EM 2021

EM-Starter nominiert: Wer fährt nach Warschau?

Titelverteidiger Timo Boll und Bronze-Gewinner Patrick Franziska sind auch dieses Jahr am Start (©Gohlke)

03.06.2021 - Der DTTB hat sein Aufgebot für die EM in Warschau (22. bis 27. Juni) benannt. Bei den Herren wurden hinter Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll vier weitere Spieler nominiert. Bei den Damen treten neben dem Spitzenduo Petrissa Solja und Han Ying drei Athletinnen die Reise nach Polen an, der fünfte und letzte Name wird allerdings erst in einem Qualifikationsturnier am 10. Juni ermittelt. Bei den Titelkämpfen werden Medaillen im Einzel, Doppel und Mixed vergeben.

Bei der Nominierung nicht zur Diskussion standen bei den Herren die Tokio-Fahrer Dimitrij Ovtcharov (Orenburg, Russland), Timo Boll (Düsseldorf, WR: 11), Patrick Franziska (Saarbrücken, WR: 16) sowie Ergänzungsspieler Benedikt Duda (Bergneustadt, WR: 41). Für das Quartett ist die Teilnahme an der EM der einzig mögliche offizielle Wettkampftest vor den Sommerspielen und damit ein nicht fortzudenkendes Element der Vorbereitung auf das olympische Turnier.

Angesichts der Vielzahl an deutschen Weltklasseakteuren blieb Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf für die vakante fünfte Position die schwere Qual der Wahl. Mit einer Aufteilung der Wettbewerbe umschiffte der DTTB zwar die Festlegung auf nur eine Person und nominierte Ruwen Filus (Fulda-Maberzell, WR: 35) und Dang Qiu (Grünwettersbach, WR: 52), doch Härten waren auch mit dieser kreativen Zweier-Lösung unvermeidlich. Defensivkünstler Filus, nach seinem Finaleinzug beim WTT Star Contender in Doha auf Platz 35 der viertbeste Deutsche in der Weltrangliste, darf im Einzelturnier antreten. Penholderspieler Qiu, der nicht nur bei der EM auf einen Einzelplatz gehofft hatte, muss seine Ambitionen jedoch zurücknehmen und sich auf die Medaillenjagd im Herren-Doppel und im Mixed beschränken. Keine Berücksichtigung für das Aufgebot fand diesmal der siebte Deutsche unter den Top 100, der nationale Meister Ricardo Walther (Düsseldorf, WR: 90), der 2018 in Alicante Bronze im Doppel (mit Filus) geholt hatte.

Jörg Roßkopf: „EM gibt eine wichtige Rückmeldung für Tokio“

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf erwartet die Titelkämpfe in Polen mit Spannung: „Europas wichtigste Titel stehen zur Vergabe an, entsprechend motiviert sind alle Teilnehmer. Gleichzeitig ist die EM unser einziger offizieller Wettkampftest in zeitlicher Nähe zum olympischen Turnier. Warschau wird somit zu einer enorm wichtigen Zwischenstation auf dem Weg nach Japan. Einen Monat vor den Sommerspielen erhalten wir eine letzte wichtige Rückmeldung, um bis zur Abreise nach Tokio gezielt am Feinschliff zu arbeiten.“ 

Als Vorbereitung für Tokio ist das Olympia-Quartett für das Einzel gesetzt, Ruwen Filus erspielte sich seine Nominierung mit einer überragenden Leistung im März in Doha und seiner hohen Weltranglisteneinstufung. Dang Qiu, Gewinner der Portugal Open 2020, muss deshalb in den sauren Apfel beißen und sich mit der Teilnahme an zwei Doppel-Wettbewerben begnügen. Jörg Roßkopf hebt hervor: „Wir sind froh, so eine reiche Auswahl an guten Spielern zu haben. Dass Dang aber nicht im Einzel spielen kann, ist angesichts seiner Leistungen, seiner professionellen Einstellung im Training und der stetigen Fortschritte ein wirklicher Härtefall. Dang, der auch für Tokio zum allerengsten Kreis unserer Kandidaten zählte, hat auf einen Einsatz im Einzel gebrannt und ist entsprechend enttäuscht. Er wird sich aber nun mit vollem Einsatz auf die beiden Doppelwettbewerbe konzentrieren, in denen er mit guten Chancen an den Start geht.“

DTTB-Damen: Die fünfte Position wird am 10. Juni ausgespielt

Wie bei den Herren so ist auch bei den Damen Deutschlands Quartett für die Olympischen Spiele mit Petrissa Solja (Langstadt, WR: 20), Han Ying (Tarnobrzeg, Polen / WR: 22), Shan Xiaona (Berlin, WR: 41) und Ergänzungsspielerin Nina Mittelham (Berlin, WR: 39) vollständig beim prestigeträchtigen Wettkampftest in Warschau vertreten. Welche Spielerin das EM-Aufgebot komplettieren wird, entscheidet sich am 10. Juni. Die fünfte Position wird diesmal bei einem internen Qualifikationsturnier im Deutschen Tischtennis-Zentrum vergeben. Die Kandidatinnen, die um das EM-Ticket kämpfen, sind Sabine Winter (Schwabhausen, WR: 126), Yuan Wan (Kolbermoor, WR: 163) und Chantal Mantz (Bingen, WR: 197). Beim einzigen internationalen Vergleichswettkampf 2021, dem WTT Middle East Hub in Katar im März mit je einem Contender- und Star-Contender-Turnier, hatte das Trio annähernd gleiche Ergebnisse erzielt.

Jie Schöpp: „Qualifikationsturnier bietet faire Chance“

„Unsere vier Tokio-Teilnehmerinnen waren ohne jede Diskussion für die EM gesetzt. Mangels internationaler Vergleichsmöglichkeiten durch die Pandemie haben wir uns in diesem Jahr dafür entschieden, den fünften Platz im Aufgebot in einem internen Turnier zu vergeben. Denn die Spielerinnen liegen von ihrer Leistungsstärke sehr nah beieinander und der einzige Turnierstart in Doha in diesem Jahr brachte uns keine wirklichen Aufschlüsse hinsichtlich der Nominierung. Bei einem Turnier haben nun alle drei die gleiche faire Chance, sich den freien EM-Platz zu erkämpfen“, erläutert Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp die gewählte Option. Wer das Ticket ergattert, wird in Warschau mindestens im Einzelwettbewerb an den Start gehen. Über die Besetzung des Damen-Duos, das neben der Kombination Petrissa Solja/Shan Xiaona das zweite deutsche EM-Doppel bildet, wird erst nach Ausspielung der Qualifikation entschieden.

Für Schöpp ist die EM sportlicher Höhepunkt und wichtige Olympia-Vorbereitung zugleich: „Für eine gezielte Vorbereitung ist es zwar schade, dass die EM mit ihrem hohen Stellenwert so nahe vor den Olympischen Spielen liegt, aber angesichts eines fast komplett abgesagten Turnierkalenders können wir somit noch einmal vor Japan unsere Form überprüfen. Anschließend wissen wir umso besser, woran wir in den Trainingswochen bis zur Abreise noch zu arbeiten haben.“

Sportdirektor Prause: „Bei den Siegerehrungen wieder vertreten sein“

DTTB-Sportdirektor Richard Prause betont die Bedeutung der Europameisterschaften im Olympiajahr: „Natürlich ist es bedauerlich, dass die beiden Turniere nah aneinander liegen. Aber muss man klar feststellen, dass dadurch der Wert eines Europameistertitels um keinen Deut gemindert wird. Wir nehmen die Situation, wie sie ist, und sind froh, einen Monat vor Tokio durch einen derart bedeutenden Vorwettkampf die Gelegenheit zu einer hochkarätigen Standortbestimmung zu bekommen.“

Der ehemalige Nationalspieler hofft wie in den vergangenen Jahren auf ein gutes Abschneiden Deutschlands, sieht allerdings bei den ersten kontinentalen Titelkämpfen seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 auch Unwägbarkeiten. „Nach einer solch langen Zeit praktisch ohne Turniere wird es sicherlich die eine oder andere Überraschung geben. Aber jede Nation tritt mit den gleichen Voraussetzungen an. Ich hoffe, dass wir in Warschau sowohl bei den Herren als auch bei den Damen auch diesmal wieder bei den Siegerehrungen vertreten sein werden.“

Gute Medaillenchancen in allen Konkurrenzen

Die Chancen dafür stehen mehr als gut. Im Einzel kämpft der Weltranglistenneunte Dimitrij Ovtcharov um seinen dritten Einzeltitel nach 2013 und 2015, Titelverteidiger Timo Boll könnte seinen Europarekord auf acht Siege seit dem ersten Triumph im Jahr 2000 hochschrauben, dem letztmaligen Bronzegewinner Patrick Franziska ist durchaus eine höhere Stufe auf dem Siegerpodest zuzutrauen. Petrissa Solja liebäugelt nach zwei Siegen beim Ranglistenturnier Europe Top 16 auch bei der EM mit dem Treppchen, auf das Shan Xiaona (Silber) und Han Ying (Bronze) bereits vor acht Jahren in Schwechat klettern durften. Darüber hinaus besitzen auch Ruwen Filus, Benedikt Duda und Nina Mittelham das Potential, bei der Medaillenvergabe ein Wort mitzureden. Im Doppel gelten deutsche Kombinationen ausnahmslos als heiße Anwärter auf Edelmetall: Bei den Herren die China-Open-Gewinner Boll/Franziska und die Weltranglisten-Sechsten Duda/Qiu, bei den Damen die EM-Zweiten von 2016, Solja/Shan, sowie im Mixed die European-Games-Sieger und WM-Dritten Franziska/Solja und das nicht zu unterschätzende Duo Qiu/Mittelham. Die Europameister von 2018, die Abwehrasse Filus und Han, gehen nicht zur Titelverteidigung im Mixed an den Start.

Bei den letzten Titelkämpfen 2018 in Alicante hatte Deutschland ein überragendes Ergebnis erzielt und insgesamt sieben Mal auf dem Siegerpodest gestanden. Die DTTB-Athleten und Athletinnen gewannen dreimal Gold (Herren-Einzel: Timo Boll, Damen-Doppel: Nina Mittelham/Kristin Lang, Mixed: Ruwen Filus/Han Ying) und viermal Bronze (Herren-Einzel: Patrick Franziska, Herren-Doppel: Ruwen Filus/Ricardo Walther, Patrick Franziska/Jonathan Groth DEN, Mixed: Patrick Franziska/Petrissa Solja).
 

Das EM-Aufgebot des DTTB

Herren-Einzel: Ovtcharov, Boll, Franziska, Filus, Duda
Damen-Einzel: Solja, Han, Mittelham, Shan, N.N.
Herren-Doppel: Boll/Franziska, Duda/Qiu
Damen-Doppel: Solja/Shan, N.N./N.N.
Mixed: Franziska/Solja, Qiu/Mittelham

(DTTB)

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