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Kilians Blog: Kritischer Rückblick auf WTT-Turnier

Kilian Ort lässt in seinem Blog das WTT-Turnier in Budapest Revue passieren (©ITTF)

13.09.2021 - Im August spielte Kilian Ort ein fast perfektes Contender-Turnier in Budapest: Im Doppel gewann er zusammen mit Tobias Hippler den Titel. Im Einzel scheiterte er nach Siegen u. a. über den topgesetzten Engländer Liam Pitchford und den Tschechen Tomas Polansky erst im Finale am Schweden Truls Moregard. In seinem Blog lässt Ort das Turnier Revue passieren – wirft dabei aber vor allem einen kritischen Blick auf organisatorische Besonderheiten und hinterfragt, ob sich WTT-Turniere für Spieler überhaupt rentieren.

Wenige Tage vor dem Meldeschluss für das WTT-Contender-Turnier in Budapest habe ich mit dem Italiener Mihai Bobocica trainiert und ihn während der Einheit gefragt, ob auch er die Reise in Ungarns Metropole antreten würde. Zu meinem Erstaunen wusste er zu dem Zeitpunkt nicht einmal, dass sich Mitte August endlich mal wieder die Möglichkeit bieten sollte, Weltranglistenpunkte zu sammeln. Ob das an einer mangelnden Kommunikation mit seinem Verband und/oder an einer verbesserungswürdigen Internetseite seitens WTT lag, kann ich nicht sicher beantworten. Doch bin ich froh, dass beim DTTB mit Kolja Rottmann & Co. aufmerksames Personal arbeitet, das uns Spieler stets top informiert. Dass sich die meisten Olympiateilnehmer kurz nach dem absoluten Highlight der Saison gen Urlaub verabschieden, ist nachvollziehbar. Allerdings schienen ähnlich wie die Italiener nicht alle Nationen dieses Turnier auf dem Schirm zu haben, da die Teilnehmerzahl sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern sehr überschaubar war. Mir sowie dem ein oder anderen jüngeren deutschen Spieler konnte es Recht sein.

Das WTT-Contender-Turnier in Budapest war für mich seit fast fünf Monaten der erste Wettkampf, seit anderthalb Jahren das erste internationale Turnier und das erste WTT Event überhaupt, was ich zum Anlass nehmen möchte, um auf die Gegebenheiten vor Ort etwas näher einzugehen. 

Mix aus "Stopptischen" und "Rutschtischen"
Das Danubius Hotel nahe des Ferenc-Puskas-Stadions kennen wir schon seit ein paar Jahren, da es schon häufiger die offizielle Unterkunft der ITTF-Events in Ungarns Hauptstadt war. 2017 kostete für einen Athleten eine Nacht im Doppelzimmer 120 Euro – mittlerweile sind wir bei 180 US- Dollar angelangt, die umgerechnet gut 150 Euro darstellen. Bevor mein Doppelpartner Tobias „Hippi“ Hippler und meine Wenigkeit das erste Mal unsere gute Stube betreten durften, mussten wir zusätzlich zu zwei PCR- Tests, denen wir uns sieben und drei Tage vor der Abreise unterzogen hatten, einen weiteren Schnelltest im Eingangsbereich der Halle absolvieren, was übrigens unabhängig vom jeweiligen Impfstatus geschah. Dabei wurden wir – wie bereits in einer im Vorfeld versandten E-Mail – darüber informiert, dass das Event als eine Art Blase durchgeführt wurde, was unter anderem bedeutete, dass man sich nur im Hotel oder der Halle aufhalten durfte. Darüber hinaus musste – wenn man sich nicht gerade aufwärmte oder spielte – überall eine Mund-/Nasenbedeckung getragen werden. Da Ungarns Regierungschef die Maskenpflicht im gesamten Land vor geraumer Zeit aufheben ließ, waren wir wohl eine der wenigen weit und breit, die vom Gesichtsutensil Gebrauch machen mussten. Paradoxerweise erfuhren wir aber, dass nicht alle ungarischen Mitstreiter nach erstmaligem Betreten der Austragungsstätte im offiziellen Hotel, sondern in ihren Wohnungen in Budapest nächtigten. Dem Personal im Essensbereich wurde zudem auch erst nach mehreren Tagen mitgeteilt, dass es sinnvoll wäre, die Mund-/Nasenbedeckung zu tragen, wenn man den Sportlern weiterhin glaubhaft vermitteln möchte, dass die vorgegebenen Regeln einzuhalten sind. Wenn man sich schon ein derartiges Konzept ausdenkt, sollte man es meiner Meinung nach auch konsequent umsetzen. 

Ein Kuriosum, das ich auf professionellem Niveau so auch noch nicht erlebt habe, lag da noch vor uns: Als Hippi und ich die erste Einheit auf einem Trainingstisch abgeschlossen hatten, waren wir uns sicher, dass wir es in der Budapest Olympic Sports Hall mit Stopptischen zu tun haben, da die Bälle tendenziell eher kurz blieben. Als die Tische in der Haupthalle fertig präpariert waren, ging Hippi zu Tisch 3, um zu checken, ob die Wettkampf- und Trainingstische identisch seien. Als er zurückkam, meinte er zu mir: „Kili, da drüben sind Rutschtische. Ich hab‘ zweimal meinen Gegenläufer gemacht und zweimal ist er halblang rausgesprungen.“ Als wir am Nachmittag auf Tisch 2 der Haupthalle nochmal locker ein paar Schläge machen wollten, fand ich ähnlich wie im Warm-Up-Bereich einen Stopptisch vor und begann schon Sprüche in Richtung meines Doppelpartners zu machen: „Vielleicht haste vorhin bei deinem Gegenläufer einfach keinen Touch gehabt. Du merkst doch selbst, dass der Tisch genauso ist wie der, auf dem wir heute Morgen gespielt haben.“ Zum Glück hat Hippi ein dickes Fell und kann sowas ab. Tags darauf musste ich mich aber bei ihm entschuldigen. Vor meinem ersten Einzel musste ich feststellen, dass sowohl in der Trainings- als auch in der Wettkampfhalle unterschiedliche Tische standen. Genauer gesagt: Tische, die genau gleich aussahen, aber mit anderen Oberflächen versehen waren. In den vier Courts der Haupthalle standen zwei Rutschtische und zwei Stopptische. Leicht überspitzt formuliert könnte man sagen, dass das ungefähr so ist, als wenn bei den French Open im Tennis zu einer Hälfte auf Sand- und zur anderen Hälfte auf Rasenplätzen gespielt werden würde. Nachdem die Verantwortlichen auf dieses Problem aufmerksam gemacht wurden, wurde uns Spielern immerhin versichert, dass, sobald im Hauptfeld nur noch in zwei Boxen um Punkte gestritten würde, Tische mit gleichen Oberflächen stehen blieben. 

Was mir schon eher zusagte, war das Design der Boxen. Die Sofas, auf denen die Coaches Platz nehmen durften, die Wände zwischen den jeweiligen Tischen sowie die eines Oktagons nachempfundene Form der Courts machten schon einiges her und sind sicherlich ein Upgrade zu vorherigen Aufmachungen, die nicht wirklich innovativ daherkamen.

Lohnen sich WTT-Turniere für die Spieler? 
Und jetzt zum Geld: Mit dem eingangs erwähnten Mihai Bobocica führte ich bereits vor einigen Monaten ein Gespräch, in dem ich ihm meine zumindest in Teilen kritische Sicht auf WTT näherbrachte. Jeder Sportler sieht Veränderungen und Reformen wohl zuallererst durch seine eigene Brille, weshalb ich ihm erklärte, dass ich stets von einem engagierten Vereinsleben profitierte und ich es nicht gutheiße, dass die neue Tochterfirma unseres Weltverbandes kaum bis gar keine Rücksicht auf die Klubs nimmt. Darauf erläuterte er mir seine Haltung und ging dabei auf das Preisgeld ein, das die WTT in Zukunft ausschütten wird. Selbst für Spieler im Bereich der Nummer 50- 100 der Weltrangliste könnte es sich seiner Meinung nach bald lohnen, nur noch auf der Tour aufzuschlagen, solange die nationalen Verbände für Reise- und Hotelkosten aufkämen, was in Deutschland aufgrund der großen Anzahl an guten Spielern und Spielerinnen nicht vollumfänglich möglich ist. Da ich in Budapest auch dank eines hervorragend aufspielenden Tobi Hippler und dank der großartigen Betreuung von Tamara Boros für meine Verhältnisse recht erfolgreich abschnitt, habe ich am eigenen Leib erfahren dürfen, wie mager das Preisgeld im Verhältnis zu den Kosten für Hotel und Flug am Ende ausfällt. Wenn man mit dem Doppeltitel noch nicht mal die Ausgaben für vier Nächte im sicherlich ordentlichen, aber nicht exquisiten Danubius Hotel decken kann, lässt sich erahnen, wie unprofitabel das Geschäft für die Athleten ist. Sicherlich stellen die Contender-Turniere die niedrigste Kategorie der WTT- Serie dar, doch scheinen die Grand Smashes noch in weiter Ferne zu sein – zumindest finde ich auf der Homepage von World Table Tennis noch nichts. Viele Wettkämpfe werden dann sowieso nur für die Crème de la Crème und für die Sportler, die aus Ländern kommen, die der WTT strategisch wichtig erscheinen, zugängig zu sein. 

Besonders für die jungen Spieler stehen die Erfahrungen auf internationalem Terrain und die Sponsorenakquirierung eher im Vordergrund als durch die Events Unsummen an Preisgeld zu generieren. Eine Verdopplung des Preisgelds, wie einst von WTT angekündigt, scheint wohl erst nach dem Ende der Pandemie – wann auch immer das sein wird – im Bereich des Möglichen zu sein. Ein Nationalmannschaftskollege von mir sagte vor kurzem einmal: „Am meisten Geld verdienst du, wenn du nicht spielst.“ Bis auf die Spieler, die ganz vorne im Ranking stehen, trifft dieser Satz zu, weshalb die Vereine und die Ligen weiterhin essenziell sein werden. 

In der kommenden Woche geht‘s für einige meiner Kollegen bereits zum zweiten Mal in diesem Kalenderjahr in den Wüstenstaat Katar, wo ein WTT-Star-Contender-Turnier stattfinden wird. Für mehr Preisgeld ist im vorderasiatischen Emirat traditionell gesorgt – für professionelle Spielverhältnisse hoffentlich auch.

(Kilian Ort)

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