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Janinas Blog: Schwierige Rechnung bis zum Jahresende

Der komplette ITTF-Kalender wurde vom Coronavirus durcheinandergewirbelt (©ITTF)

30.03.2020 - Zeit ist ein kostbares Gut. Das wird um so offensichtlicher, wenn man sich den Terminkalender der ITTF anschaut, der wegen der Coronakrise ziemlich durcheinandergewirbelt wird. Gestern entschied der Weltverband, dass keine internationalen Turniere mehr bis zum 30. Juni ausgetragen werden. Und ob dies die letzte Fristverschiebung war, ist dabei alles andere als klar. Doch was passiert mit den ganzen verschobenen Turnieren? myTT-Chefredakteurin Janina Schäbitz denkt darüber nach.

Man nehme einen Taschenrechner, die Eventliste der ITTF und einen Kalender des Jahres 2020 zur Hand. Und nun schaue man sich einmal genauer an, was die Verlängerung der Turnierpause, deren Ende die ITTF gestern von Ende April auf Ende Juni schob, bedeutet. Nach dem 30. Juni haben wir noch 26 Wochen im Jahr 2020 vor uns - 25, wenn wir die Weihnachtswoche abziehen. Zählt man nun einmal die Turniere, die eigentlich bis zum 30. Juni hätten stattfinden sollen, laut ITTF-Webseite aber verschoben worden sind oder werden sollen, kommt man auf fast 50 Wettbewerbe. Und die sollen nun irgendwie noch in die zweite Jahreshälfte passen, deren Wochen ja aber ebenfalls schon durchgeplant sind? 

Wann ist Sport mit Zuschauern wieder denkbar?

Schwer vorstellbar, auch wenn darunter natürlich auch einige Para-, Jugend- und kontinentale Turniere sind, an denen nicht jeder Spieler teilnehmen darf und wird. Aber auch ohne diese Wettbewerbe steht man vor einer Herkulesaufgabe. Zumal niemand weiß, ob der 1. Juli wirklich der erste Tag sein wird, an dem wieder international Tischtennis gespielt werden kann. Renommierte Virologen haben bereits öffentlich verlauten lassen, dass sie nicht mehr mit einem regulären Sportbetrieb mit Zuschauern in diesem Jahr rechnen. Dabei bezogen sie sich zwar vor allem auf Fußballspiele mit mehreren Zehntausend Zuschauern. Aber obwohl internationale Tischtennisturniere nicht ganz so viel Publikum anlocken wie ein Fußball-Bundesligaspiel, kann sich ein Virus auch dort fröhlich weiterverbreiten - und in neue Länder mitgenommen werden. ITTF-Chef Thomas Weikert äußerte sich gegenüber dem Deutschlandfunk dementsprechend auch schon sehr zurückhaltend, dass er froh wäre, wenn man im letzten Quartal wieder was machen könnte. Was also tun mit den ganzen Turnieren? Welche haben Priorität? Welche müssen weichen? Lässt man mehrere gleichzeitig stattfinden und die Spieler haben die Qual der Wahl? Lässt man Wettkämpfe unter Ausschluss der Zuschauer durchführen? Und was machen die nationalen Ligen? Die Spieler können schließlich nicht überall gleichzeitig sein…

Das sind die undankbaren Fragen, der sich die ITTF, die ETTU, die nationalen Verbände und Ligen nun stellen müssen. Und ganz ehrlich: In ihrer Haut möchte ich aktuell nicht stecken. Der neue Olympiatermin wurde nun auf genau ein Jahr später gelegt - nun können die Verantwortlichen an den verschiedenen Fronten beginnen, ihre Kalender daran anzupassen. Allen voran die ITTF, die Ende Juni 2021 noch ihre Individual-WM in Houston austragen möchte, davor aber auch noch die Team-WM in Busan abhalten will. Vor dem Jahreswechsel stehen zudem noch World Cups in Düsseldorf und Bangkok an, zahlreiche World-Tour-Etappen und natürlich die Grand Finals, für die man sich über die World Tour qualifizieren kann. Die ETTU wird auf ihr wichtigstes Turnier, die Europameisterschaft in Warschau vom 15. bis 20. September, bestehen und natürlich ihre Königsklasse, die Champions League, zu Ende bringen wollen. Apropos Liga: Die muss in Deutschland auch noch abgeschlossen werden. ‚Die Finals‘ wurden bereits abgesagt - und die nächste Saison klopft dann auch schon bald wieder an. Das Problem haben natürlich auch andere Länder: Was macht zum Beispiel China? Die Super League wurde 2019 bereits ausgesetzt, folgt nun bereits das zweite Jahr ohne Saison?

Schwierige Rechnung

Alles geht nicht - so viel ist klar. Die Topspieler können an einem Wochenende nicht gleichzeitig ihre Verträge bei ihren Bundesligavereinen erfüllen und international Jagd auf Titel und Weltranglistenpunkte machen. Es wird Abstriche geben müssen, die Frage ist nur wo. In dieser Ausnahmesituation, die niemand vorhersehen konnte, fällt den Verantwortlichen nun der oft beklagte, viel zu volle Terminkalender auf die Füße. Es ist aus ihrer Sicht völlig nachvollziehbar, wenn ITTF, ETTU und Co möglichst viele ihrer Events, die für dieses Jahr angesetzt waren, noch austragen wollen und der Kalender dadurch womöglich noch mehr ausgereizt wird. Dies darf aber nicht auf Kosten der Spieler passieren, für die es nach der Zwangspause dann knüppeldicke kommen könnte. Den Verantwortlichen wurde eine schwierige Rechnung vorgelegt, die sie nun lösen müssen. Ob sie aufgeht, ist dabei nicht garantiert.

(JS)

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