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Janinas Blog: Die Sache mit dem Glück

Die Auslosung hätte für das deutsche Olympiateam besser laufen können (©Stosik)

21.07.2021 - Glück spielt bei den Olympischen Spielen in Tokio eine wichtige Rolle. Das beginnt bei der Wartezeit am Flughafen, bis man die Einreiseformalitäten hinter sich gebracht hat, geht weiter bei der Verordnung oder dem Erlass einer dreitägigen Quarantäne und führt schließlich zur Auslosung, die im Tischtennis am heutigen Tag stattgefunden hat. Redakteurin Janina Schäbitz hatte in Tokio bisher gute Beziehungen zu Fortuna, hätte dem deutschen Team aber gerne etwas davon abgegeben.

Das Glück war in meinem Leben schon oft auf meiner Seite. So habe ich zum Beispiel als Siebenjährige bei einer Verlosung ein Auto gewonnen. Da ist man schon ein bisschen der Held in der Grundschulklasse, auch wenn man selbst noch nicht übers Lenkrad gucken kann. Und auch hier in Tokio ist es mir bisher gut ergangen. Ein schönes Hotelzimmer, sehr nette Menschen - und nur fünf Stunden für die Einreiseformalitäten gebraucht! „Nur“ fünf Stunden? Ja, das meine ich tatsächlich ernst, denn da waren andere deutlich schlechter dran. Ich habe schon von acht oder sogar neun Stunden gehört. Was die da um Himmels Willen mit einem machen? Jeder Ankömmling hat eine dicke Mappe mit Formularen dabei, im Flugzeug kommen noch drei weitere hinzu und die zeigt man dann an verschiedenen Stellen vor. So durchläuft man wie bei einer Schnitzeljagd Station nach Station, bis man vom Coronatest ausgebremst wird, auf dessen Ergebnis man mit Abstand am längsten wartet. Hier in Tokio werden im Rahmen der Olympischen Spiele übrigens keine Nasen- oder Rachenabstriche gemacht, wie bei uns ja meist üblich. Hier läuft alles über Speichel, mit dem man ein Röhrchen füllen muss. Und da man eine halbe Stunde vor der Abgabe nichts mehr essen oder trinken darf, ist das eine gar nicht so leichte Aufgabe, wie ich festgestellt habe. Doch auch für diesen Fall haben die Japaner vorgesorgt und Fotos von Zitronen zur Förderung des Speichelflusses im Abgabebereich aufgehängt. Die Bildchen haben die Einreisezeit also sicher auch noch mal um ein paar Minuten verkürzt.

Quarantäne umschifft

Deutlich kürzer als bei anderen Kollegen ist auch meine Quarantänezeit ausgefallen. Die liegt nämlich bei genau null Tagen. Warum ich dieses Privileg bekommen habe, andere Journalisten aber nicht, kann ich nicht erklären. Vielleicht einfach gut argumentiert oder halt aber - Sie ahnen es schon - Glück. Auf jeden Fall bedeutet das, dass ich auch an den ersten drei Tagen meines Aufenthaltes das Hotelzimmer verlassen darf. Meine Bewegungsfreiheit ist aber auf die paar Orte begrenzt, die ich in meinem Aktivitätsplan vorher angeben durfte - und das sind vor allem das Hotel, die Halle und das Pressezentrum. Supermärkte, Restaurants oder öffentliche Verkehrsmittel sind also in den nächsten zwei Wochen tabu. Aber diese Einschränkungen nehme ich mit Kusshand in Kauf, sofern ich nicht drei Tage auf 15 Quadratmetern verbringen muss.

Sie merken, ich kann mich hier gerade nicht beklagen. Umso mehr habe ich bei der heutigen Auslosung für die Tischtenniswettbewerbe auch dem deutschen Team die Daumen gedrückt, auf meiner Glückssträhne mitzureiten. Denn dieser Termin im Vorfeld eines Turniers entscheidet nicht selten darüber, wie die Chancen stehen, am Ende mit einer Medaille nach Hause zu fahren. Natürlich müssen auch die vermeintlich etwas schwächeren Gegner erst einmal geschlagen werden. Aber zumindest die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgserlebnisses kann dadurch halt ein bisschen größer oder auch kleiner ausfallen. Denken Sie nur an die WM 2019 in Budapest, als Mattias Falck in seiner Hälfte des Turnierbaums mit Xu Xin ‚nur‘ einen Top-Chinesen hatte. Und als Simon Gauzy den auch noch aus dem Weg geräumt hatte, war der Weg ins Finale für den späteren Vize-Weltmeister plötzlich deutlich weniger steinig. Das wäre er übrigens auch für Timo Boll gewesen, wenn dieser nicht wegen Fiebers vor dem Achtelfinale hätte aufgeben müssen. Ausgerechnet! Wenn auf Glück Pech folgt, bringt einen das also leider auch nicht weiter.

Hohe Hürde vor großem Ziel

Auch diesmal wird Boll nicht vom Glück verfolgt. Ein ganz wichtiger Punkt auf seiner Bucket-Liste ist ja bekanntlich die olympische Einzelmedaille, die ihm trotz mehrfacher Erfolge im Teamwettbewerb bislang noch nicht vergönnt war. Doch der Einzug ins Halbfinale, welcher ja bei Olympischen Spielen noch nicht einmal gleichbedeutend mit dem Gewinn einer Medaille ist, wird auch diesmal denkbar schwer sein. Denn im Viertelfinale träfe Boll, wenn er so weit kommt, auf keinen Geringeren als den Weltranglistenersten Fan Zhendong. Also, war es das schon mit dem Traum von der Einzelmedaille? Nein, denn das Beispiel Boll lehrt uns auch, dass bei Olympischen Spielen so einiges möglich ist. So waren bei seinen letzten Anläufen, um aufs Siegerpodest zu kommen, Adrian Crisan und Quadri Aruna zum Beispiel die Underdogs im Duell mit dem Deutschen, schafften aber die Überraschung. Warum sollte es also nicht auch einmal gut für Boll laufen? Denn Glück ist ja zum Glück auch nicht alles auf dem Weg zum Erfolg...

(JS)

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