WM 2021

Finale knapp verpasst: Boll unterliegt Moregardh

Truls Moregardh legte in Houston als nicht gesetzter Spieler einen Durchmarsch bis ins Finale hin (©ITTF)

29.11.2021 - Eberhard Schöler hätte seine Position als einziger deutscher Mann, der je ein WM-Einzelfinale erreicht hat, sicherlich gerne mit Timo Boll geteilt. Doch der Altstar, der 1969 in München Silber holte, muss noch ein wenig auf Gesellschaft warten. Im Halbfinale von Houston war Boll zwar ganz nah dran, in sein erstes Einzelfinale einzuziehen. Am Ende musste der noch immer durch eine Bauchmuskelzerrung Gehandicapte aber Truls Moregardh zum verdienten Sieg gratulieren.

Machte der 40-Jährige das Rennen, der sich schon im Viertelfinale heldenhaft unter Schmerzen die Medaille erkämpft hat? Oder der nicht gesetzte 19-Jährige, der von Runde zu Runde nur gegen besser platzierte Spieler gewonnen und es schließlich bis ins Halbfinale geschafft hat? Beide Finalkandidaten haben ein ganz besonderes Turnier in Houston gespielt und hätten sich die Belohnung verdient gehabt. Der Kampf ums Finale und die sichere Silbermedaille verlief somit standesgemäß dramatisch und nervenaufreibend. Am Ende ist es allerdings der 19-Jährige, für den es in Houston auch am letzten Turniertag noch weitergeht, Truls Moregardh. „Natürlich bin ich jetzt direkt nach dem Spiel erst einmal enttäuscht. Ich hatte die Chance aufs Finale“, sagte der unterlegene Timo Boll. „Aber am Ende hat Truls fantastisch gespielt und unglaubliche Bälle auf den Tisch gespielt. Er hat es verdient gewonnen.“

Bis an die Schmerzgrenze

Boll ging auch in dieses Spiel gehandicapt. Die Bauchmuskelzerrung, die ihn schon im Viertelfinale geplagt hatte, quälte ihn auch gegen Moregardh. Nichtsdestotrotz erwischte er einen sehr guten Start und ging mit 2:0 in Führung. Auch als der Schwede aufholte und ausglich, biss sich Boll weiter durch und ging erneut in Front. Als es dann noch in den siebten Satz ging, waren seine Körner dann aber aufgebraucht. Mit 11:5 spielte sich Moregardh ins Finale. „Es war unsere erste Begegnung, er hat einen ungewöhnlichen Stil. Am Anfang konnte ich ihn noch etwas überraschen, aber als er später immer mehr Bälle zurückgespielt hat, habe ich Probleme bekommen“, erzählte Boll. Auf der anderen Seite spielte die Verletzung des Gegners offenbar keine Rolle. „Ich habe das nicht so wahrgenommen, sondern mich auf mein Spiel konzentriert“, sagte Moregardh. „Am Ende war ich aber, denke ich, einfach der bessere Spieler.“

Auch wenn es für Boll nicht zum ersehnten Finale gereicht hat, geht er trotzdem mit seiner zweiten Einzel-Bronzemedaille nach Hause. Ein Erfolg, der zuvor nur Eberhard Schöler gelang, der zudem aber auch noch Silber bei der WM 1969 in München gewann. Heinz Schneider (1957 in Stockholm) und der Deutsch-Grieche Nikita Madjaroglou (1931 in Budapest) stehen mit jeweils einer Bronzemedaille in den Tischtennis-Geschichtsbüchern. Boll selbst war trotz der verpassten Chance zufrieden mit seinem Turnier: „Ich habe alles gegeben, bis an die Schmerzgrenze, ich kann mir keinen Vorwurf machen. Mehr war einfach nicht drin“, erklärte er. „Ich bin mit wenigen Erwartungen hierher gekommen und da ist das Halbfinale schon eine tolle Leistung. Ich wünschte, ich hätte hier bis zuletzt voll durchspielen können, aber irgendwann ist, wenn man 40 ist, dann der Punkt erreicht, an dem der Körper resigniert.“ Auch Bundestrainer Jörg Roßkopf hatte nur Respekt für seinen Schützling übrig. „Unter den Voraussetzungen hat Timo hier das absolute Maximum herausgeholt“, lobte Rossi. „Und er hätte es fast sogar geschafft. Ich habe den größten Respekt vor Timo, was er hier geleistet hat.“ Statt Boll steht morgen Truls Moregardh in seinem ersten WM-Finale. Sein Gegner wird Fan Zhendong sein, der Teamkamerad Liang Jingkun im anderen Halbfinale mit 4:1 besiegte. 

Duell zwischen Doppelpartnerinnen

Bei den Damen wird das Finale von zwei Spielerinnen bestritten, die sich in und auswendig kennen: Sun Yingsha und Wang Manyu sind Doppelpartnerinnen und werden morgen gemeinsam gegen die Japanerinnen Mima Ito und Hina Hayata um Doppel-Gold kämpfen. Danach gehen sie im Einzelfinale als Gegnerinnen an den Tisch. Die Finalplätze hatte das Team China unter sich ausgespielt. Sun Yingsha besiegte Wang Yidi mit 4:1, was auch ihrer Setzung entsprach. Wang Manyu gelang dagegen ein Coup gegen die Weltranglistenerste und Olympiasiegerin Chen Meng, die sie im siebten Satz noch bezwang. Damit wird morgen eine Spielerin zur Weltmeisterin gekürt, die zuvor noch nie in einem WM-Einzelfinale gestanden hat.
 

Die Spiele des Tages im Einzel (Angaben in deutscher Zeit): 

Damen-Einzel

Halbfinale
Chen Meng CHN - Wang Manyu CHN 3:4 (9,7,-8,-6,11,-9,-8)
Wang Yidi CHN - Sun Yingsha CHN 1:4 (-8,3,-8,-6,-8)

Finale
Wang Manyu CHN - Sun Yingsha CHN, Dienstag 1 Uhr

Herren-Einzel

Halbfinale
Fan Zhendong CHN - Liang Jingkun CHN 4:1 (5,4,9,-8,11)
Timo Boll - Truls Moregardh SWE 3:4 (8,8,-6,-8,10,-8,-5)

Finale
Fan Zhendong CHN - Truls Moregardh SWE, Dienstag 2 Uhr

Alle Spiele finden Sie auf der WTT-Webseite!

(JS)

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