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Janinas WM-Blog: Super Orga, aber die Kilos purzeln

Kulinarisch war bei der WM in den ersten vier Tagen noch Luft nach oben (©Fabig)

02.06.2017 - Die ersten vier WM-Tage von Düsseldorf sind Geschichte. myTischtennis.de-Redakteurin Janina Schäbitz nutzt die Gelegenheit des Bergfests, um eine Zwischenbilanz zum Thema Organisation zu ziehen. Gerade nach den Weltmeisterschaften von Kuala Lumpur voriges Jahr, wo es organisatorisch noch viel Luft nach oben gab, ist Düsseldorf eine Wohltat. Auf das leibliche Wohl wird der Redakteurin hier allerdings zu wenig Wert gelegt.

Die WM ist schon halb vorbei - es wird dringend Zeit, etwas über die Bedingungen hier vor Ort zu schreiben! Ich muss gestehen, meine Erwartungen an diese Weltmeisterschaften waren in dieser Beziehung wirklich ausgesprochen hoch. Meine erste WM in Deutschland 2012 war einfach wahnsinnig gut organisiert und so ging ich davon aus, dass dies 2017 nicht anders sein würde. Und tatsächlich: Der DTTB und die ITTF haben hier wirklich ein bombastisches Event auf die Beine gestellt, das bisher tadellos funktioniert. Wenn ich mich da an die Probleme aus den vergangenen Jahren erinnere… In Malaysia voriges Jahr kämpften wir mit eisigen Temperaturen, ständigem Internetausfall, kaputten Spielstandanzeigen und mangelndem Interesse auf Zuschauerseite. In China 2015 hatten wir wegen der Zensur unheimlich nervige Probleme, auf die gängigen und für unsere Arbeit obligatorischen Webseiten wie Google, YouTube oder Facebook zu kommen. 

Nä, wat schön is Düsseldorf!

Hier in Düsseldorf ist es tatsächlich ziemlich großartig. Und das sage ich als Kölnerin - das will schon was heißen. ;-) Das Internet hat noch kein einziges Mal den Geist aufgegeben - ganz im Gegenteil, es ist sogar ausgesprochen schnell. Das sehen in unserem Zeitalter sicherlich viele als Selbstverständlichkeit an, ich kann Ihnen aber sagen, dass es das auf großen Veranstaltungen absolut nicht ist. Mindestens temporäre Wackler gibt es fast immer - hier in Düsseldorf bislang aber noch nicht erlebt. Die Probleme mit der ITTF-Ergebnisseite, die es in den ersten Tagen gab und die unsere Arbeit extrem erschwert haben, wurde inzwischen auch behoben. Und auch die Spielstandanzeige funktioniert einwandfrei, wenn sie für meinen Geschmack in der Haupthalle auch etwas ungünstig bespielt wird. Denn anders als in der Nebenhalle, wo alle Spiele über den Bildschirm laufen, sieht man hier nur die vier Partien, die vor den eigenen Augen ablaufen. Wenn man nun nicht zufällig einen Laptop vor sich stehen hat wie ich oder ständig aufs Smartphone schaut, was man bei solch einer Veranstaltung vielleicht aber auch nicht möchte, kriegt man absolut nicht mit, was gerade in der Nebenhalle passiert. Und das ist meines Erachtens nach ziemlich unschön, da so auch niemand bemerkt, wenn nebenan gerade etwas wahnsinnig Interessantes passiert, das man sich gerne mit eigenen Augen anschauen möchte. Schade auch für die Sportler. Aber spätestens heute nicht mehr relevant, weil jetzt in der Nebenhalle eh nichts mehr passiert.

Nun gut, das ist Meckern auf hohem Niveau. Ansonsten läuft hier organisatorisch alles wie am Schnürchen. Und auch die Spieler sollen, was man so hört, mit den Abläufen hier absolut zufrieden sein. Und dennoch gibt es eine Kleinigkeit, die mich stört und die für mich auch gar nicht mal so eine Kleinigkeit ist. Das kulinarische Angebot. Dass man als Pressemensch bei großen Tischtennisveranstaltungen sehr dürftig verpflegt wird, ist für mich inzwischen nichts Neues mehr. Auch wenn ich es aus anderen Sportarten anders kenne. Gegen einen Obolus von 50 Cent konnten wir Journalisten bislang eine belegte Brötchenhälfte erstehen. Okay. Bloß wenn man von morgens 9 Uhr bis nachts 23:30 Uhr ununterbrochen in der Halle ist, sind Brötchenhälften nicht unbedingt befriedigend und hängen einem spätestens am dritten Tag auch einfach zum Hals raus. 

Wenige Angebote, dafür teuer

Also was tun? Gehen wir doch mal zu den Ständen für die Zuschauer. Und da fängt es an, für mich richtig unverständlich zu werden. Denn in diesen riesigen Messehallen muss man die Essensbuden nicht deswegen suchen, weil die Hallen so riesig wären, sondern weil es einfach nur eine Handvoll gibt. Da wäre zum Beispiel der Asiaimbiss, bei dem eine Portion gebratene Nudeln (wohlgemerkt ohne Fleisch) 8 Euro kostet - naja, immer noch reeller als die Pommes für 4 Euro am Hähnchenwagen wahrscheinlich. Ein paar Würstchenbuden runden das Angebot ab, wenn man auf der Suche nach etwas ist, was den knurrenden Magen zumindest ein wenig besänftigt. Also was passierte zum Beispiel gestern, als die Bude voll war und die meisten Zuschauer den ganzen Tag in der Halle verbrachten? Es bildeten sich ellenlange Schlangen, bei denen man schon fast vom Fleisch gefallen ist, wenn man endlich vorne ankommt. Sorry, aber bei diesem Anblick habe ich gleich wieder kehrt gemacht, die Spieler warten halt leider nicht mit ihren Partien darauf, dass ich endlich mit einem Würstchen in der Hand wieder auf der Pressetribüne sitze. Und ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir - als hier arbeitender Person - so erging. Schließlich wollen auch die Zuschauer nichts in der Halle verpassen. Warum stellt man also nicht einfach ein paar mehr Buden auf? 5000 hungrige Menschen, die wegen der Lage der Messehalle keine Möglichkeit haben, ihren Hunger zu stillen! Und das sage ich nicht nur, weil ich mich um das leibliche Wohl der Gäste sorge, sondern weil hier ja auch eine Möglichkeit verschenkt wird, einen ganzen Batzen Geld zu verdienen. 

Was ist also die Konsequenz? Gekoppelt mit den wirklich weiten Wegen, die man hier vor allem an den ersten Tagen zwischen Nebenhalle, Haupthalle, Pressezentrum und Mixed Zone bzw. Pressetribüne zurücklegt, könnte man die WM auch als kleine Abnehmhilfe verstehen. Die Bikinifigur für den Zeitpunkt, wenn wir wieder zurück ans Tageslicht kommen, ist also gesichert. Wobei! Gerade in dem Moment, in dem ich diesen Blog beende, wird hier im Pressezentrum die Ankündigung aufgehängt, dass es heute ein Mittagessen für uns Journalisten geben wird. Richtiges Essen? Also warm und so? Sehr cool! Ich bin gespannt - und hoffe, dass in dieser Beziehung auch an die Zuschauer gedacht wird. Denn gerade an den letzten Turniertagen werden hier eine Menge hungriger Mäuler zu stopfen sein.

(JS)

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