nach dem Rückzug des Hauptsponsors im Jahr 2009 folgte der Abstieg, nur wenig später ging es zurück ins Oberhaus. Damals mit dabei: Nina Mittelham. 2014 stieß die Luxemburgerin Sarah de Nutte hinzu, die dem Verein bis heute die Treue hielt.

Die niederländische Spitzenspielerin Britt Eerland hatte kürzlich sogar ihren Vertrag verlängert. Die Weltranglisten-30. ist jedoch nicht die Einzige, die sich nun nach einem neuen Arbeitgeber umschauen muss. Gleiches gilt für die erfahrene Nadine Bollmeier sowie die Jugend-Nationalspielerinnen Sophia Klee und Yuki Tsutsui. De Nuttes Abschied hingegen soll schon länger festgestanden haben. 

Auch Herne zieht seine Mannschaft zurück

„Jetzt haben die Spielerinnen noch Zeit, sich einen neuen Verein zu suchen“, begründet Lingens die frühe Entscheidung gegenüber dem Westfalen-Blatt. Der Manager wünscht sich jedenfalls noch einen versöhnlichen Abschluss und nach dem Jahr 2000 die zweite deutsche Vizemeisterschaft in der Vereinsgeschichte. Die Mannschaft hat aktuell drei Punkte Vorsprung auf die DJK Kolbermoor

Time to say goodbye heißt es nach der laufenden Serie allerdings nicht nur für den TuS Bad Driburg. Auch der ehemalige TTBL-Vertreter und heutige Drittligist TTC Ruhrstadt Herne hat seinen Rückzug angekündigt. Dies teilte der Verein bereits am 26. März öffentlich mit. Anfang Februar hatte der TV Busenbach bereits ebenfalls seinen Rückzug vermeldet.

(FKT/TuS Bad Driburg/Westfalenblatt)

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