International

Franziska und Mittelham erstmals Europe-Top-16-Sieger!

Nina Mittelham feierte ihren ersten kontinentalen Titel (©ETTU)

19.09.2021 - Auf beeindruckende Art und Weise haben sich Patrick Franziska und Nina Mittelham beim mit insgesamt 100.000 Euro dotierten Europe-Top-16-Turnier in Thessaloniki die Titel bei den Herren und Damen gesichert und sich damit zu den Nachfolgern von Timo Boll und Petrissa Solja aufgeschwungen. Der an Position drei gesetzte Franziska bezwang im Finale den Portugiesen Marcos Freitas, die an Position fünf gesetzte Mittelham dessen Landsfrau Fu Yu.

Der Jubel war groß und zuerst wurden die beiden Trainer umarmt: Als Nina Mittelham und Patrick Franziska – zeitversetzt – im griechischen Thessaloniki den Finalsieg errangen, galt der Dank ihren Unterstützern an der Box, im Fall von Mittelham Tamara Boros, in Franziskas Fall Lars Hielscher. In souveräner Manier entschieden Mittelham und Franziska die beiden Endspiele am Sonntagnachmittag für sich und heimsten damit jeweils 10.000 Euro Siegprämie ein. Franziska hatte am Vormittag im Halbfinale den topgesetzten Schweden Mattias Falck nach sechs Sätzen bezwungen und brauchte gegen Freitas im Endspiel sogar 'nur' fünf Sätze. Zu dominant trat der Deutsche auf und zwang sein Spiel auch dem Portugiesen auf. Schon im vierten Durchgang hatte der 29-jährige Saarbrücker die Gelgenheit, alles klar zu machen. Einen Matchball in diesem Durchgang ließ er aber ungenutzt. Das tat seinem Spiel keinen Abbruch, Durchgang fünf sicherte sich Franziska mit 11:5 und durfte bei seiner ersten Europe-Top-16-Teilnahme auch gleich den Titel bejubeln, nachdem er gestern im Achtelfinale Daniel Habesohn (4:3) und im deutsch-deutschen Viertelfinale Ruwen Filus aus dem Turnier geworfen hatte (4:1).

"Ich habe im Finale mein bestes Spiel bei diesem Turnier gemacht. Viel besser geht es überhaupt nicht. Es hat mich auch nicht aus dem Rhythmus gebracht, dass ich den vierten Satz verloren habe, denn ich war total fokussiert und überhaupt nicht nervös", erläuterte Franziska hinterher. Was ihm der bislang größte Erfolg als Einzelspieler bedeutet, verbarg der 29-Jährige nicht. Nach dem Finalsieg verdrückte sich der Weltranglisten-18. ein paar Tränen und gestand: "Hätte man mich nicht direkt an der Box abgeholt, um zum Fernsehinterview in die Mixedzone zu gehen, wären es wohl ein paar mehr geworden. Ich bin einfach überglücklich und stolz und möchte mich auch bei allen bedanken, die mich immer die ganze Zeit unterstützt haben." Der gebürtige Hesse hob die Bedeutung des Turniers für ihn persönlich hervor. "Ich war damals 2004 in Frankfurt als jugendlicher Zuschauer dabei, jetzt habe ich dieses Prestigeturnier selbst gewonnen, das ist unglaublich. Ich bin total happy." Gefeiert wird allerdings nur heute Abend, morgen bereits geht es weiter in Richtung Doha. Dort startet der Europe-Top-16-Sieger ab Mittwoch im Hauptfeld des WTT Star Contender in Katar. Das Turnier beginnt am morgigen Montag mit der zweitägigen Qualifikation.

Mittelham triumphiert bei zweiter Turnierteilnahme
Auch Nina Mittelham, die im Halbfinale Hana Matalova mit 4:0 weggefegt hatte, entschied das Finale nach fünf Sätzen für sich. Ihr stand die 42-jährige Portugiesin Fu Yu, Siegerin der European Games 2019, gegenüber. Insbesondere durch Angriffe mit der Rückhand in Fus Rückhand kam Mittelham in dieser Partie zu Punktgewinnen und man hatte nie den Eindruck, dass das Spiel ernsthaft kippen könnte. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass die 24-jährige Berlinerin im fünften Durchgang zunächst vier Satzbälle abwehren musste, ehe sie mit ihrem ersten Matchball den Sieg perfekt machte.

Vor zwei Jahren noch war Nina Mittelham bei ihrem Europe-Top-16-Debüt im Viertelfinale an Sofia Polcanova gescheitert. In der Neuauflage dieses Spiels hatte die dreifache deutsche Einzel-Meisterin die topgesetzte Österreicherin gestern in der Runde der letzten Acht mit 4:1 bezwungen, nachdem sie im Achtelfinale einen Siebensatz-Krimi gegen Barbora Balazova hatte überstehen müssen. Nach dem Finalsieg heute erklärte Mittelham im Interview dem DTTB: "Ich bin unglaublich stolz, endlich meinen ersten großen europäischen Titel gewonnen zu haben. Das gibt natürlich noch einmal einen Schub Selbstvertrauen. Auch deshalb, weil ich hier hintereinander sehr viele gute Spielerinnen geschlagen habe. Und wenn man dann noch bedenkt, dass ich wegen der Teilnahmebeschränkungen zunächst eigentlich hätte gar nicht spielen können... – ich bin einfach nur glücklich!"

Absage von DTTB-Stars ermöglicht die deutschen Erfolge
Der Vorstoß von Nina Mittelham und Patrick Franziska in das kontinentale Rampenlicht ist hochverdient. Dennoch wären die beiden deutschen Stars aufgrund der Teinahme-Beschränkung auf maximal zwei Spieler pro Nation beinahe nicht einmal nach Griechenland gereist. Zustande kam ihr Start erst durch die Absage ihrer in der Weltrangliste noch besser eingestuften Nationalmannschaftskollegen. Rekord-Europameister Timo Boll, der Olympiadritte Dimitrij Ovtcharov, Europameisterin Petrissa Solja und Han Ying waren ursprünglich für Thessaloniki qualifiziert, hatten aber nach den Olympischen Spielen aufgrund anderweitiger Planungen bzw. leichter Verletzung (Ovtcharov) auf ihren Start verzichtet. Boll führt übrigens die Bestenliste mit sieben Europe-Top-16-Erfolgen zusammen mit Schwedens Legende Jan-Ove Waldner an, Ovtcharov sicherte sich bereits fünfmal den Turniersieg. Solja erspielte sich zweimal in Folge, 2019 und 2020, den prestigeträchtigen Titel.

Die Spiele am Finaltag in der Übersicht:

Herren

Halbfinale
Patrick Franziska - Mattias Falck SWE 4:2 (8,8,11,-6,-9,8)
Marcos Freitas - Emmanuel Lebesson FRA 4:0 (6,10,11,6)

Finale
Patrick Franziska - Marcos Freitas POR 4:1 (10,8,6,-11,5)

Damen

Halbfinale
Nina Mittelham - Hana Matelova CZE 4:0 (2,4,8,8)
Fu Yu POR - Bernadette Szöcs ROU 4:3 (-8,9,-6,-7,10,8,8)

Finale
Nina Mittelham - Fu Yu POR 4:1 (8,-8,6,3,12)

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(DK/DTTB)

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