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Solja: "Für mich vergleichbar mit dem Europameistertitel"

Im Halbfinale setzte sich Solja gegen Sofia Polcanova durch (©ITTF)

07.02.2019 - Bei ihrer dritten Finalteilnahme nach 2015 und 2017 konnte Petrissa Solja am Wochenende zum ersten Mal das Europe-Top-16-Turnier gewinnen. Nach 0:3-Rückstand schaffte die aktuell beste deutsche Spielerin (WRL: 26) im Endspiel gegen die Rumänin Bernadette Szöcs noch die Wende. Im Interview sprachen wir mit der 24-Jährigen über diesen besonderen Moment, ihre Verbindung zum Publikum, die Bedeutung des Titels und ihren Lauf in der Bundesliga.

myTischtennis.de: Petrissa, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Sieg! Mit welcher Zielsetzung bist du ins Turnier gegangen? 

Petrissa Solja: Ich habe von Anfang an von Spiel zu Spiel geschaut. Da ich mich momentan in guter Form befinde, habe ich natürlich auch mal kurz über einen möglichen Titelgewinn nachgedacht, mich dann aber wieder auf das Wesentliche konzentriert, nämlich auf die nächste Gegnerin. Am Ende war das für mich die richtige Strategie. 

myTischtennis.de: Schon im Achtelfinale standest du mit dem Rücken zu Wand, lagst mit 2:3 hinten, im Finale hast du sogar ein 0:3 gedreht. Hast du zu jeder Zeit noch an den Erfolg geglaubt? Wo hast du die Kraft und mentale Stärke für die Aufholjagden hergenommen? 

Petrissa Solja: Mittlerweile bin ich 24 Jahre alt und habe schon viele verschiedene Spielsituationen erlebt. Ich fühle mich aufgrund meiner gesammelten Tischtenniserfahrungen reifer. Außerdem bin ich aufgrund meiner guten nationalen und internationalen Leistungen in jüngster Vergangenheit sehr selbstbewusst. Ich bekomme tolle Unterstützung von meinem jahrelangen Ausrüster Joola, dem Deutschen Tischtennisbund und der Bundeswehr.

myTischtennis.de: Nach dem Triumph sind bei dir die Tränen geflossen – beschreib’ doch mal bitte deinen Gefühlszustand in diesem Moment.

Petrissa Solja: Nun ja, tatsächlich war das ein sehr großer Kampf, nach einem 0:3-Rückstand noch ein Finale mit 4:3 zu gewinnen. Das war schon sehr emotional. Schließlich war das jetzt mein drittes Finale beim Europe Top 16 und mein erster Titelgewinn. In dem Moment waren das einfach nur Freudentränen. Ich habe das einfach nur genossen. Aller guten Dinge sind drei.

myTischtennis.de: Man hatte den Eindruck, dass du eine besondere Verbindung zum Publikum hattest. Saß da jemand Spezielles auf den Rängen?

Petrissa Solja: Das Publikum in der Schweiz war der Wahnsinn. Ich wurde vom ersten Spiel an richtig gepusht. Selbst, wenn ich hinten lag, hat das Publikum immer an mich geglaubt und mich wahnsinnig nach vorne gepeitscht. Das hat richtig Spaß gemacht. Die Atmosphäre war phänomenal. Besonders lautstark waren Fans vom TV Merklingen. Sie besuchen seit Jahren die Veranstaltung und unterstützen hauptsächlich die deutschen Spieler. Besonders gefreut hatte mich, dass von meinem Bundesligaverein TSV Langstadt zwei Offizielle extra in die Schweiz gekommen waren, um mich zu anzufeuern. Das gab mir auch nochmal zusätzliche Motivation.

myTischtennis.de: Mit Bernadette Szöcs bist du schon Doppel-Europameisterin bei den Mädchen geworden. Seid ihr auch neben dem Tisch miteinander befreundet? War es deshalb ein ganz besonderes Spiel?

Petrissa Solja: Ja, Bernadette und mich verbindet eine langjährige Freundschaft. Ich glaube, wir kennen uns, seit ich sieben Jahre alt bin. In dieser Zeit haben wir tolle Erfolge gemeinsam feiern können, aber auch spannende Duelle gegeneinander gespielt. Natürlich wollte jeder von uns beiden den Titel gewinnen, auch wenn wir uns gegenseitig den Erfolg gönnen.

myTischtennis.de: Wie ordnest du den Sieg ein, welchen Platz nimmt er in deiner Karriere ein? 

Petrissa Solja: Unter uns Tischtennisspielern genießt das Europe Top 16 einen sehr hohen Stellenwert. Für mich ist der Erfolg vergleichbar mit dem Europameistertitel, da in diesem Wettbewerb die stärksten Europäer gegeneinander antreten. Ich bin glücklich, diesen Titel gewonnen zu haben.

myTischtennis.de: Du hattest ein schwieriges Programm - angefangen mit der amtierenden Europameisterin über die beste Europäerin in der Weltrangliste bis hin zur Titelverteidigerin. Aber du hast sie alle geschlagen. Was ist für dich in diesem Jahr möglich?

Petrissa Solja: In diesem Turnier habe ich gegen die Nummer eins, zwei und drei der Europa-Rangliste und gegen die amtierende Europameisterin gewonnen. Wie schon gesagt, ich schaue immer von Spiel zu Spiel. Ich fühle mich gut in Form und habe Spaß am Gewinnen. Mir ist wichtig, dass ich weiterhin gute Leistungen national und international abliefere. Am wichtigsten ist es mir, mich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren.

myTischtennis.de: Du hast gegen Ende des Jahres 2017 eine Wettkampfpause eingelegt. Wie schwierig war diese Phase und wie wichtig, dass du dich für diese Zeit etwas zurückgezogen hast? 

Petrissa Solja: Die Pause liegt jetzt mehr als ein Jahr zurück. Ich lebe in der Gegenwart und schaue in die Zukunft. 

myTischtennis.de: Du wohnst aktuell nicht mehr in Düsseldorf. Wo wohnst du stattdessen und wo und wie häufig trainierst du? 

Petrissa Solja: Ich wohne in meiner Heimat in der Pfalz und trainiere bei den Herren in Grünwettersbach in einer Trainingsgruppe. Zusätzlich trainiere ich aber auch noch regelmäßig in Düsseldorf im Tischtenniszentrum beim Deutschen Tischtennisbund. Ich trainiere generell so, dass ich für mich den größtmöglichen Nutzen habe.

myTischtennis.de: Für den TSV Langstadt spielst du eine starke Saison, du kannst die zweitbeste Bilanz in der Bundesliga aufweisen. Warum läuft es dort für dich wieder so gut und wie fühlt sich die Rolle als Führungsspielerin an? 

Petrissa Solja: Langstadt ist eine Erfolgsgeschichte. Ich bin froh, Teil dieses Vereins zu sein. Im Verein gönnt sich jeder den Erfolg und möchte unbedingt seinen Teil dazu beitragen. Der sportliche Erfolg ist wichtig, aber das Menschliche passt in Langstadt ebenfalls super. Ich habe zu meinen Mädels wie auch zum Trainerstab und den Offiziellen ein tolles Verhältnis. Ich freue mich schon auf die kommenden Spiele. Besonders erwähnenswert ist die Atmosphäre in Langstadt. Die Zuschauer kommen schon zwei Stunden vor Spielbeginn und feuern unsere Mannschaft dann direkt an. Es macht einfach wahnsinnig Spaß, für den TSV zu spielen.

myTischtennis.de: Welche Ziele hast du dir bis zu den Olympischen Spielen 2020 gesetzt?

Petrissa Solja: Ich möchte weiterhin gutes Tischtennis spielen und so viele Spiele wie möglich gewinnen. Am wichtigsten ist, dass ich mich erstmal für Olympia qualifiziere. Alles andere lasse ich auf mich zukommen. 

(DK)

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