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Verbandsübersicht: Wo wird Doppel gespielt?

Einen großen Flickenteppich bilden die Landesverbände bezüglich ihrer Doppelregelungen (©Verbände)

18.09.2020 - Doppel oder nicht Doppel - das ist hier die Frage! Mitte August hatte der DTTB mitgeteilt, dass das Spielen von Doppeln aus Verbandssicht trotz der Corona-Pandemie prinzipiell wieder möglich ist. Wenig später entschied sich der Dachverband dann dafür, die Saison in seinen besten Klassen ohne Doppel zu bestreiten. Wie in den Spielklassen darunter verfahren wird, liegt jedoch in der Hand der einzelnen Landesverbände. Wir haben eine Übersicht erstellt und ein sehr heterogenes Bild erhalten.

Wer in einer DTTB-Spielklasse ab der Oberliga aufwärts unterwegs ist, hat seit Ende August Klarheit. Damals entschied der Verband, dass die Saison in den Bundesspielklassen ohne Doppel begonnen wird. In den Ligen darunter musste man sich jedoch zum Teil noch etwas länger gedulden, bis man wusste, ob man in diesem Jahr noch dazu kommen wird, seine Doppelstärke zu präsentieren. Denn hier entschieden die Landesverbände unabhängig voneinander und vom DTTB, wie mit dem Doppel im Mannschaftsspielbetrieb umgegangen wird. Seit dieser Woche läuft die Saison 2020/21 in allen Verbänden - und damit steht nun auch spätestens überall fest, mit welchem Spielsystem gespielt wird. Wir haben uns in Tischtennis-Deutschland umgeschaut und uns einen Überblick verschafft.

Acht Verbände komplett ohne Doppel

Von den 18 Landesverbänden haben sich acht dazu entschlossen, dem Beispiel des DTTB zu folgen und die Saison komplett ohne Doppel zu beginnen. Dazu gehören die großen Verbände WTTV, Bayern, Niedersachsen und Hessen sowie Rheinland/Rheinhessen, Pfalz, Hamburg und Berlin. Allerdings betont fast jeder dieser Verbände, dass dies zunächst einmal für die Hinrunde gelte und die Lage zum Ende des Jahres neu bewertet würde. Der wegen der Coronakrise neu geschaffene Abschnitt M der Wettspielordnung erlaubt es den Verbänden, auch spontan auf Situationen zu reagieren. Das bedeutet, ein Spielsystem kann auch mitten in der Saison verändert werden. Die Verbände, die ohne Doppel in die Saison starten, könnten also, wenn sich zum Beispiel die Infektionslage verbessert, in der Rückrunde wieder mit Doppeln spielen. Genauso können auch die anderen Verbände, die mit Doppeln starten, ihr Spielsystem anpassen. Dies ist nicht nur nach Ende einer Serie, sondern auch von Spieltag zu Spieltag möglich.

Als Argument für einen Start ohne Doppel liest man oft, dass auf der Verbandsebene zwar nichts gegen das Spielen von Doppeln spreche, allerdings manche Landkreise oder Kommunen Doppel nicht zuließen. „Wir haben uns daher für den kleinsten gemeinsamen Nenner im Freistaat entschieden und der sagt: kein Doppel“, erklärt Bayerns Vizepräsident Gunther Czepera. Ähnliche Gedanken hat man sich in der Pfalz gemacht. „Dass wir ohne Doppel starten, ist größtenteils der Tatsache geschuldet, dass es innerhalb des PTTV Kommunen und Hallenbetreiber gibt, die das Doppelspiel im Tischtennis nicht erlauben“, erklärt Präsident Heiner Kronemayer. „Es ist aber unmöglich, teilweise mit und teilweise ohne Doppel zu spielen, und deswegen muss das Doppel in jeglicher Form, bis es wieder in allen Hallen möglich ist, ausgesetzt werden.“ Manche Verbände wie der TTVN haben zudem die Sorge, dass man einen Weg mit Doppeln nicht bis zum Ende der Vorrunde gehen kann und somit Ungerechtigkeiten entstehen, wenn man das System mitten in der Hinserie ändert. Lässt man die Doppel weg, hat man am Ende weniger Probleme, sollte es auf lokaler Ebene zu Verschärfungen der Richtlinien kommen. Nicht zuletzt wird natürlich auch die Sorge um Risikogruppen als Grund für die Entscheidung genannt. „Die Aktiven, denen das Doppel als zu gefährlich erscheint, wollen wir nicht abschrecken“, betont zum Beispiel BTTV-Präsident Konrad Grillmeyer. „Wir nehmen deren Bedenken sehr ernst.“

Mischformen in vier Verbänden

Im Saarland und in Brandenburg entschied man sich zwar prinzipiell ebenfalls für eine ‚doppellose‘ Vorrunde, unterschied aber zwischen Erwachsenen- und Jugendsport. Während die Älteren geschlossen ohne Doppel in die Saison starten, wird im Nachwuchsbereich auch Seite an Seite gekämpft. „Es ist davon auszugehen, dass die Jugendlichen zusammen mit ihrem Betreuer im Fahrzeug anreisen werden. Im Gegensatz zu den Erwachsenen haben nicht alle die Möglichkeit, separat zum Spielort zu gelangen. Damit ist die Nähe bereits vor Spielbeginn gegeben. Weiterhin gehört der überwiegende Teil der Jugendlichen nicht zur Risikogruppe, was auch durch den Regelbetrieb an Schulen gestützt wird“, heißt es dazu auf der STTB-Homepage. 

Auch Sachsen-Anhalt schloss sich prinzipiell dem DTTB-Vorbild an. Die Kreisverbände durften jedoch je nach lokaler Situation eine eigene Entscheidung treffen. Zehn von 14 Kreisverbänden wählten das Spielsystem ohne Doppel, drei beginnen die Saison mit Doppeln und in einem Kreis wird von Liga zu Liga unterschiedlich verfahren. In Schleswig-Holstein wird ebenfalls auf Landes- und Verbandsebene auf die Doppel verzichtet. In den Kreis- und Bezirksspielklassen ergibt sich hingegen ein gemischtes Bild, da hier alle Kreisverbände und Bezirke Vorschläge zum Ablauf des Spielbetriebs einreichen durften, über die das TTVSH-Präsidium entschied. Somit gibt es in dieser Saison im hohen Norden Ligen, in denen mit, und andere, in denen ohne Doppel gespielt wird. Zudem beschränkt man sich in manchen Spielklassen auf eine einfache Serie, während andere eine Hin- und Rückrunde durchführen.

Sechs Verbände bleiben beim Doppel

Bleiben noch sechs Verbände übrig, in denen die Saison wie in jedem Jahr mit dem gewohnten Spielsystem - und das, auch wenn dieses Doppel beinhaltet - begonnen wird. Dazu gehören Baden, Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen. Sachsen legte sich diesbezüglich bereits Anfang August auf der Grundlage fest, dass die Sportausübung mit körperlichem Kontakt im Bundesland freigegeben ist. Auf die Beachtung bestimmter Voraussetzungen wird jedoch hingewiesen, wozu zum Beispiel zählt, keine engen Absprachen untereinander oder mit dem Trainer zu führen und die Handtücher der Doppelpartner getrennt voneinander abzulegen. Dieser halbwegs normale Weg in die Saison soll verhindern, dass Vereine und Mitglieder verloren werden, die womöglich nicht mehr zurückgewonnen werden können.

"Die Entscheidung wurde geprägt von der Anhörung mehrerer Ebenen von zahlreichen Spielern, einer Abfrage aller Bezirke, den TTBW-Sport-Gremien und als letztendliches Entscheidungsorgan dem zuständigen TTBW-Präsidium. In allen Ebenen gab es eine ausnahmslose Mehrheit von teilweise bis zu 75 % pro Doppel", erklärt der TTBW in seinem Newsletter. Nichtsdestotrotz sind natürlich alle Verbände an die lokalen Gegebenheiten und Entwicklungen gebunden. Wenn es zu verschärften Auflagen im Staat, Bundesland oder auf kommunaler Ebene kommt, haben diese Vorrang vor den Bestimmungen des Verbands. Im Fall von Baden-Württemberg sollen sich Vereine, die zum Beispiel von ihrer Stadt keine Genehmigung für die Ausübung des Doppels erhalten, in der Geschäftsstelle melden, wo dann über eine Anpassung des Spielsystems für die komplette Gruppe der jeweiligen Spielklasse entschieden wird.

Flickenteppich auf mehreren Ebenen

Mannschaften, die in verbandsübergreifenden Ligen, wie den Bundesspielklassen, unterwegs sind, müssen, auch wenn sie aus besagten sechs Verbänden kommen, sowieso auf das Doppel verzichten. Andersherum spielen alle Teams, die an der Deutschen Pokalmeisterschaft teilnehmen, in diesen Partien Doppel, so wie es das maßgebende TTBL-Spielsystem vorsieht. Das heißt, dass Teams, deren Verbände sich eigentlich gegen das Doppel entschieden haben, dann doch auch in dieser Disziplin glänzen müssen, wenn sie um den Pokal mitkämpfen wollen. Insgesamt blicken wir also auf einen großen Flickenteppich - bezogen auf die verschiedenen Verbände, manchmal auch auf Altersgruppen sowie einzelne Kreise bzw. Bezirke und in Ausnahmefällen sogar auf einzelne Mannschaften, je nach dem, an welchen Wettbewerben sie teilnehmen.

(JS)

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