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Janinas Blog: Viruswolke schwebt auch über Tokio 2020

Können wir uns auch in diesem Jahr auf unbeschwerte Olympische Spiele freuen? (©ITTF)

02.03.2020 - Die Team-WM in Busan Ende März wurde wegen des Coronavirus verschoben. Mit dieser - für die ITTF sehr schweren - Entscheidung sind die meisten Spieler, Funktionäre und auch Journalisten, wie myTischtennis.de-Redakteurin Janina Schäbitz, sicherlich allesamt glücklich. Doch wird die Gefahr bis zum geplanten Ausweichtermin Ende Juni gebannt sein? Und was ist mit dem größten Sportevent der Welt, den Olympischen Spielen, das einen Monat später in Tokio stattfinden soll?

Die WM ist in jedem Jahr ein Highlight. Nicht nur für die Tischtenniswelt, sondern auch für mich persönlich. Schließlich durfte ich seit 2012 von Tokio über Kuala Lumpur bis Budapest jedes Jahr die Welttitelkämpfe besuchen und vor Ort berichten. Eine tolle Sache, auf die ich mich jedes Jahr sehr freue! Und nichtsdestotrotz bin ich, ehrlich gesagt, erleichtert, dass ich in drei Wochen nicht nach Südkorea aufbrechen werde. Als ich damals im Januar meinen Flug nach Busan buchte, hatte ich das Thema Coronavirus noch gar nicht auf dem Schirm. Als wenige Wochen später mein Teilflug von Shanghai nach Busan wegen der Verbreitung des Virus in China abgesagt wurde, war mir schon etwas mulmiger zumute. Da es zu dem Zeitpunkt in Südkorea aber etwa ebenso wenige Infizierte wie in Deutschland gab, sah ich die WM noch nicht in Gefahr. Umgebucht - und fertig! Doch dann ging es auch in Südkorea richtig los und die ersten Menschen infizierten sich in der WM-Stadt Busan mit dem Virus. Die Reaktion der ITTF kam schnell und war die einzig richtige: Die WM 2020 wird nicht zum geplanten Datum stattfinden. Alles andere wäre fatal gewesen. Denn die Entscheidung zu treffen, entweder hinzufahren und damit sich selbst - und bei einem ‚Export’ des Virus ins eigene Land womöglich auch andere - in Gefahr zu bringen oder zu Hause zu bleiben und damit auf wichtige Weltranglistenpunkte und die Chance, Weltmeister zu werden, zu verzichten, wäre schwer zumutbar gewesen.

Der Ausweichtermin Ende Juni wird von vielen Beteiligten allerdings als nicht glücklich empfunden, weil vier Wochen später schon die Olympischen Spiele beginnen sollen. Bevor man sich hierüber Sorgen macht, sollte man allerdings zwei Dinge bedenken: 1) Wird es Ende Juni überhaupt möglich sein, die WM auszutragen? Nach jetzigem Stand ist das Ausmaß dieser Epidemie noch nicht abzusehen. Wer kann sagen, wie es Ende Juni aussehen wird? Wir nicht - und die ITTF auch nicht. Und 2) Werden die Olympischen Spiele überhaupt wie geplant Ende Juli stattfinden? Hier spreche ich nun eine Möglichkeit an, die sich niemand in der Sportwelt ausmalen möchte. Man stelle sich vor, wie viel Zeit, Geld und Aufwand die Stadt und die Organisatoren in die Planung und den Aufbau der Infrastruktur über Jahre gesetzt hat; wie Athleten seit Jahren auf genau dieses Ziel hinarbeiten und sich die komplette Sportwelt in ihrer Planung und Terminierung anderer Turniere um dieses eine Ereignis dreht; und wie natürlich auch die Medien bereits mitten in den Vorbereitungen für Tokio 2020 stecken. 11.000 Sportler sollen an den Olympischen Spielen teilnehmen, zwei Millionen Besucher werden anlässlich des Events in Japan erwartet. So schlimm die Verschiebung der Tischtennis-WM für den koreanischen Verband und die ITTF auch war, die Verschiebung oder Absage der Olympischen Spiele wären daran gemessen eine Katastrophe.

IOC-Präsident Thomas Bach ist darum bemüht, keine weiteren Absage-Spekulationen zu befeuern. Er sehe keine Gefahr für die Durchführung der Olympischen Spiele und lasse die Vorbereitungen wie geplant weiterlaufen. Und auch im Tischtennis geht das Rennen um die Olympiastartplätze weiter. So buchten am Wochenende acht Afrikaner ihr Einzelticket für Tokio beim afrikanischen Qualifikationsturnier. Bis Ende April stehen die analogen Events für Asien, Europa, Ozeanien sowie Süd- und Nordamerika an. Da das Wort „verschoben“ im ITTF-Kalender bereits jetzt sehr häufig zu lesen ist, muss allerdings je nach Entwicklung damit gerechnet werden, dass es auch hier noch zu Terminänderungen kommen kann. Für die Sportler bleibt ungeachtet dessen sowieso nur eines übrig: sich weiter bestmöglich auf die Spiele vorzubereiten und nicht aus ihrem Plan bringen zu lassen. So als ob die Spiele tatsächlich wie geplant Ende Juli stattfinden würden.

In Japan hat man natürlich genau dasselbe Ziel. Daher wird gerade auch einiges getan, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen: Die Fußballspiele der J-League wurden bis Mitte März ausgesetzt, der Tokio-Marathon am Wochenende wurde auf 200 Läufer begrenzt, es wurden sogar alle Schulen für einen Monat geschlossen. Das IOC hat verkündet, bis Ende Mai eine Entscheidung zur Austragung der Olympischen Spiele treffen zu wollen. Und auch wenn diese noch sehr viel schwerer fallen dürfte als die Verschiebung der Tischtennis-WM, haben auch hier die Gesundheit und Sicherheit der Sportler und Besucher oberste Priorität. Aktuell ist es noch kaum vorstellbar, dass sich diese Krise tatsächlich noch fast fünf Monate hinziehen wird und ich bin frohen Mutes und hoffe sehr darauf, dass ich Ende Juli ohne mulmiges Gefühl in den Flieger nach Tokio steigen darf. Aber sollte die Gefahr bis dahin noch nicht gebannt sein, hoffe ich, dass das IOC eine ähnlich vernünftige Entscheidung treffen wird wie die ITTF.

Wie ITTF-Chef Thomas Weikert die Auswirkungen des Virus auf die Olympischen Spiele einschätzt, lesen Sie in der Märzausgabe des Magazins tischtennis!

(JS)

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