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Phasendrescher – Turnier-Edition: Die Doppelrunde

In dieser Ausgabe steht die Doppelrunde im Vordergrund. (©Laven)

06.09.2021 - Planung und Vorrunde des Amateurturniers sind vorüber, schon steht bei vielen Wettkämpfen die Doppelrunde auf dem Programm. Wie diese aussehen kann, beschreibt "Phasendrescher" Philipp Hell auf seine gewohnt humorvolle Art. In der aktuell laufenden Serie, der Turnier-Edition, nimmt der Autor die verschiedenen Abschnitte eines organisierten Wettkampfs unter die Lupe. Das Thema Doppel ist nach dem Ligastart im Amateurbereich ohnehin ein brandaktuelles Thema.

Hat man die Einzel-Vorrunde endlich hinter sich gebracht (und vielleicht sogar erfolgreich), beginnt normalerweise noch vor der K.o.-Phase die Doppelrunde. Hier gilt es im Vorfeld zwei wichtige Fragen zu beantworten: Mit wem will man antreten? Und will man die ganze Sache überhaupt ernst nehmen?

Gut, wenn Karl und Tom gemeinsam zum Turnier angereist sind, werden sie vermutlich auch miteinander an den Start gehen. Es sei denn, sie sind bekannt dafür sich beim Doppel nur gegenseitig auf den Füßen zu stehen, da sie beide den Wendekreis eines Vierzigtonners haben und/oder sich andauernd in die Wolle zu kriegen. In diesem Fall gilt es definitiv, sich gezielt einen guten Doppelpartner zu suchen.

Die Partnerwahl hängt natürlich durchaus mit der zweiten Frage zusammen: Ist die Doppelrunde nur eine willkommene Überbrückungszeit, um bis zur K.o.-Phase warm zu bleiben? Ist sie eine nervige Angelegenheit, die schlecht organisiert ist und sich äußerst zäh über den halben Nachmittag zieht? Oder rechnet man sich sogar gute Chancen auf den Titel aus, weil man im Vorjahr zufällig im Halbfinale stand?

Zumeist tut man sich mit dem erst besten bekannten Gesicht zusammen, das spielerisch auf einem ähnlichen Niveau liegt und mit dem man es vielleicht schon einmal versucht hat. Natürlich gilt es, sich – ebenso wie beim Einspielen – vor den absoluten Nullen zu hüten. 

Klassiker: Frühes Ausscheiden und kalt ins Einzel

Doch auch der vermeintliche Jackpot als Partner, der gerade erste eingereiste, spielerisch ganz starke und im Einzel daher hoch favorisierte Asiate, kann sich als wenig hilfreich erweisen. Erstens kann man kaum mit ihm kommunizieren, zweitens sagt seine Einzel-Spielstärke wenig bis nichts über seine Doppelkünste aus und drittens kann es eben sehr gut sein, dass er selber die Doppelrunde mehr oder weniger abschenken will, da er sich voll auf den Einzelpokal fokussiert. Aber das weiß man eben erst nach einer peinlichen Auftaktpleite gegen zwei Opas mit offensichtlichem Hüftleiden.

Beginnen dann endlich die ersten Doppelspiele, so gerät man so oder so schnell wieder in den Wettkampfmodus. Es wird gekämpft als ginge es um den seit Jahrzehnten ersehnten Aufstieg in die Bezirksliga. Und auf gar keinen Fall will man gegen diese beiden Nervensägen mit ihren komischen Belägen ausscheiden, außerdem ist die Auslosung günstig und man könnte wohl weit kommen. Wenn, ja wenn man sich nur mit seinem Partner zusammenrauft und sich nicht nach kürzester Zeit gegenseitig anblökt, dass das so mit der nächsten Runde wohl nichts mehr werde. 

Meistens scheidet man dann zu seiner eigenen Überraschung wieder einmal vorzeitig aus und ist bis zum Beginn der Einzel-K.o.-Spiele schon wieder kalt, was dort auch nicht wirklich weiterhilft und zu einem weiteren vorzeitigen Ausscheiden führt.

Siegererhung im Geräteraum

Doch ab und zu gibt es dieses eine Turnier, bei dem es einfach läuft. Warum weiß keiner so genau, doch plötzlich werden klar stärker eingeschätzte Paare souverän aus dem Weg geräumt, werden fünfte Sätze nach schier uneinholbarem Rückstand noch gedreht und werden Punkte mittels erfolgreicher Ballonabwehr und dem eingesprungenen Becker-Hecht erzielt. Nach einer emotionalen Berg- und Talfahrt gewinnt man das tatsächlich Halbfinale und steht erstmals in seiner Karriere in einem Doppel-Finale. Glückliche Umarmungen, Schulterklopfen, eine kleine Träne im Augenwinkel, das volle Programm. Vor dem inneren Auge sieht man sich bereits in einer Jubeltraube den Titel feiern und anschließend unter aufbrandendem Jubel einen goldenen Pokal in den Turnhallenhimmel recken.

Bis in die Haarspitzen motiviert und total fokussiert startet man dann in das große Finale, für das man sich bereits mehrere Matchpläne für alle Eventualitäten zurechtgelegt hat. Die Taktik ist klar vorgegeben und der Einsatz wird so hoch sein wie noch nie. Doch dann: Trifft man auf ein völlig ausgelaugtes gegnerisches Doppel, das noch dazu spielerisch limitiert zu sein scheint und an Toms endlich mal effektiven gemeinen Unterschnitt-Aufschlägen scheitert. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei und es ertönt ein müdes Klatschen von den zwei Mannschaftskollegen an der Bande. 

Die Aufmerksamkeit des immer wieder raunenden Publikums in der Halle richtet sich nämlich gerade auf das zeitgleich ausgetragene Einzel-Achtelfinale an Tisch vier, das als vorgezogenes Endspiel gilt zwischen dem bereits erwähnten Asiaten und einem bockstarken Lokalmatador. Dort wird eben Spektakel-Tischtennis geboten.

Die Siegerehrung findet dann im kleinen Kreis (zu viert) im Geräteraum statt, es gibt eine schief ausgedruckte Urkunde und eine etwas in die Jahre gekommene Schlägerhülle als Sachpreis. Irgendwie hatte man sich so einen Turniersieg anders vorgestellt.

(Philipp Hell) 

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