29.08.2025 - Sandra Paovics Geschichte ist unglaublich und inspirierend. Die Kroatin, die in den 2000ern eine der führenden Europäerinnen im Tischtennis war, erlitt im Januar 2009 einen folgenschweren Unfall, der sie fast das Leben kostete. Doch auch wenn die Ärzte die Hoffnung schon aufgegeben hatten, kämpfte sie sich zurück an den Tischtennistisch - und gewann Titel um Titel im Para-Sport. Paovics Buch „I love life“ ist nun auf Englisch erschienen. Wir verlosen drei Exemplare.
„Volim život“ oder „Ich liebe das Leben“ heißt Sandra Paovics zweites Buch - und dieses Motto glaubt man der sympathischen Kroatin sofort, wenn man mit ihr spricht. Die 42-Jährige hat eine unglaubliche Geschichte hinter sich, die ihr alles abverlangte, aber zu dem Menschen formte, der sie nun ist. Inzwischen arbeitet sie unter anderem als Motivationsrednerin an Schulen und Unternehmen und hat bereits zwei Bücher geschrieben, um anderen Menschen etwas von ihren Erkenntnissen auf dem langen Weg zurück ins Leben mitzugeben. Das Buch „I love life“, das sie gemeinsam mit Željko Žutelija geschrieben hat, ist nun auf Englisch erschienen - und myTischtennis.de verlost drei Exemplare.
Folgenschwerer Unfall vor ETTU-Cup-Halbfinale
Eines steht dabei fest: Sandra Paovic hat eine Menge zu erzählen und sie weiß, wovon sie spricht. Davon zeugt der Weg, den sie bis hierher gegangen ist. Im Jahr 2008 fühlte sich die ehemalige Nationalspielerin am Ziel ihrer Träume angekommen. Sie nahm an den Olympischen Spielen in Peking teil und spielte in der 1. Damen-Bundesliga in Deutschland. Sie entschied sich, etwas zu verändern, nach den vielen Jahren im Ausland und der stressigen Olympiavorbereitung für ein, zwei Jahre wieder nach Kroatien zu gehen und in Zagreb zu trainieren, wo der Nationaltrainer und die damals beste europäische Spielerin Tamara Boros weilten. Gleichzeitig wollte sie in einer Mannschaft in Frankreich spielen. „Es sah eigentlich alles gut aus“, erinnert sich Paovic. „Wir qualifizierten uns für das ETTU-Cup-Halbfinale und fuhren von unserem Club zum Pariser Flughafen, um nach Polen zu fliegen. Und dann schlief unser Manager für ein paar Sekunden auf der Autobahn ein, während er fuhr.“ Es war der 30. Januar 2009 und die Straße war vereist, der Fahrer verlor die Kontrolle und das Auto kam von der Fahrbahn ab. „Es war ein wirklich schlimmer Unfall. Menschen, die den Unfall beobachtet hatten, dachten, wir seien alle tot.“ Todesopfer gab es zwar glücklicherweise nicht, doch Sandra Paovic, auf deren Seite das Auto landete, erlitt eine schwere Rückenmarksverletzung. „Ich wurde notoperiert - und das zum Glück innerhalb von drei Stunden. Ich denke, das hat mich gerettet, denn wenn es sechs oder sieben Stunden bis zur OP gedauert hätte, hätte ich nicht überlebt“, stellt die 42-Jährige fest. „Ich hatte keine Kraft mehr zu atmen. Nach der Operation haben die Maschinen für mich geatmet.“
Abgesehen von kleineren Bewegungen mit den Armen blieb ihr Körper regungslos. Die Prognose lautete, dass sie nie wieder laufen könne, selbst aktiv im Rollstuhl zu fahren, war keine denkbare Option. „Sie waren sich noch nicht einmal sicher, ob ich jemals wieder selbst atmen können würde. Es war fast so, als ob ich tot war.“ Sie nahm zwar alles wahr, was um sie herum passierte, was gesagt wurde, wer sie besuchte. Aber sie konnte nicht mit ihren Liebsten sprechen. „Im Profisport habe ich immer wie verrückt gekämpft. Das war mein Markenzeichen. Also habe ich gedacht: Nun musst du wie verrückt positiv sein“, erinnert sich die achtfache WM-Teilnehmerin. „Ich hätte nie gedacht, dass mein Leben so unglaublich schwer sein könnte, dass ich wirklich absolut alles verlieren könnte - nicht nur meine Karriere und alles, was ich mir aufgebaut habe, sondern wirklich alles, meine Gesundheit.“ Man sagte ihr, der Kampf sei schon verloren, diesmal hätte sie keine Chance zu gewinnen. Aber sie konnte nicht aufgeben. „Als die Leute sahen, wie positiv ich bin und dass ich kämpfen wollte, haben sie alle mit mir gekämpft. Nicht nur die kroatischen Sportler, sondern die ganze Tischtenniswelt. Selbst asiatische Spieler haben mir aufmunternde Nachrichten geschrieben, vorher haben sie nie auf diese Weise kommuniziert. Ich glaube, die Tischtenniswelt war noch nie so vereint wie nach meinem Unfall, um mir Unterstützung zukommen zu lassen.“ Auch finanziell erhielt sie aus vielen Teilen der Erde Hilfe, damit sie in einem speziell auf Rückenmarksverletzungen ausgerichteten Rehabilitationszentrum in der Schweiz behandelt werden konnte.
Neustart im Para-Sport
Obwohl niemand es für möglich gehalten hatte, kam Paovic wieder auf die Beine. Aber als ihre Mitspielerinnen dann ohne sie zur EM aufbrachen, wurde ihr plötzlich bewusst, dass sie das Leben, das sie kannte, trotz ihrer großartigen Fortschritte nicht mehr wiederbekommen würde. „Das war der schlimmste Moment, ich war richtig geschockt, als ich realisierte, dass ich nicht fahren werde.“ Aber sie fasste den Mut, etwas Neues aufzubauen, und begann ein Sport-Management-Studium. Ein neues Kapitel schien begonnen, als die Vergangenheit an die Tür klopfte: Die frühere Tischtennis-Nationalspielerin wurde zu einem Para-Training eingeladen. Den Schläger musste sie sich an ihre rechte Hand binden, damit sie ihn beim Topspin nicht verlor. Und außerdem erhielt sie den Rat, im Rollstuhl zu spielen, weil sie zwar wieder stehen, sich aber nicht genug bewegen könne. „Aber ich wollte es in der stehenden Position versuchen“, gab sich Paovic auch hier als Kämpferin. „Wieder am Tisch zu stehen, war ein verrücktes Gefühl. Es war hart wie die Hölle, meine Beine fühlten sich so müde an, aber egal, es war unglaublich.“ So entschloss sie sich, auch wenn ihr im Rollstuhl viel größere Chancen ausgerechnet wurden, im Stehen zu spielen. Eine goldrichtige Entscheidung: Sie gewann Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, Paralympics - und das im Stehen. „Ich war zurück in der Tischtenniswelt - es war ein Wunder!“
Nach den Paralympics 2016 hatte Paovic dann genug. Sie litt unter großen Schmerzen im Rücken und in den Beinen. Außerdem hatte ihr Leben noch eine andere Wendung genommen. Bei ihrem ersten Para-Training hatte sie ihren künftigen Ehemann kennengelernt, Daniel Lazov, der ebenfalls einen Unfall hatte, im Rollstuhl Tischtennis spielte und von dem sie schon nach der ersten Begegnung wusste, dass sie ihn heiraten würde. „Zurück an den Tischtennistisch zu kommen, war toll, aber es war nie dasselbe Gefühl wie früher“, erinnert sich die Paralympicssiegerin, die sich auch auf dieser Ebene selbst bewiesen hatte, alles schaffen zu können. „Wenn du wirklich nichts mehr zu verlieren hast, gibt es zwei Optionen: Entweder du gibst auf oder du entscheidest dich dafür, nicht nur stark und ein harter Arbeiter, sondern komplett verrückt zu sein. Und dafür habe ich mich entschieden.“
„Ich bin glücklicher als vorher“
Von diesen Erfahrungen erzählt Paovic in ihren beiden Büchern. In „Born to win“, das 2017 erschienen ist, fokussieren sie und ihr Co-Autor Željko Žutelija sich auf den Sport, im 2025 auf Englisch veröffentlichten Buch „I love life“ geht es neben dem Sport auch um das Leben an sich. Seit vielen Jahren ist Paovic als Motivationsrednerin in Schulen oder Unternehmen unterwegs. “’I love life’ ist ein etwas anderes Buch, weil ich darin zwar über den Sport spreche, aber auch darüber, was ich in meinem Leben, durch meine Erfahrungen gelernt habe. Es ist ein Motivationsbuch“, stellt die Sportlerin fest. Denn am Ende, nach all dem Schmerz, dem Kampf, dem Leid, kann sie dem Unfall sogar etwas Positives, Motivierendes abgewinnen. „Ich denke, dass ich glücklicher bin als vorher“, sagt sie heute mit 16 Jahren Abstand. „Ich habe Daniel getroffen und die EM, WM und Paralympics gewonnen, es sind so viele neue, positive Sachen passiert. Es ist immer noch hart, ich habe schlechte Tage und gesundheitliche Probleme, die mich frustrieren. Aber mein Leben ist so erfüllt, ich habe so viele Ideen und will an der Welt teilhaben.“ …und die Welt an ihren wertvollen Erkenntnissen teilhaben lassen.
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Gewinnspiel:
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(JS)
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