Buntes

Das Rekordkind: Mima Ito auf dem Weg zum Olympiasieg

So sieht ein 14-jähriges Mädchen aus, das gerade die German Open gewonnen hat (©ITTF)

25.03.2015 - Die meisten 14-Jährigen freuen sich, wenn sie in der großen Pause auf dem Schulhof beim Rundlauf gewinnen, dieses Mädchen hat bereits einen Doppel- und einen Einzeltitel bei der ITTF World Tour in der Tasche. Mima Ito ist ein Phänomen, das die Tischtenniswelt selten erlebt hat. Die Japanerin sammelt sowohl im Guinnessbuch als auch auf der internationalen Wettkampfbühne einen Rekord nach dem anderen und hat dabei nur eins im Sinn: die Olympischen Spiele 2020 in der Heimat.

Wir befinden uns im sechsten Satz des Damenendspiels der German Open 2015. Petrissa Solja hat das Doppel- und U21-Gold bereits in der Tasche und kann ihre großartige Leistung bei diesem Turnier nun noch mit dem Einzeltitel krönen. Nachdem sie bis zu dieser Partie von keiner Spielerin gebremst werden konnte, trennt sie nun nur noch eine andere Qualifikantin vom prestigeträchtigen und lukrativen Sahnehäubchen, die ähnlich wie Solja eine Favoritin nach der anderen ausschalten konnte: Mima Ito. In einem knappen fünften Satz hatte sich die erst 14 Jahre alte Japanerin den Vorteil erspielt, nun liegt sie mit 7:10 zurück und muss mit aller Wahrscheinlichkeit auf einen erfolgreichen siebten Satz hoffen. Doch das Mädchen ist nicht der Typ, einen Durchgang vor dem elften Punkt abzuhaken. Während Solja bei 8:10 die willkommene Handtuchpause nutzt, bleibt Ito am Tisch stehen - entschlossen, diesen Satz noch zu drehen. Mit einer Nervenstärke, von der sich so manche erfahrene Topathletin eine Scheibe abschneiden könnte, gleicht die Japanerin aus und zieht schließlich zum 12:10 davon. Soljas Traum ist damit geplatzt, Ito hat als jüngste Toursiegerin aller Zeiten Geschichte geschrieben.

Rekorde über Rekorde: Ito überbietet alle

Auch wenn sich die 14-Jährige damit endgültig das Interesse der Öffentlichkeit sicherte, konnte Ito auch vor diesem denkwürdigen Sonntag in Bremen bereits für Aufsehen sorgen. Ihren ersten internationalen Auftritt hatte sie 2010 als Neunjährige, für ein erstes Aufhorchen sorgte sie ein Jahr später, als sie sich bei den Taiwan Junior und Cadet Open zur jüngsten ITTF Junior Tour-Gewinnerin der Geschichte spielte. Dass dies kein Ausrutscher war, bewies sie ein Jahr später bei den Spanish Open, als sie mit der gestandenen Schwedin Matilda Ekholm die Weltranglisten-50. besiegte. Der Weltverband feierte die Japanerin schon damals und auch die internationale Presse stürzte sich auf die Geschichte. Noch ein Jahr später: Mima Ito und Miu Hirano brechen einen Rekord nach dem anderen, indem sie als zwölfjähriges Doppel den erfahrenen Duos das Fürchten lehren und bei den Qatar Open zu den jüngsten Spielerinnen gekrönt werden, die jemals in ein World Tour-Halbfinale eingezogen sind. Ganz nach oben aufs Treppchen dürfen die zwei dann schließlich 2014, als sie sich die German Open-Krone aufsetzen. Und nun hat Mima Ito mit 14 Jahren und 152 Tagen auch ihren ersten Einzeltitel und den nächsten Rekord in der Tasche.

Der Vergleich mit Ai Fukuhara ist naheliegend, war Nippons großer Tischtennis- und Medienstar doch schon im Alter von zehn Jahren Profi und ein Jahr später Nationalspielerin. Im Gegensatz zu Ito konnte die heute 26-Jährige ihren ersten Einzeltitel auf der World Tour allerdings erst 2009 holen. Haben wir es hier mit einem noch größeren Talent aus dem ‚Land der aufgehenden Sonne‘ zu tun? Im Guinnessbuch der Rekorde hat sie Fukuhara bereits überholt, indem sie deren Rekord, den Ball innerhalb einer Minute 175-mal hin und her zu spielen, um fünf Schläge verbesserte. Und beobachtet man die Professionalität, mit der sie allein in Bremen die Weltranglistenachte Han Ying nach einem 0:3-Rückstand noch bezwang, gegen Shan Xiaona, die Nummer 24 der Welt, ein 1:3 drehte, die Chinesin Che Xiaoxi ohne Satzverlust aus der Box fegte und schließlich mit einem 4:0-Sieg gegen die Weltranglistenvierte Feng Tianwei ihren größten Coup landete, drängt sich dieser Eindruck ebenfalls auf. „Ich bin so überrascht, dass ich gar nichts sagen kann“, sagte Ito, die mit drei Jahren zum ersten Mal Tischtennis spielte, nach ihrem Einzug ins Finale. „Ich bin mit dem Vorsatz ins Match gegangen, mein Spiel durchzuziehen. Ich habe nicht darüber nachgedacht, gegen wen ich gespielt habe.“

Das große Ziel: Doppeltes Olympiagold in Tokio

Im Finale stand sie mit Petrissa Solja zwar ‚nur‘ der Weltranglisten-45. gegenüber, diese ritt in Bremen allerdings ganz weit oben auf der Erfolgswelle und hatte zudem noch das Publikum im Rücken. „Die vielen Zuschauer, die Solja angefeuert haben, haben mich nicht beeinflusst“, erklärte die selbstbewusste Ito. „Ich bin da rausgegangen, habe mein Spiel gespielt und mich an meine Taktik gehalten. Es war sehr cool, vor all diesen Leuten zu spielen. Ich kann es kaum abwarten, es wieder zu tun.“ Die nächste Gelegenheit bietet sich für die Schülerin der Osaka Shoyo Junior High School bereits diese Woche bei den Spanish Open, wo sie als frischgebackene German Open-Siegerin zu den Spielerinnen gehören wird, die man auf der Liste haben muss. Schließlich will sich Ito jetzt langfristig für das japanische Trainerteam unentbehrlich machen, damit sie für die Olympischen Spiele 2016 in Rio nominiert wird. „Das würde mir die Erfahrung geben, die ich brauche, um meinen Traum zu verwirklichen, Gold im Einzel und Teamwettbewerb bei den Spielen in meiner Heimat, Tokio 2020, zu holen“, formuliert die Rekordhalterin ihre Zukunftspläne. Wenn sie mit diesem Tempo weitermacht, müssen sich auch die Chinesinnen warm anziehen.

(JS)

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