Buntes

Andrzej Grubba: Das Geheimnis seiner Beidhändigkeit

Im Juli 2005 verstorben: Andrzej Grubba (©privat)

19.01.2015 - Wie kaum ein anderer Spieler in der Geschichte des Tischtennis beherrschte er das Spiel mit beiden Händen: Andrzej Grubba. Im Jahr 2005 erlag der damals 47-Jährige einer Lungenkrebserkrankung. Für unsere Serie „Die Stars von gestern“ haben wir mit der Geschäftsführerin des TTC Zugbrücke Grenzau, Annette Jacobs, und Grubbas Sohn Tomek gesprochen, der u.a. das Geheimnis der Beidhändigkeit seines Vaters lüftet.

Sportlich war der 1958 geborene Andrzej Grubba schon immer gewesen. Leichtathletik und Handball hatte er gespielt. Tischtennis gesellte sich dadurch hinzu, dass seine Eltern Lehrer an einer Schule in der Nähe von Danzig waren, in deren Nähe die Familie auch wohnte. Sohn Tomek, selbst ehemaliger Tischtennis-Spieler, der es bis in die 2. Bundesliga schaffte, über die Hintergründe: "Sein Vater, mein Großvater, hatte, als ein örtlicher Handelsbetrieb zumachte, dort einen verlassenen Tischtennistisch entdeckt, für den es keine Verwendung mehr gab. Er fand, dass es zu schade sei, den Tisch noch weiter verkommen zu lassen und handelte mit dem Eigentümer den Deal aus, diesen gegen eine Flasche Wodka zu tauschen. Der willigte ein und der Tisch fand den Weg in die Schule, an der mein Großvater unterrichtete." 

So habe Andrzej Grubba als Junge, so oft er wollte, auf dem Schulgelände spielen können, was schnell Früchte tragen sollte: Mit 14 Jahren zog er des Tischtennissports wegen nach Danzig und wechselte an eine andere Schule. Dort nahm ihn die Mutter von Leszek Kucharski (u.a. Gegner von Roßkopf und Fetzner im Doppel-Finale 1989) unter ihre Fittiche und die Tischtennis-Karriere des Polen nahm seinen Lauf. Der klassische Allrounder mit sehr gutem passiven Spiel und guter Rückhand wurde u.a. insgesamt zwölfmal polnischer Meister und zweimal Vize-Europameister im Einzel (1984 und 1990), gewann 1985 das Europe Top 12-Turnier, und holte insgesamt drei Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften – darunter eine im Einzel 1989 in Dortmund.

Selbst mit links Verbandsliga-Niveau
Ein Markenzeichen von Andrzej Grubba war dabei stets, dass er Bälle nicht nur mit seiner rechten Schlaghand, sondern auch mit links spielen konnte. Warum er auch mit links so sicher war? Tomek Grubba klärt auf: „Mein Vater ist in einer Zeit aufgewachsen, in der das Dasein als Linkshänder noch verpönt war und Kinder umgeschult wurden auf rechts.“ So war es auch bei Andrzej Grubba, der das Tischtennisspielen mit links begann und es sich in späteren Jahren oft nicht nehmen ließ, gegen Ende eines Spiels schon einmal ‚die Linke’ auszupacken. „Mit links konnte er kraftvoller schlagen, wohingegen er mit rechts das bessere Spielgefühl besaß. Verbandsliga hätte er mit links spielen können“, glaubt Sohn Tomek. 

Trotz aller Medaillen, die Andrzej Grubba in seiner Karriere gewann, war der für ihn persönlich größte Erfolg die Wahl zu Polens Sportler des Jahres 1985. „Das hat ihm am meisten bedeutet“, erzählt Tomek Grubba. Nicht nur deshalb habe sein Vater in der Heimat großes Ansehen genossen: „Zu jener Zeit gab es im polnischen Fernsehen nur zwei Sender. Auf dem einen lief das Staatsfernsehen, auf dem anderen wurde u.a. Sport und dann oft Tischtennis gezeigt." Sein Vater habe sich gut artikulieren können und „nie groß rumposaunt“, auch das sei daheim gut angekommen. Ein weiterer Punkt: Grubba verzichtete im Vergleich zu manch anderem polnischen Sportler darauf, eine ausländische Staatsbürgerschaft anzunehmen, was ihm in der Heimat hoch angerechnet wurde. Es ist daher kein Wunder, dass des Gelegenheitsrauchers, der im Juli 2005 an einer Lungenkrebserkrankung starb, in Polen auch nach seinem Tod noch weiter gedacht wird – dadurch, dass insgesamt zwölf Orte, darunter das Trainingszentrum in Danzig, in dem Andrzej Grubba zuletzt arbeitete, seinen Namen tragen. Zudem gründete Tomek Grubba zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder im Jahr 2006 in Polen eine gemeinnützige Organisation unter seinem Namen, die jährlich Turniere für Grundschulkinder organisiert.

„Hat oft gezeigt, dass er ein Ausnahmespieler ist“
Denkt Tomek Grubba heute an seinen Vater zurück, so charakterisiert er ihn mit folgenden Eigenschaften: „Ungeduldig, extrem ehrgeizig, diszipliniert.“ Annette Jacobs, Geschäftsführerin des TTC Zugbrücke Grenzau, dem langjährigen Verein des Polen, ergänzt: „Er war sehr höflich, verständnisvoll und ehrlich, hatte eigentlich alle Eigenschaften, die man sich bei einem Menschen wünscht.“ Was seine spielerische Klasse angehe, sei Grubba in Grenzau, wo er nach seiner aktiven Karriere 1997 Trainer wurde, kaum ersetzbar gewesen: „Er hat oft gezeigt, dass er ein Ausnahmespieler ist.“ Grundsätzlich hätten die Vereinsverantwortlichen zu ihm – wie auch zu allen anderen Spielern – ein freundschaftliches Verhältnis gehabt. Vielleicht auch deshalb habe Grubba einen Großteil seiner Karriere bei den Westerwäldern verbracht. „Als wir dann von seinem Tod erfahren haben, war das eine mittlere Katastrophe für uns und unsere Fans. Das hat uns sehr überrascht, zumal seine Krankheit auch erst spät öffentlich wurde und er dann recht schnell verstarb“, erzählt Jacobs, die zum Abschluss des Gesprächs noch eine lustige Anekdote über den sonst eher ruhigen und zurückhaltenden Menschen aus ihrem Gedächtnis kramt: „Wir waren mal nach einem World Cup-Turnier in Macau in einer Karaoke-Bar, in der auch er zum Mikro gegriffen hat und mal aus sich herausgekommen ist. Das ist eine schöne Erinnerung.“

Hier lesen Sie das Eberhard Schöler-Porträt!

Die Highlights des EM-Finals 1984 zwischen Andrzej Grubba und Ulf Bengtsson: 


Ein Beispiel seiner Beidhändigkeit mit kurzem Kommentar gibt es hier zu sehen: 


(DK)

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