World Cup

Ovtcharov nach Erfolg über Boll erstmals World Cup-Sieger!

Dimitrij Ovtcharov hat den World Cup 2017 in Lüttich gewonnen (©ITTF)

22.10.2017 - Dimitrij Ovtcharov hat zum ersten Mal in seiner Karriere den World Cup gewonnen. Im ersten rein deutschen Finale in der Geschichte des seit 1980 ausgetragenen Turniers schlug der Orenburger in Lüttich seinen Nationalmannschaftskollegen Timo Boll mit 4:2. Bronze beim mit insgesamt 150.000 Dollar dotierten Event sicherte sich Weltmeister und Olympiasieger Ma Long nach einem Erfolg über den französischen Vize-Europameister Simon Gauzy.

Dimitrij Ovtcharov hat es gleich bei seiner ersten Finalteilnahme geschafft: Nach Bronze 2013 und 2015 hat der 29-Jährige zum ersten Mal den Titel beim World Cup gewonnen, dem drittwichtigsten Tischtennis-Turnier nach den Olympischen Spielen und den Weltmeisterschaften, und darf sich über 45.000 Dollar Preisgeld freuen. Im deutsch-deutschen Finale ging es am Sonntagnachmittag gegen Timo Boll. Dieser legte gegen seinen sieben Jahre jüngeren Kontrahenten gut los, gewann den ersten Satz und führte auch im zweiten mit 7:4. Doch Ovtcharov kam zurück ins Spiel, glich aus und ging selbst mit 2:1 nach Sätzen in Führung. Darauf folgte der Ausgleich von Boll, ehe Ovtcharov einen Gang zulegte und hochkonzentriert die letzten beiden Durchgänge dominierte. In seinem selbst ernannten 'Wohnzimmer' musste Timo Boll – in Lüttich hatte er 2005 Gold und 2008 Silber gewonnen – dem Orenburger schließlich zum Sieg gratulieren. Nach dem 36-Jährigen (neben 2005 auch 2002 Goldmedaillengewinner) und Jörg Roßkopf (1998) ist Dimitrij Ovtcharov der dritte World Cup-Sieger unter deutscher Flagge. 

"Timo hätte den Sieg sicherlich genauso verdient gehabt wie ich"
Der frischgebackene Champion sagte nach dem Finalerfolg: „Es fühlt sich unwirklich an. Das hatte ich mir nicht erträumt. Es ist Wahnsinn, dass mein Name auf dem Pokal zwischen all diesen Legenden auftauchen wird. Timo hat im Turnierverlauf Lin Gaoyuan und Ma Long geschlagen, er hätte den Sieg heute sicherlich genauso verdient gehabt wie ich. Er war durch diese Spiele vielleicht ein bisschen müde. Ich wiederum hatte bei der Auslosung etwas mehr Glück.“ Der World Cup-Sieg sei ein wichtiger Triumph für ihn, "aber einordnen lässt sich das schwer, auch wenn es so ein bedeutendes Turnier ist. Olympiabronze, Europameister und der World Cup, das sind alles herausragende Erfolge."

Boll, zum dritten nach 2008 und 2012 Zweiter beim World Cup, sagte dem DTTB: "Es ist schon ein wenig bitter, wenn man zwei Chinesen schlägt und dann den Titel am Ende doch nicht holt. Im Finale wäre es wichtig gewesen, mit 2:0 in Führung zu gehen, was ja durchaus möglich war. Ich denke, dann kommt Dima nicht zurück ins Spiel. Am Ende des Matches wurde es dann immer schwerer." Hinsichtlich seiner spielerischen Leistung war der Rekordeuropameister mit dem Turnier sehr zufrieden: "Seit der WM und dem Spiel gegen Ma Long weiß ich erstmals so richtig seit meiner damaligen Knieverletzung, dass ich wieder auf einem sehr hohen Niveau angelangt bin und gegen jeden mithalten kann." 

Jörg Roßkopf, der das Finale seiner Schützlinge in aller Ruhe zusammen mit Physiotherapeut Peter Heckert vom Spielfeldrand aus verfolgte, sagte: "Ich möchte Timo und Dima für ihre herausragenden Leistungen bei diesem Turnier gratulieren. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Sie haben beide ein fantastisches Turnier gezeigt." Roßkopf war auch die Einordnung des historischen Erfolgs wichtig: "Der World Cup hat ein ganz hohes Prestige bei den Spielern und ist nach Olympia und WM das bedeutendste Turnier im Tischtennis. Dima und Timo haben mit ihrem Erfolg von Lüttich ihre Ausnahmeposition in der Weltrangliste hinter den Topchinesen noch einmal unterstrichen. Dass sie sich nun wie bei den China Open zum zweiten Mal binnen weniger Monate in einem Endspiel gegenüberstanden, zeigt ihre Qualität." (Die Höhepunkte des Spiels im Video finden Sie unterhalb der Ergebnisse.)

Boll feiert im Halbfinale Sensationserfolg gegen Ma Long 
Zuvor hatten Boll und Ovtcharov knappe 4:3-Halbfinalerfolge feiern können. Boll gelang das Kunststück, sich nach einem 1:3-Satzrückstand gegen den Weltmeister und Olympiasieger Ma Long zurück ins Spiel zu kämpfen und den Chinesen mit 12:10 im Entscheidungssatz zu schlagen. Schon gestern hatte Boll gegen Ma Longs Landsmann Lin Gaoyuan einen 1:3-Rückstand drehen können, zusätzlich im Entscheidungssatz insgesamt sieben Matchbälle abwehren können. Dimitrij Ovtcharov wiederum fand im Halbfinale heute nach 0:1 und 2:3 nach Sätzen gegen den französischen Vize-Europameister Simon Gauzy zurück ins Spiel und siegte ebenfalls mit 4:3. 

Das Spiel um Platz drei in Lüttich sollte Ma Long, der in Lüttich im Übrigen sein Comeback auf internationaler Bühne nach dem Boykott bei den China Open im Juni feierte, für sich entscheiden können. Hier war es diesmal der Chinese, der mit 1:2 nach Sätzen in Rückstand geriet, sich aber noch einmal fangen konnte. Ein 11:9-Erfolg im sechsten Satz bedeutete schließlich die dritte World Cup-Bronzemedaille für Ma Long nach 2008 und 2009. In den Jahren 2015 und 2012 hatte er sich Gold gesichert, 2014 in Düsseldorf nach einer Finalniederlage gegen Zhang Jike Silber. Zu seinem Abschneiden in Lüttich sagte er: "Ich war sehr enttäuscht von meiner Leistung heute Morgen. Jetzt wollte ich natürlich noch das Beste herausholen, auch wenn mir das Halbfinale Kraft geraubt hatte. Ich musste zu 100 Prozent konzentriert sein, um hier zu gewinnen."
 

Die Ergebnisse am Sonntag in der Übersicht:

Halbfinale
Ma Long CHN - Timo Boll 3:4 (6,9,-9,9,-7,-5,-10)
Simon Gauzy FRA - Dimitrij Ovtcharov 3:4 (6,-2,-8,10,7,-4,-8)

Spiel um Platz drei
Ma Long CHN - Simon Gauzy FRA 4:2 (5,-11,-6,5,7,9)

Finale 
Timo Boll - Dimitrij Ovtchaorv 2:4 (10,-8,-7,9,-7,-2)

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Preisgeld
Gesamt: 150.000 US-Dollar
Gewinner: 45.000,00
2. Platz: 25.000,00
3. Platz: 15.000,00
4. Platz: 10.000,00
5.-8. Platz: 6.000,00
9.-16. Platz: 3.250,00
17.-20.: Platz: 1.250,00

Deutsche Medaillengewinner beim Men's World Cup vor dem Turnier:

Timo Boll
Gold (2002, 2005)
Silber (2008, 2012)
Bronze (2010, 2014) 

Jörg Roßkopf 
Gold (1998)
Silber (1995)
Bronze (2001)

Dimitrij Ovtcharov
Bronze (2013, 2015)

(DK/DTTB)

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