WM 2018

DTTB-Team im Halbfinale! Aus für Japan! Schweden im Rausch

Ruwen Filus erfüllte die Rolle des Anführers mit Bravour (©Thomas)

04.05.2018 - Das Viertelfinale der Herren hatte es in sich. Deutschland überraschte gegen Brasilien mit seiner Aufstellung, da Patrick Franziska und Timo Boll verletzungsbedingt geschont wurden. Nichtsdestotrotz spielte sich das DTTB-Team angeführt von einem bärenstarken Ruwen Filus in die Vorschlussrunde und feierte die sichere Medaille unter erschwerten Bedingungen. Während auch Schweden jubelte, schied Japan überraschend gegen Südkorea aus.

Dass man eventuell auf Patrick Franziska würde verzichten müssen, hatte man bereits nach dem Hongkongspiel geahnt, in dem sich der Weltranglisten-24. eine Oberschenkelzerrung zuzog. Auch Dimitrij Ovtcharov hatte schon nach dem Spiel gegen Slowenien vorgestern angedeutet, dass er nicht wisse, ob er das Turnier wegen seiner Hüftverletzung fortführen könne. Als dann heute auch noch Timo Bolls Ischias „explodierte“, wie er es ausdrückte, waren die Kapazitäten der deutschen Krankenstation jedoch langsam ausgeschöpft. Mit ihrer Aufstellung Ruwen Filus, Bastian Steger und Dimitrij Ovtcharov überraschten sie auch die Brasilianer, die ihren zweitbesten Mann Gustavo Tsuboi nur an Position drei aufgestellt hatten. 

„Mit Abstand die unberechenbarste Mannschaft“

Steger brauchte den ersten Satz, um sich auf Brasiliens Spitzenspieler Hugo Calderano einzustellen. Danach kam er besser zurecht, holte den Ausgleich, kam aber darüber nicht hinaus. Mit 3:1 ging der erste Punkt erwartungsgemäß an den Ochsenhausener TTBL-Spieler aus Südamerika. An Position zwei hatte Brasilien Eric Jouti aufgestellt, der in den vergangenen Tagen schon Tiago Apolonia hatte schlagen können. An Filus’ defensives Spielsystem musste er sich erst gewöhnen, doch auch in den späteren Sätzen wurde er dem Deutschen nicht ernstlich gefährlich. Filus holte seiner Mannschaft mit einem glatten 3:0-Sieg den Ausgleich. Dimitrij Ovtcharov hatte nach dem Slowenienspiel nicht so zuversichtlich gewirkt, dass seine Hüfte weitere Belastungen aushalten würde. Nun musste er trotzdem ran - und hielt sich gut! Gustavo Tsuboi übte zwar vor allem am Anfang viel Druck aus und gewann auch den zweiten Satz. Zum Ende hin konnte er dann aber nicht mehr mithalten. 

Somit stieg Ruwen Filus gegen die Nummer zwölf der Welt in die Box, hinkte von Anfang an etwas hinterher, aber ließ sich nicht abhängen. So rettete er sich in den fünften Satz, wo er sich schnell einen 6:1-Vorsprung erarbeitete. Doch Calderano kam näher und holte ihn bei 9:9 tatsächlich noch ein. Mit stahlharten Nerven sicherte sich Filus den ersten Matchball und bescherte Deutschland den Einzug ins Halbfinale, der unter diesen Umständen alles andere als selbstverständlich war. „Gegen Calderano habe ich schon in der TTBL gewonnen, von daher bin ich ganz zuversichtlich ins Spiel gegangen“, erklärte Filus nach dem Spiel. „Ich habe mich auch nicht aus dem Konzept bringen lassen, als ich eine 8:3-Führung im dritten Satz noch verspielt habe. Für mich ist dieser Sieg ein Meilenstein, der mich sehr froh macht und mir zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ „Wir haben hier noch kein Spiel verloren und sind verdient im Halbfinale“, fand auch Ovtcharov. „Wir sind auf jeden Fall die mit Abstand unberechenbarste Mannschaft hier, bei der man nie weiß, wer wo spielt.“ So auch morgen, wenn es - in welcher Aufstellung auch immer - gegen Südkorea geht.

Schweden erfüllt sich Medaillentraum

Nebenan sorgte zeitgleich Gastgeber Schweden für eine weitere europäische Medaille - es ist die erste für die Skandinavier seit 2001. Gegen die Engländer, die ungeschlagen durch die Gruppenphase marschiert waren und unter anderem Japan geschlagen hatten, spielten sie sich mit dem Publikum im Rücken souverän aufs Treppchen. Kristian Karlsson machte den Anfang mit einem 3:0-Sieg gegen Paul Drinkhall, Mattias Karlsson kam nach 1:2-Rückstand gegen Liam Pitchford noch einmal zurück und Jon Persson machte den Medaillengewinn perfekt. Die Mannschaft und das Publikum feierten diesen Erfolg wie einen Weltmeistertitel, für Persson war es „the best feeling ever“.

Zuvor hatte es Japan überraschend im Spiel gegen Südkorea erwischt. Das an Position drei gesetzte Team hatte schon in der Vorrunde gegen England gestrauchelt, sich dann aber wieder gefangen. Als Gruppenzweiter trafen die Japaner jedoch bereits in der Runde der besten Acht auf die starken Südkoreaner, die ihre Chance gegen das favorisierte Team witterten. Überragender Mann des Abends war Jeoung Youngsik, der mit seinem 3:2-Sieg gegen Tomokazu Harimoto nicht nur den Grundstein zum Sieg legte, sondern in drei ungefährdeten Sätzen gegen Jun Mizutani auch den Schlussstrich darunter zog. Für den dritten Punkt sorgte Jang Woojin gegen Kenta Matsudaira, nachdem auch Lee Sangsu nur knapp im fünften Satz Mizutani unterlegen war. Auch im Viertelfinale China gegen Österreich wäre es fast zu einer Überraschung gekommen. Allerdings riss Ma Long das Ruder im fünften Satz gegen Robert Gardos gerade rechtzeitig noch einmal herum und brachte China die Führung. Xu Xin und Fan Zhendong gaben nach ihm dann keinen Satz mehr ab. Morgen wartet nun Gastgeber Schweden.
 

Das Viertelfinale der Herren im Überblick:

Viertelfinale

Deutschland - Brasilien 3:1
Bastian Steger - Hugo Calderano 1:3 (-4,6,-8,-6)
Ruwen Filus - Eric Jouti 3:0 (6,8,8)
Dimitrij Ovtcharov - Gustavo Tsuboi 3:1 (9,-9,7,3)
Ruwen Filus - Hugo Calderano 3:2 (-7,5,-8,9,9)

Südkorea - Japan 3:1
Jeoung Youngsik - Tomokazu Harimoto 3:2 (15,-6,-9,3,9)
Lee Sangsu - Jun Mizutani 2:3 (-9,11,-3,12,-7)
Jang Woojin - Kenta Matsudaira 3:1 (9,-9,9,7)
Jeoung Youngsik - Jun Mizutani 3:0 (5,8,7)

England - Schweden 0:3
Kristian Karlsson - Paul Drinkhall 3:0 (9,8,8)
Mattias Karlsson - Liam Pitchford 3:2 (-12,6,-5,7,9)
Jon Persson - Samuel Walker 3:0 (8,3,12)

China - Österreich 3:0
Ma Long - Robert Gardos 3:2 (-11,5,-9,7,3)
Xu Xin - Stefan Fegerl 3:0 (6,5,4)
Fan Zhendong - Daniel Habesohn 3:0 (9,8,4)


Halbfinale

Deutschland - Südkorea, Samstag 18 Uhr
China - Schweden, Samstag 11 Uhr

(JS)

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