Buntes

NRW-Liga-Spieler stolpert auf dem Weg zum Millionär

Janoš Pigerl scheiterte ausgerechnet an einer Sportfrage (© RTL / TV NOW)

13.01.2021 - Haben Sie schon einmal in wenigen Minuten 749.000 Euro verspielt? Die meisten von Ihnen werden diese bittere Erfahrung wohl noch nicht gemacht haben. Janoš Pigerl, NRW-Liga-Spieler beim TTC Grevenbroich, muss hingegen nun damit leben, bei der RTL-Show „Wer wird Millionär“, die am Montag ausgestrahlt wurde, zwei Fragen vor dem Zwei-Millionen-Gewinn auf das falsche Pferd gesetzt zu haben. Der 29-Jährige stürzte auf 1000 Euro ab, obwohl er noch zwei Joker gehabt hätte.

Janoš Pigerl mag das Risiko. Das gilt für sein Spiel am Tischtennistisch, wo er vor ein paar Jahren aus Spaß auf moderne Abwehr umgestiegen ist, aber auch für seinen Auftritt in der RTL-Show „Wer wird Millionär“, der am Montag mit einem bitteren Absturz von möglichen 750.000 auf 1.000 Euro endete. Der 29-jährige Psychologiestudent, der beim Tischtennishändler Spinfactory in Köln arbeitet, hatte sich für die Zocker-Variante der Game-Show entschieden. Hier kann man bis zu zwei Millionen Euro gewinnen, muss dafür aber auch die ersten neun Fragen ohne Joker auskommen, wenn man nicht alle auf einen Streich verlieren möchte. Zudem gibt es nicht die beruhigenden Sicherheitsstufen, die man auf dem Weg durch die Show erreichen kann: Wer verliert, fällt auf 1.000 Euro zurück. 

Ein fast perfekter Tag

„Am meisten Sorgen hatte ich mir vorher darum gemacht, dass ich es bereuen würde, das Zocker-Special gewählt zu haben, und die ersten neun Fragen nicht überstehe“, erzählt ein schon wieder ganz munter klingender Pigerl zwei Tage nach der Ausstrahlung am Telefon. „Man kann auch auf den niedrigeren Stufen schnell mal auf dem falschen Fuß erwischt werden. Aber ich hatte Glück mit meinen Fragen.“ Überhaupt schien dieser Tag im November, an dem die Sendung aufgezeichnet wurde, bis dahin perfekt für ihn zu laufen. Schon beim Testdurchlauf der Auswahlfrage, die die Kandidaten auf den Stuhl in der Studiomitte bringen kann, hatte er die schnellste Zeit. Das wiederholte sich, als es bei der Aufzeichnung darauf ankam: Hier war er sogar der Einzige, dem die Zuordnung verschiedener Textzeilen zu den passenden Songs gelang. „Ich hatte das Ziel, irgendwie auf den Stuhl in der Mitte zu kommen“, verrät Pigerl. „Aber dass es so glatt läuft, damit hätte ich nie gerechnet.“

Tatsächlich lief es auch weiter glänzend für den NRW-Liga-Spieler, der für den TTC Grevenbroich zwischenzeitlich sogar in der Oberliga aufschlagen durfte. Er brachte die heiklen ersten Fragen ohne Joker und scheinbar ohne Schwitzfleck hinter sich, befragte bei der 64.000-Euro-Frage sicherheitshalber das Publikum und erreichte so die vorletzte Stufe, in der 750.000 Euro winken, mit drei Jokern. Als er dann die dazugehörige Frage sah, wuchs die Zuversicht in ihm. „Eine Sportfrage zu bekommen, obwohl es zwischendurch schon einmal um Fußball gegangen war, war natürlich ein Traum“, erinnert sich Pigerl. „Ich habe mir auch eingebildet, dass ich da einiges drüber weiß - gerade auch über die Olympischen Spiele.“ Konkret sollte er beantworten, in welcher Sportart Deutschland die meisten olympischen Goldmedaillen gewonnen hat. Dass es Tischtennis nicht war, hätte der Kölner sicher aus dem Stegreif beantworten können, aber auch bei den angebotenen Antwortmöglichkeiten konnte er zwei Disziplinen gleich für sich ausschließen: Schwimmen und Leichtathletik. „Ich habe da sehr schnell was erzählt, was totaler Quatsch war“, sagt Pigerl heute. „Bis dahin war alles so gut gelaufen, ich war sozusagen im Flow und habe mir da einfach nicht genug Zeit gelassen.“

Zocker bis zum Schluss

Als dann der 50:50-Joker die Optionen Pferdesport und Schwimmen aus der Auswahl nahm und nur noch Rudern und Leichtathletik übrig blieben, war sich Pigerl schnell sicher: Die richtige Antwort musste „Rudern“ lauten. Günther Jauch fragte zur Sicherheit noch einmal nach, ob er wirklich nicht noch einen seiner zwei verbliebenen Joker nutzen wolle. Aber Pigerl bewies auch hier seine Zockerqualitäten und blieb bei seiner Entscheidung. Und das wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Leichtathletik war richtig - und Pigerl stürzte auf 1.000 Euro ab. „Zwischen Rudern und Leichtathletik waren nur acht Medaillen Unterschied. Das weiß kaum jemand, der es nicht irgendwo nachgelesen hat, und es ist auch schwer zu schätzen“, analysiert der Student. „Ich mache mir den Vorwurf, dass ich nicht länger drüber nachgedacht habe, dass ich bei dieser Frage nicht die Ruhe hatte wie in den Runden zuvor. Aber letztlich kann es sein, dass ich, egal, wie lange ich überlegt hätte, falsch entschieden hätte.“

Trotz dieses äußerst bitteren Absturzes behielt der sympathische Kandidat nach der Auflösung durch Günther Jauch die Fassung und nahm es sportlich. Auch hinter den Kulissen reagierte Pigerl ruhig und gefasst - „und dabei weiß jeder, der mich vom Tischtennis kennt, dass ich am Tisch nicht der ruhige Typ bin, überhaupt nicht.“ Und so wich die Ruhe schließlich auch, als der 29-Jährige wieder zu Hause war. „Ich habe mich unglaublich drüber geärgert. Die zwei Wochen danach waren nicht so schön. Damit abgeschlossen habe ich auch immer noch nicht, aber ich habe meinen Frieden damit geschlossen, wie es gelaufen ist.“

Rührende Worte

Aufgewühlt wurde das Ganze natürlich noch einmal am Montag, als die Sendung schließlich ausgestrahlt und Pigerls Absturz öffentlich wurde. Gefreut habe er sich nicht auf den Termin, gibt Pigerl zu, dafür wurde er von unerwarteter Seite positiv überrascht. „Ich war überwältigt, wie viele aufbauende und nette Nachrichten ich bekommen habe - teils von wildfremden Menschen. Das war wirklich rührend“, fand der Kölner. Und auch Moderator Jauch hatte lobende Worte für seinen Kandidaten übrig. „Sie waren einer der besten, überlegtesten, souveränsten Kandidaten, die wir je hatten“, gab ihm Jauch mit auf den Weg. „Hauen Sie den Tausender auf den Kopf.“ Und das tut Pigerl konsequenterweise in Zockermanier: „Ich habe mir ein Los der Aktion Mensch gekauft“, verrät er. „Wenn was dabei rausspringt, freue ich mich. Wenn nicht, habe ich wenigstens eine gute Sache unterstützt.“ Ein sympathisches Ende eines sympathischen Auftritts. Und so würde sicher so mancher Zuschauer Jauchs Einschätzung, nachdem sein Kandidat das Studio verlassen hatte, unterschreiben: „Janoš Pigerl - den werden wir im Gedächtnis behalten.“

Zur Wer-wird-Millionär-Folge vom 11. Januar 2021 auf TV NOW

(JS)

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