Amateure

Amateur-Thema: Wird die "Coaching-Regel" überhaupt genutzt?

In der TTBL durften Tipps zwischen Ballwechseln schon vor dem Jahr 2016 gegeben werden (©Roscher)

14.01.2020 - Seit mehr als drei Jahren nun ist es auch im Amateurbereich erlaubt, zwischen den Ballwechseln zu coachen, d. h. verbale und optische Hinweise zu geben, ohne dass dadurch eine Spielverzögerung entsteht. Doch wird davon überhaupt Gebrauch gemacht? Das wollten wir von Ihnen wissen und haben zu diesem Zweck u. a. mit Thora Brandscheid vom CfL Berlin 65 (BTTV) und Martin Czekalla von der TTG Walldorf (BaTTV) gesprochen.

Unterschieden wird bei der Coaching-Regel zwischen Mannschafts- und Individualwettbewerben. Bei Mannschaftswettbewerben dürfen alle auf der Bank sitzenden Personen coachen, bei Individualwettbewerben muss die entsprechende Person dem Schiedsrichter vorher benannt werden. Seit Oktober 2016 dürfen die Spieler "jederzeit beraten werden, außer während der Ballwechsel, sofern dadurch das Spiel nicht verzögert wird" (Internationale Tischtennisregeln B 5.1.3). Doch wie sieht es in der Realität aus – wird von dieser Regelung überhaupt Gebrauch gemacht? 

Eher allgemeine Tipps statt spezielle Taktik- oder Techniktipps
"Ja, wir nutzen die Regel, besonders bei der Jugend", erklärt Martin Czekalla, der Jugendwart der TTG Walldorf. Es seien eher allgemeine Tipps als spezielle Taktik- oder Techniktipps, die dann hereingerufen würden, wie z. B. "der nächste Ball ist wichtig" oder "geh mal tiefer". Auch Thora Brandscheid, Jugendwartin und Jugendtrainerin des CfL 65 Berlin findet, dass die Möglichkeit des Hereinrufens vielseitig angenommen wird. Sie sagt: "Wir nutzen die Chance vorrangig auch dazu, die Kids zu beruhigen, wenn mal etwas schiefläuft, oder zu ermuntern, wenn ein guter Ball gespielt wurde. Bei den größeren Jugendlichen geben wir oft ein 'Oberkörper runter' oder 'Schläger zumachen' zum Besten. Dass die Kids das nicht immer toll finden, dürfte klar sein, aber es bringt eben auch etwas und ganz Sätze wurden gewonnen durch die kleinen Hinweise."

Im Erwachsenenbereich sehe es laut Brandscheid dagegen teilweise etwas anders aus. Hier ständen eben schon geprägte Spieler am Tisch und jeder sei anders. "Ich selbst z. B. gucke gern zu meinem Coach und brauche nur eine beruhigende Handbewegung oder mal ein sanftes Kopfnicken", erzählt sie. Ein Mannschaftskollege hingegen brauche am besten nach jedem gespielten Ball viele tolle Worte und Aufmunterung. Richtige Tipps durch Hereinrufen zwischen den Ballwechseln bekomme Brandscheid im Erwachsenbereich weniger mit, das sei eher im Jugendbereich der Fall. 

"Nicht alle gegnerischen Betreuer finden das – teilweise aus Unkenntnis – gut"
Dass das Hereinrufen von Ratschlägen nicht immer auf Gegenliebe bei gegnerischen Betreuern im Jugendbereich stößt, hat Martin Czekalla festgestellt. "Nicht alle gegnerischen Betreuer finden das – teilweise aus Unkenntnis – gut bzw. man wird sogar als unfair betitelt." Die gleiche Erfahrung hat auch Dirk Jung, Jugendwart des TTC Salmünster (HTTV), gemacht. Auf Facebook schreibt er: "Ich nutze es, es kommt aber nicht bei jedem gut an. Es kommt auch auf den Spieler an. Aber viele 'alte' Betreuer oder Spieler sehen es eher kritisch. Da kommt dann auch schon mal: 'Kannst du jetzt mal ruhig sein, das nervt voll'."

Jungs Vereinskollege Björn Stelting meint: "Viele nutzen und wissen es bis heute nicht und rasten förmlich aus, wenn man es legitimerweise tut." Peter Reichert (TTC Korschenbroich) pflichtet bei: "Das ist wahr. Vor allem, weil sie diese Änderungen gar nicht mitbekommen haben." Auch Kritik an der Coaching-Regel äußern manche Leser. Johann Kruse z. B. schreibt: "Ich fand die andere Regel besser. Es ist schon so, dass es einige Betreuer übertreiben. Vor allem im Jugendbereich." Tanja Wieland sieht das ähnlich: "Manche im Nachwuchsbereich übertreiben es maßlos. Damit verunsichern sie die Kinder." 

Während manche der "Coaching-Regel" also kritisch gegenüberstehen, nutzen andere sie gerne im Jugendbereich. Wieder andere machen keinen Gebrauch von ihr und wissen auch anscheinend gar nichts über sie. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Berichten Sie davon!

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(DK)

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