WM 2021

WM: Losfee nur bedingt auf deutscher Seite

Auf Patrick Franziska und Timo Boll wird im Falle eines Auftaktsieges eine schwere Hürde in Runde zwei warten (©ITTF)

21.11.2021 - Im Vorfeld der am Dienstag beginnenden und bis zum 29. November ausgetragenen Individual-Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Houston hat heute die Auslosung stattgefunden – und den Deutschen zum Teil die Aussicht auf frühe Spiele gegen schwere Gegner beschwert. Insbesondere für Timo Boll dürfte es sowohl im Einzel als auch im Doppel an der Seite von Patrick Franziska früh gegen Chinesen gehen. Im Mixed-Doppel wurde mit der Bildung von zwei US-amerikanisch-chinesischen Duos ein Zeichen zum 50. Jubiläumsjahr der Ping-Pong-Diplomatie gesetzt.

In der ersten Runde darf Timo Boll als an Position acht gesetzter Spieler noch aussetzen, in Runde zwei der besten 64 Spieler wird zum Auftakt dann wahrscheinlich aber schon eine echte Herausforderung auf den Düsseldorfer warten: Boll läuft dort nämlich auf den Chinesen Zhou Qihao zu, der in der Weltrangliste 'nur' auf Platz 114 geführt wird. Ein direktes Duell zwischen beiden gab es bei den German Open 2019. Dieses entschied Boll mit 4:2 für sich. Behauptet sich Boll auch in Houston gegen den 24-jährigen Zhou, geht es in der Runde der letzten 32 womöglich gegen den Brasilianer Gustavo Tsuboi. Im weiteren Turnierverlauf läuft Boll mit Blick auf ein mögliches Achtelfinale auf den Franzosen Simon Gauzy zu. 

Ein durchaus anspruchsvolles Los erwischte auch der an Position zehn gesetzte Patrick Franziska zum Auftakt, er muss gegen Lubomir Pistej ran. Gewinnt Franziska dieses Spiel, geht es in der Runde der letzten 64 entweder gegen den Kanadier Jeremy Hazin oder den Paraguayer Marcello Aguirre. Danach erscheinen Truls Moregard oder Chuang Chih-Yuan als die wahrscheinlichsten Gegner in der Runde der letzten 32, im Achtelfinale der Olympia-Vierte Lin Yun-Ju aus Taiwan. Genau wie Boll droht auch seinem Düsseldorfer Mannschaftskollegen Dang Qiu ein frühes Duell mit einem Chinesen. Siegt der deutsche Penholderspieler in Runde eins gegen den Japaner Yukiye, trifft er in der zweiten Runde auf den WM-Dritten von 2019, Liang Jingkun.

Im Erfolgsfall könnte in der Runde der letzten 32 Benedikt Duda ein möglicher Gegner von Qiu sein. Der Bergneustädter trifft zum Auftakt auf den Inder Harmeet Desai, in der zweiten Runde würde es gegen Paul Drinkhall oder Marcos Freitas gehen. Allrounder Ruwen Filus wiederum bekommt es im ersten Spiel mit dem Rumänen Hunor Szöcs zu tun, ehe in der zweiten Runde wohl der Franzose Can Akkuzu warten dürfte. Möglicher Gegner in einem Drittrundenspiel von Filus wäre der Japaner Tomokazu Harimoto. Insgesamt bezeichnend bei den Herren: Die vier Top-Chinesen Fan Zhendong, Lin Gaoyuan, Liang Jingkun und Wang Chuqin wurden alle in die gleiche Turnierhälfte gelost, bis auf Liang sogar alle ins gleiche Viertel des Turnierbaums.

Han im späteren Turnierverlauf womöglich gegen Olympiazweite
Etwas besser meinte es die Losfee mit den deutschen Damen. Die an Position 16 gesetzte Europameisterin Petrissa Solja bekommt es mit der Serbin Izabella Lupulesku zu tun, im Erfolgsfall wohl mit der Rumänin Andreea Dragoman, in einer möglichen dritten Runde wohl mit der Thailänderin Suthasini Sawettabut, während im Achtelfinale Japans Olympia-Dritte Mima Ito warten könnte. Nina Mittelham wiederum trifft in der ersten Runde auf die US-Amerikanerin Amy Wang und läuft danach auf Spielerinnen wie Sibel Altinkaya aus der Türkei und Cheng I-Ching aus Taiwan zu.

Han Ying bekommt es zuerst mit der Schweizerin Rachel Moret zu tun, ehe Daria Trigolos oder Galia Dvorak warten würden. Drittrundengegnerin dürfte die chinesische Olympiazweite Sun Yingsha sein. Shan Xiaona muss im ersten Einzel gegen Olga Vorobeva ran, bei einem Sieg danach gegen Margo Degraeff oder Pauline Chasselin, in Runde drei wohl gegen die Chinesin Chen Xingtong. Sabine Winter steht im Auftaktspiel der Waliserin Charlotte Carey gegenüber, ehe in Runde zwei die Hongkongerin Doo Hoi Kem warten dürfte.

Boll/Franziska wohl gegen Fan Zhendong/Wang Chuqin
Im Doppel müssen sich Timo Boll und Patrick Franziska im Auftaktspiel, der Runde der letzten 64, gegen das serbisch-slowakische Duo Aleksandr Karakasevic/Lubomir Pistej beweisen. Im Falle eines Sieges wird es in Runde zwei definitiv gegen die Chinesen Fan Zhendong und Wang Chuqin gehen, die in Houston nur an Position neun gesetzt sind. Die vierfachen deutschen Doppel-Meister Benedikt Duda/Dang Qiu wiederum dürfen die erste Runde als an Position acht gesetztes Duo überspringen und treffen in der Runde der letzten 32 entweder auf die Hongkonger Ng Pak Nam/Lam Siu Hang oder die Italiener Niagol Stoyanov/Mihai Bobocica. 

Bei den Damen dürfen beide deutsche Duos die erste Runde überspringen. In Runde zwei geht es für die Europameisterinnen Petrissa Solja/Shan Xiaona gegen die Italienerinnen Debora Vivarelli/Giorgia Piccolin, im Achtelfinale könnten danach bereits die Chinesinnen Sun Yingsha/Wang Manyu warten. Die EM-Zweiten Nina Mittelham/Sabine Winter bekommen es in Runde zwei entweder mit den Inderinnen Madhurika Patkar/Sutirtha Mukherjee oder den Singapurerinnen Goi Rui Xuan/Wong Xin Ru zu tun, im Achtelfinale dann wohl mit den Japanerinnen Mima Ito und Hina Hayata. 

Mit Blick auf das 50. Jubiläumsjahr der Ping-Pong-Diplomatie entscheiden die Verantwortlichen und Verbände der USA und China, im Mixed-Doppel die US-amerikanisch-chinesischen Duos Kanak Jha/Wang Manyu und Lin Gaoyuan/Lily Zhang ins Rennen zu schicken. Letzteres Duos könnte in Runde zwei den Weg von Nina Mittelham und Dang Qiu kreuzen – dann nämlich, wenn die beiden deutschen Mixed-Europameister ihr Auftaktspiel gegen die Tschechen Tomas Polansky/Hana Matalova gewinnen. Die an Position acht gesetzten European-Games-Sieger Patrick Franziska/Petrissa Solja wiederum haben in Runde eins ein Freilos und bekommen es in Runde zwei entweder mit den Nigerianern Olajide Omotayo/Cecilia Akpan oder den Chilenen Juan Lamadrid/Paulina Vega zu tun, im Achtelfinale wohl mit den Hongkongern Ho Kwan Kit/Lee Ho Ching.

Richard Prause: „Mit einer schweren Auslosung ist man von Anfang an hellwach“
Hintergrund für die nicht immer korrekt die Kräfteverhältnisse im Welttischtennis wiedergebende Einstufungen ist die aufgrund der Pandemie nicht sonderlich aussagekräftige Weltrangliste, die - zusammen mit aktuellen Ergebnissen im Doppel - die Grundlage für die Setzungen bildet. Viele Nationen besuchten die wenigen Turniere nur vereinzelt oder gar nicht, Verschiebungen in der Weltrangliste waren eine Folge, die Konsequenzen sind in der der Auslosung unübersehbar. 

DTTB-Sportdirektor Richard Prause erklärt: „Die Weltrangliste ist durch Corona ein stückweit durcheinander gerüttelt. Spieler, die viele Turniere bereist haben, sind etwas höher gesetzt. Andere Spieler, die man normalerweise weiter vorne in der Setzung erwartet, liegen mangels Turnierteilnahmen dahinter. Im Doppel hat man die aktuellen Ergebnisse als Grundlage genommen. Das ist ja auch okay, hat aber teilweise zu einigen überraschenden Einstufungen geführt. Das führt im Einzel und im Doppel dazu, dass es einige Male zu frühen Begegnungen stärkerer Athleten kommt beziehungsweise kommen kann, als dies sonst bei einer WM der Fall gewesen wäre. Wir stehen dadurch sehr früh vor einigen sehr herausfordernden Aufgaben. Aber das trifft nicht nur uns, wie das Beispiel China im Herren-Einzel zeigt. In einer Nicht-Corona-Zeit mit deutlich mehr Wettkämpfen hätten die Weltrangliste und damit die Setzungen, die solche Konstellationen ermöglichen, wahrscheinlich anders ausgesehen.“

Die Athleten des DTTB stehen nach der Auslosung vor hohen Hürden, das weiß auch Prause: „Zugespitzt könnte man für den DTTB von einigen Hammerlosen reden, aber wir denken nicht in diesen Dimensionen. Lamentieren würde uns zudem nicht helfen. Manchmal hat man eben eine etwas bessere Auslosung, das nächste eine etwas schlechtere - am Ende gleicht sich das alles immer aus." Prause hofft: "Wenn man eine schwere Auslosung hat, dann ist man von Anfang an hellwach. Das trägt vielleicht sogar mit dazu bei, direkt von Anfang über die ohnehin immer notwendigen 100 Prozent hinauszuspielen. Unsere Spieler sind in jedem Fall in der Lage dazu.


Die Spiele der Deutschen in der Übersicht (Angaben in deutscher Zeit): 

Herren-Einzel

1. Runde (128er)
Dang Qiu - Yukiye Uda JPN, Dienstag 18.40 Uhr, Tisch 2
Benedikt Duda - Harmeet Desai IND, Dienstag 19.20 Uhr Tisch 7
Patrick Franziska - Lubomir Pistej SVK, Mittwoch 1.40 Uhr, Tisch 6
Ruwen Filus - Hunor Szöcs ROU, Mittwoch 2.20 Uhr, Tisch 7

2. Runde
Timo Boll - Zhou Qihao CHN // Niagol Stoyanov ITA

Damen-Einzel

1. Runde (128er)
Nina Mittelham - Amy Wang USA, Dienstag 18.40 Uhr, Tisch 1
Shan Xiaona - Olga Vorobeva RUS, Dienstag 20 Uhr, Tisch 3 
Petrissa Solja - Izabela Lupulescu SRB, Dienstag 20.40 Uhr, Tisch 2
Sabine Winter - Charlotte Carey WAL, Mittwoch 2.20 Uhr, Tisch 8
Han Ying - Rachel Moret SUI, Mittwoch 2.20 Uhr, Tisch 10

Herren-Doppel

1. Runde (64er)
Timo Boll/Patrick Franziska - Aleksandr Karakasevic SRB/Lubomir Pistej SVK

2. Runde 
Benedikt Duda/Dang Qiu - Ng Pak Nam/Lam Siu Hang HKG // Niagol Stoyanov/Mihai Bobocica ITA 

Damen-Doppel

2. Runde
Nina Mittelham/Sabine Winter - Madhurika Patkar/Sutirtha Mukherjee IND // Goi Rui Xuan/Wong SIN
Shan Xiaona/Petrissa Solja - Deobra Vivarelli/Giorgia Piccolin ITA

Mixed-Doppel

1. Runde
Dang Qiu/Nina Mittelham – Tomas Polansky/Hana Matalova CZE, Dienstag 22.20 Uhr, Tisch 3

2. Runde
Patrick Franziska/Petrissa Solja/Shan Xiaona – Olajide Omotayo/Cecilia Apkan NIG // Juan Lamadrid/Pauline Vega CHI

Zu allen Auslosungen auf der WTT-Website!

XYZsports.tv überträgt in Deutschland, Österreich und Schweiz kostenpflichtig die Tische 1 und 2. Alle weiteren Tische werden auf dem WTT-YouTube-Kanal gestreamt. Erstmals werden alle Spiele der WM zu sehen sein.

ARD, ZDF und die Dritten
Die öffentlich-rechtlichen Sender entscheiden tagesaktuell und anhand der Erfolge der deutschen WM-Starter über die Aufnahme ins Programm in ihren Nachrichten- und den Regelsportsendungen wie ARD-Sportschau und ZDF-SportReportage bzw. im Rahmen der Wintersportsendungen. Eine Live-Übertragung ist nicht geplant. Auf Eurosport wird die WM nicht gezeigt.


(DK/DTTB)

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