Trainingstipp

Tipp: Entscheidungen zwischen RH/VH im Aktivspiel

Ochsenhausens Kanak Jha entschied sich bei diesem Schlag für die Rückhandseite. (©BeLa-Sportfoto)

11.01.2022 - Nachdem Martin Adomeit in seiner neuen Fortgeschrittenen-Reihe bereits Tipps über Aufschläge aus unterschiedlichen Positionen und Rückschläge auf kurze Angaben gegeben hat, legt der erfahrene Trainer den Schwerpunkt in diesem Monat auf die Entscheidungen zwischen Rückhand und Vorhand im Aktivspiel. Adomeit unterscheidet dabei zwischen mehreren Leistungsleveln von Spielern und geht auf die richtige Körperhaltung ein. Ruhe spielt beim Schlag eine große Rolle.

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Im Laufe der letzten Jahre bin ich im Rahmen meiner Tätigkeit mit vielen Spielerinnen und Spielern von sehr unterschiedlichem Leistungslevel zusammengekommen. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie dieses unterschiedliche Leistungslevel entstanden ist und sich dann verfestigt hat. Dabei unterscheidet sich der Oberligaspieler sicher in vielen Bereichen vom Spieler aus der 2. oder 1. Kreisklasse. Es gibt Unterschiede im Bereich Tempo, Rotation, Aufschlag/Rückschlag und vielen anderen technischen und taktischen Bereichen. Entwicklungen haben dabei auch immer mit anderen Gegnern und Trainingspartnern zu tun. Im Laufe der Jahre gewöhnt man sich an das höhere Level. Einer der für mich gravierendsten Unterschiede ist aber das Entscheidungsverhalten vor den einzelnen Schlägen. Während die besseren Spieler hier immer wieder zu neuen Lösungen und Umstellungen in der Lage sind, fällen die schlechteren Spieler ihre Entscheidungen zu einzelnen Schlägen deutlich früher und sind dann nicht mehr in der Lage, sie umzustellen, wenn der Ball dann doch anders kommt. Gerade sehr trainingseifrige Spieler in diesem Bereich beschäftigen sich sehr gewissenhaft mit ihrem letzten Ball, wollen ihn dann korrigieren und bekommen so eine Veränderung der Situation nicht mit. Gerade die Entscheidungen, ob der Ball mit VH oder RH gespielt werden soll, werden sehr früh getroffen. Zudem wird die Position des letzten Balles sehr häufig beibehalten und dies gilt nahezu in jeder Hinsicht. Das heißt die Beine bleiben an der Stelle stehen, der Schläger schwingt wieder in die Ausholbewegung zurück, und der Körper befindet sich nicht im Gleichgewicht zwischen den Beinen, um den nächsten Schlag, unabhängig welcher nötig ist, einleiten zu können. 

Ich würde diesen Aspekt daher als einen leistungshemmenden bzw. als Grundlage zum Erfolg bezeichnen. Das Einnehmen einer „neutralen“ Position nach dem Schlag, ein Gleichgewicht des Körpers zwischen den Beinen, der Ellbogen in einer neutralen, jeden Schlag ermöglichenden Position vor dem Körper, sind Voraussetzungen, um sein Spiel zu entwickeln. Dazu muss die Entscheidung zum nächsten Schlag erst möglichst spät erfolgen. Erst dann, wenn man durch möglichst langes Beobachten abgesichert ist, wie und wohin der Ball des Gegners kommt. Dies gilt es möglich früh zu erlernen, auch wenn dann vielleicht die Entwicklung einer hohen Qualität eines einzelnen Schlages ein paar Trainingseinheiten länger dauert. Beobachten Sie doch mal, in welcher Ruhe ein Timo Boll am Tisch steht - im Gegensatz zur Hektik mancher Kreisligaspieler. Und seine Gegner spielen bestimmt nicht langsamer als die Spieler der Kreisliga. Ich vergleiche es manchmal mit einer Autofahrt. Es ist in der Regel deutlich schneller und ruhiger, wenn man den exakten Weg und das Ziel kennt, als wenn man einfach schon mal losfährt und dann erkennt, dass der Weg oder die Richtung nicht stimmt.

In dieser Einheit werde ich daher einige Übungen zu Entscheidungen zwischen RH und VH im Aktivspiel ohne Aufschlag/Rückschlag vorstellen. In folgenden Einheiten werde ich mich dann den Entscheidungen in Verbindung mit Aufschlag und Rückschlag sowie abschließend zwei Einheiten mit Entscheidungen im Passivspiel widmen.                  

1. Übung:  Klassiker Mitte – Ecke 

Spieler B: 1x RHB in TMi                                  Spieler A: VHT in RH

                1x RHB in Ecke                                                 VHT/RHT in RH 

                1x RHB in TMi                                                   VHT in RH 

                1x RHB eine Ecke                                             VHT/RHT in RH

                1x RHB in TMi                                                   VHT überall 

                                                           frei

Bei diesem Klassiker geht es darum, immer wieder die Position in Tischmitte nach jedem Schlag zu finden und dann wieder eine neue Entscheidung zu fällen. Ich würde aber auch diese Übung nicht zu häufig spielen lassen. Sehr oft schleift sich dann eine vorweggenommene VH-Stellung in Mitte ein und der RH-Ball wird oft nur als Notschlag gespielt. 

Variante: Leichte Variationen dieser Übung wären: Von den Ecken schlägt Spieler A in RH von außen in VH. Oder der fünfte Ball des Blockspielers kommt nicht in Tischmitte, sondern überallhin.     

Grafiken zu Übung 2: Folie 1 + Folie 2        


2. Übung: VH-Ecke, Tischmitte oder RH-Ecke

Spieler A:  VHT aus VH in VH                             Spieler B: VHB in TMi/RH

                  VHT/RHT in RH                                                 RHB in VH

                  VHT in VH                                                          VHB in TMi/RH 

                  RHT/VHT in RH                                                 RHB überall 

                                                           frei

Aus Tischmitte sollte der Spieler A VHT spielen. Spielt er von hier RH sollte der Spieler B den nächsten Ball direkt in tiefe RH spielen. Noch besser spielt er nicht in Mitte, wenn er sieht, dass Spieler A aus Mitte RH spielen will. Man kann den Block auch weniger eindeutig spielen, also in die gesamte Rückhälfte des Tisches. Der Spieler A entscheidet sich. Hier kann man auch eine Marke anbringen, an welcher Stelle er zwischen RH und VH wechseln sollte. Um den Blocker zu animieren, den Topspinspieler richtig zu fordern und zu Fehlentscheidungen zu zwingen, könnte man vorgeben, dass der Topspinspieler bei Fehlentscheidungen Hocksprünge machen muss. 

Grafiken zu Übung 2: Folie 1 + Folie 2


3. Übung: Ellbogen – Ecke - Ecke

Spieler B: LA auf Ellbogen                                            Spieler A: VHT/RHT in RH 

                 bei VHT: B in VH                                                            VHT in RH

                                B in RH 

                                                           frei                              

                 bei RHT: B in RH                                                         RHT in VH 

                               B in VH 

                                                           frei

Der lange Aufschlag sollte als einfacher Rollaufschlag gespielt werden, auch Spieler A kann einfach aufschlagen und dann kommt der Ball auf den Ellbogen. Die ersten Topspins von den Ecken sollen parallel gespielt werden, um die Laufwege zum dritten T extrem zu machen. Hier wird sich dann eine Fehlentscheidung beim ersten T extrem bemerkbar machen. Man kann die Übung natürlich auch nur über eine Seite spielen.

Grafik zu Übung 3


4. Übung: frei gegen RH

Spieler A: 4x T in RH                                         Spieler B: B überall (50% auf Ellbogen) 

                T in VH 

                                                           frei

Dass ungefähr die Hälfte der B auf den Ellbogen gespielt werden sollen, bezieht sich nicht auf den einzelnen Ballwechsel, sondern die Gesamtheit der Blockbälle. 

Grafik zu Übung 4


Die Übungen im Video spielen Andre Bertelsmeier und An Duy Dang:


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Der Autor
Martin Adomeit war Nationaltrainer in vier verschiedenen Nationen (Deutschland, Luxemburg, Belgien und Nigeria) und gewann mit allen Nationen Medaillen bei Welt-, Europameisterschaften oder African Games. 1998 wurde er in Deutschland Trainer des Jahres. Jetzt arbeitet der 58-jährige Lippstädter als freiberuflicher Trainer. Er führt unter anderem Lehrgänge für Vereine, Bezirke oder Verbände durch, gibt Einzeltraining und betreibt einen TT-Shop. International betreute er beispielsweise Quadri Aruna beim World Cup in Düsseldorf. 2015 führte er Nigerias Männerteam zum Mannschaftstitel bei den All African Games und ist damit der erste Trainer, der auf verschiedenen Kontinenten Titel in kontinentalen Mannschaftswettbewerben gewonnen hat. Der jüngste Erfolg des Coaches war die Deutsche Meisterschaft mit den Schülern des TuS Sundern 2017.  

Zu erreichen ist Martin per Telefon unter 02941-273385 oder per mail unter lippstadt@tt-store.de. Die Adresse der Webseite ist www.lippstadt.tt-store.de. ados TT-Schule, ttcenterlippstadt@faszination-tischtennis.de, Tel. 02941-273385

Trainingsbereich vom VDTT präsentiert
Der Trainingsbereich von myTischtennis.de wird präsentiert vom Verband Deutscher Tischtennistrainer (VDTT), der Trainerinstitution im deutschen Tischtennissport. Der Verband hat etwa 1400 Mitglieder und verfolgt das Ziel, auf die Situation der Trainerinnen und Trainer in Deutschland aufmerksam zu machen und Trainer*innen eine Anlaufstelle in vielerlei Hinsicht zu bieten. Um seine Mitglieder bestmöglich zu unterstützen, bietet er auf seiner Homepage eine große Online-Bibliothek mit vielen Trainingsthemen an, veröffentlicht die Magazine "Tischtennislehre" und "Trainerbrief" und informiert und diskutiert über die neuesten Entwicklungen in der Szene auf seinem jährlichen Symposium in Grenzau. Mehr Informationen finden Sie auf der VDTT-Webseite.

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