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Annett Kaufmann: „Riesenspaß, die Besseren zu ärgern“

Mit 14 Jahren hat Annett Kaufmann bereits öfter mentale Stärke bewiesen. (©Steinbrenner)

16.10.2020 - Beim Europe Youth Top 10 wurde Annett Kaufmann ihrem Favoritenstatus am vergangenen Wochenende gerecht. Mit einem beeindruckenden Endspurt schaffte es die 14-Jährige ganz oben auf das Siegertreppchen der Schülerinnen in Berlin. Im Interview mit der myTischtennis.de-Redaktion spricht die Bundesligaspielerin des SV Böblingen über den größten Erfolg in ihrer noch jungen Karriere und wirft einen Blick nach vorne.

myTischtennis.de: Annett, herzlichen Glückwünsch zum Titelgewinn beim Europe Youth Top 10. Wie war das Gefühl, deine erste internationale Goldmedaille in den Händen zu halten?

Annett Kaufmann: Ich habe es immer noch nicht wirklich realisiert, dass ich mich gegen die besten europäischen Spielerinnen in meiner Altersklasse durchgesetzt habe. Von meinen Freunden und Klassenkameraden kamen sofort viele Glückwünsche. Auch über Instagram haben mir viele geschrieben. Das hat mich natürlich sehr gefreut.

myTischtennis.de: Nach der Silbermedaille 2019 hast du dir selbst etwas Druck aufgebaut, dem du am Ende standgehalten hast. Wie wird man mit 14 Jahren so nervenstark?

Annett Kaufmann: Bei den Euro-Minichamps war es ähnlich. 2016 wurde ich Zweite, ein Jahr später Dritte. Wenn man Druck spürt, spielt man viel verkrampfter. 2018 habe ich es dann hinbekommen (lacht). Da ich sehr früh mit Tischtennis angefangen habe, konnte ich auch unheimlich viel von anderen lernen. In Böblingen spiele ich mit Qianhong Gotsch zusammen. Sie hat mir sehr viel beigebracht und ist ein super toller Mensch. Ich gucke mir aber auch viel von den Profis ab und schaue mir viele Videos von Ding Ning, Peti Solja oder Timo Boll an.

myTischtennis.de: Werdet ihr beim DTTB auch mental geschult?

Annett Kaufmann: Wir machen einiges im mentalen und taktischen Bereich. Der Kopf ist immer entscheidend. Es gibt da bei uns so einen Spruch (WIN: 'What's important now'). Der hilft uns in aufgeregten Momenten. Ich versuche meistens, einfach ruhig zu bleiben.

myTischtennis.deZwei deiner Gegnerinnen waren deine Freundinnen Mia Griesel und Jele Stortz. Wie schwierig sind die Duelle gegen Spielerinnen aus der gleichen Nation?

Annett Kaufmann: Mittlerweile spielt man auf einem Niveau, auf dem man sich darüber nicht mehr allzu viele Gedanken machen darf. Für mich ist es allgemein nicht schwer, ohne Betreuer in die Box zu gehen. Gegen Mia war es etwas ungewohnt, da sie jetzt kurze Noppen hat. Die Niederlage war sehr bitter. Nach solchen Spielen braucht man meistens etwas Zeit für sich alleine, danach ist wieder alles super.

myTischtennis.deMit deinem Halbfinaleinzug beim Düsseldorf Masters hast du Ende August ebenfalls für Furore gesorgt. Müssen sich die Spitzenspielerinnen künftig warm anziehen?

Annett Kaufmann: Es macht immer Riesenspaß, wenn man die Besseren ärgern kann. Wenn die Situation da ist, versuche ich, sie zu nutzen. Aber das Niveau ist sehr hoch. Die Altersgruppen vor einem sind spielerisch einfach noch mal reifer. 

myTischtennis.deDu hast das Top-12-Bundesranglistenturnier gewonnen und wurdest Nachwuchsspielerin des Jahres. Wie kann man das noch toppen?

Annett Kaufmann: Ich versuche bei allen nationalen und internationalen Turnieren immer mein Bestes zu geben. Bei den deutschen Schüler-Meisterschaften wurde ich 2018 Zweite. Allerdings muss man abwarten, welche Wettkämpfe wegen Corona in Zukunft überhaupt stattfinden können. Normalerweise sieht man seine Gegnerinnen sehr oft und kann ihre Leistung in Wettkämpfen beurteilen. Das ist aktuell schwieriger. 

myTischtennis.deDurch deine Erfolge konntest du viel Selbstvertrauen tanken. Wie viel Rückenwind geben sie dir für die kommenden Ziele?

Annett Kaufmann: Natürlich kann man sich freuen und immer sagen „Ich kann das, ich habe schon viel erreicht", aber man muss auch realistisch bleiben und nach vorne schauen. Timo Boll oder Peti Solja haben ihre Titel auch immer schnell abgehakt und einfach immer weiter gemacht. Ich habe noch einen langen Weg vor mir.

myTischtennis.deDeine große Schwester Alexandra ist vier Jahre älter. Mittlerweile hast du sie spielerisch eingeholt. Wie wichtig war und ist sie als Vorbild für dich persönlich und deinen sportlichen Aufschwung?

Annett Kaufmann: Ich bin froh, dass ich sie an meiner Seite habe. Die Geschwisterliebe ist immer vorhanden. Wir unterstützen uns gegenseitig und gönnen uns jeden Erfolg. Es passiert oft, dass die älteren Geschwister neidisch werden. Das ist bei uns nicht so. Seit kurzem ist sie B-Lizenz-Trainerin und macht ihr FSJ beim TTBW. 

myTischtennis.deWas sind deine Pläne? Ist es eine Option Tischtennis-Profi zu werden?

Annett Kaufmann: Ich habe meinen Plan A und trainiere jeden Tag hart. Im Vergleich zu anderen Sportarten hat Tischtennis aber weniger Bedeutung und man kann nicht so viel Geld verdienen. Im Moment gehe ich in die neunte Klasse, 2024 mache ich mein Abi auf dem Ellental-Gymnasium in Bietigheim-Bissingen. Danach habe ich mir vorgestellt, zur Polizei zu gehen oder Lehramt zu studieren. Da halte ich mir aber alle Türen offen.

(FKT)

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