Buntes

Die Michajlovs räumen ab: „Mehr als Familienurlaub“

Vier Familienmitglieder und neun Medaillen: Die Michajlovs waren in Israel kaum zu schlagen (©MAKKABI Deutschland/Jessica Brauner)

28.07.2022 - Haben Sie gewusst, dass in den vergangenen 14 Tagen die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt stattgefunden hat? Gemeint ist die Maccabiah, quasi die Olympischen Spiele für jüdische Sportler. Mit am Start war auch die DM-Zweite von 2021 im Mixed-Doppel, Katharina Michajlova - gemeinsam mit ihrer Schwester und ihren Eltern. Im Interview erzählt die 33-Jährige, wie die Familie in Israel neun Medaillen gewinnen konnte und was das Besondere an diesem Turnier ist.

myTischtennis.de: Du bist mit einer Gold- und drei Silbermedaillen von der Maccabiah in Israel nach Hause gekommen. Wie zufrieden bist du mit deinem Abschneiden?

Katharina Michajlova: Mit dem Einzel bin ich sehr zufrieden - natürlich weil ich da den Titel geholt habe, aber vor auch damit, wie ich gespielt habe. Mein Ziel war vorher, viermal Gold zu holen, weil ich beim letzten Mal dreimal Gold und einmal Silber gewonnen hatte. Das hat leider nicht geklappt. Zum einen weil es in Doppel- oder Teamwettbewerben halt nicht nur von einem alleine abhängt, zum anderen weil ich am letzten Spieltag auch einfach kaputt war und nicht mehr so gut gespielt habe. Am letzten Tag hatte ich zwischen halb zehn und 16 Uhr sechs Halbfinals und Endspiele - und das auf hohem Niveau. Da konnte ich irgendwann auch einfach nicht mehr, hatte ein paar Wehwehchen und habe im Doppel-Finale mit meiner Schwester Lisa die ersten Sätze nur rumgejammert.

myTischtennis.de: Im Doppel und Teamwettbewerb habt ihr Seite an Seite miteinander Silber geholt. Wie ist das für dich, wenn man dann im Mixed plötzlich gegen die eigene Schwester im Finale steht?

Katharina Michajlova: Also, ich habe natürlich gekämpft und mein Bestes gegeben. Aber es ist schon was anderes. Sonst habe ich mit meinen Gegnerinnen eigentlich kein Mitleid. Aber wenn es die eigene Schwester ist, die einem gegenübersteht, tut es zumindest nicht so weh, wenn man Punkte verliert.

myTischtennis.de: Ihr habt als Familie ja ziemlich abgeräumt, du alleine hast vier Medaillen geholt, deine Familie hat insgesamt neunmal auf dem Treppchen gestanden. Wie muss man sich das Niveau bei der Maccabiah denn in etwa vorstellen - wenn man es zum Beispiel mit der Bundesliga vergleicht?

Katharina Michajlova: Mit der Bundesliga ist es eigentlich nicht zu vergleichen, vielleicht noch mit dem unteren Paarkreuz. Eigentlich sind vor allem die Israelis und die Deutschen gut. Israel schickt zum Beispiel seine Nationalmannschaft zur Maccabiah, gegen die wir dann auch im Team-Finale verloren haben. Bei den Herren ist das Niveau noch mal etwas höher. Hier spielt zum Beispiel auch der TTBL-Spieler Lev Katsman mit oder Michael Tauber, der in Deutschland in der dritten Liga spielt. Aber es sind halt auch eine Menge Amateure mit dabei, die sich Inspiration bei den besseren Spielern holen. Es herrscht dort eine sehr schöne Atmosphäre.

myTischtennis.de: Inwiefern?

Katharina Michajlova: Im Einzel habe ich zum Beispiel gegen die beste Israelin gespielt, ihr Spielstil passt mir ganz gut, also habe ich 4:0 gewonnen. Danach kam sie zu mir und sagte: „Es hat sehr viel Spaß gemacht, gegen dich zu spielen“. Das fand ich sehr cool von ihr. Bei der Maccabiah sind alle ein bisschen wie eine Familie. Und im Tischtennis ist es ja sowieso schon sehr familiär.

myTischtennis.de: Bei der Maccabiah spielt die kulturelle Komponente sicherlich eine bedeutende Rolle. Erzähl mal, inwiefern sich dieses Turnier von anderen unterscheidet.

Katharina Michajlova: Man feiert zum Beispiel Schabbat zusammen. Ich habe davon nicht so viel Ahnung, weil ich überhaupt nicht religiös bin. In der Ukraine bzw. in der UDSSR, wo meine Eltern lebten, bevor sie nach Deutschland auswanderten, wurde Religion nicht gepflegt und so haben es meine Eltern später auch nicht an uns weitergegeben. Von daher fühle ich mich bei solchen Anlässen immer ein bisschen fremd, aber auch dazugehörig. Ich möchte mir das gerne aneignen. Es wird nicht nur gebetet, sondern auch viel gesungen, was ich super schön finde. Abgesehen vom Schabbat gibt es bei der Maccabiah auch viele Partys, es werden Ausflüge angeboten und man stimmt sich in einem Pre-Camp gemeinsam mit den anderen Sportlern auf das Turnier ein. Insgesamt liegt der Fokus also sicher mehr auf dem Kulturellen, für mich verbindet sich das Sportliche mit dem Sozialen. Ich habe dort schon sehr viele Freundschaften geschlossen, die immer noch bestehen. Es ist definitiv anders als ein normales Turnier.

myTischtennis.de: Und für euch ist es ja wahrscheinlich auch etwas Besonderes, weil ihr mit der ganzen Familie unterwegs seid. Nicht nur deine Schwester war dabei, sondern auch deine Eltern. Seht ihr es ein bisschen wie einen Familienausflug? Und habt ihr das schon öfter gemacht?

Katharina Michajlova: Für mich war es erst das zweite Mal. Vor fünf Jahren haben meine Schwester und ich daran teilgenommen, da waren meine Eltern aber nicht dabei. Sie sind 2019 bei den European Maccabi Games in Budapest, quasi bei der europäischen Ausgabe, zum ersten Mal angetreten. Tatsächlich sind in Israel sehr viele Leute zu uns gekommen und haben gesagt, wie toll das sei, dass wir das als Familie machen und dann auch alle vier so erfolgreich sind. Für mich war das eigentlich ganz selbstverständlich, schließlich waren meine Eltern Nationalspieler in der Ukraine und wir fahren ja auch so schon mal zusammen in den Urlaub. Aber wenn man dann solchen Input bekommt, wird einem schon bewusst, dass das was Besonderes ist, dass wir vier, alle in derselben Sportart auf so einem hohen Niveau spielen. Das ist schon mehr als ein Familienurlaub.
 

Die deutschen Medaillengewinner im Tischtennis:

4x Gold für: Katharina Michajlova (Damen-Einzel), Tatjana Michajlova (Seniorinnen-Einzel Ü40), Tatjana/Alexander Michajlova (Senioren-Mixed Ü40), Lisa Michajlova/Michael Tauber ISR (Mixed-Doppel)

7x Silber für: Alexander Michajlov (Senioren-Einzel Ü40 und Senioren Team Ü40), Katharina Michajlova/Lisa Michajlova (Damen-Doppel), Katharina Michajlova/Tim Artarov (Mixed-Doppel), Diana Roif, Katharina Michajlova, Lisa Michajlova (Damen-Team), Alan Ginsburg, David Bondarevsky, Yasin Kocabas (Jungen-Team U16), Yasin Kocabas/David Bondarevsky (Jungen-Doppel U16)
 

Die Maccabiah oder Makkabiade ist die größte internationale jüdische Sportveranstaltung und nach den Olympischen Spielen und Paralympics das drittgrößte Sportevent der Welt. Sie wird alle vier Jahre in Israel ausgetragen und lädt jüdische Sportler und Sportlerinnen aus der ganzen Welt ein. In diesem Jahr waren etwa 10.000 Athleten aus 60 Ländern am Start, Deutschland schickte mit 230 Sportlerinnen und Sportlern seine bislang größte Delegation. Mit zehn Gold-, 17 Silber- und 24 Bronzemedaillen durfte sich der deutsche Verband zudem über das beste Ergebnis seiner Geschichte freuen.

(JS)

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