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Boll und Ovtcharov in Q&A-Runde: "Ma Long der beste Chinese"

Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov in einer Q&A-Runde auf der Facebookseite des Timo-Boll-Webcoaches (©Facebook)

23.07.2020 - Unter normalen Umständen würden sich Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov gerade in Tokio aufhalten, wo heute die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele über die Bühne gegangen und am Samstag die Tischtennis-Wettbewerbe eingeläutet worden wären. Daraus wurde aufgrund der Coronakrise bekanntlich nichts. Stattdessen trafen sich beide in einer Videokonferenz für eine Frage-und-Antwort-Runde auf der Facebookseite des Timo-Boll-Webcoaches am Mittwochabend.

Hier konnten die Fans eigene Fragen einreichen, Timo Boll 'moderierte' das Geschehen. Ein Fan richtet sich an Ovtcharov mit der Frage, was es so schwierig mache, gegen Boll zu spielen. "Du hast eine enorme Spielintelligenz, änderst immer deine Taktik, Platzierung und Geschwindigkeit. Es ist schwierig, sich an dein Spiel zu gewöhnen. Das macht es so schwer für jeden, gegen dich zu spielen. Du hast dein Spiel auch noch einmal geändert, spielst inzwischen mehr Rückhand, nicht mehr am ganzen Tisch Vorhand", antwortet der Orenburger.

Boll daraufhin: "Es ist auch schwierig, gegen dich zu spielen, du hast einen der besten Aufschläge und eine der besten Rückhände. Es ist schwer, mit deiner Geschwindigkeit und deiner Power mitzuhalten." Aktuell sei Boll aufgrund einer leichten Rückenverletzung außer Gefecht gesetzt und trainiere eher im athletischen Bereich, gibt der 39-Jährige preis. Im Anschluss wird Ovtcharov gefragt, warum er nun auf Butterfly- statt auf DONIC-Material setze. Der 31-Jährige erklärt dazu: "Ich war an einem Punkt in meiner Karriere, an dem ich gesagt habe, das Butterfly-Material passt mir am besten von allem, was angeboten wird." So habe er einen langfristigen Vertrag bei Butterfly unterschrieben. "Und ich habe im Januar einen guten Start damit gehabt, bei den German Open sogar Fan Zhendong geschlagen." 

"Moregard hat einzigartiges Spiel"
Ein anderer Facebook-Nutzer will wissen, was die beiden von Wang Chuqin (China), Lin Yu-Ju (Taiwan) und Tomokazu Harimoto (Japan) halten und ob es noch andere Youngsters gebe, die man vielleicht nicht so auf dem Schirm habe. Boll erwähnt Truls Moregard, gegen den Ovtcharov kürzlich bei Trainingseinheiten in Schweden gespielt hat. Der sagt über den 18-Jährigen: "Er hat ein sehr anderes, einzigartiges Spiel, das erinnert mich sogar ein klein bisschen an das von Jan-Ove Waldner. Moregard kann einen mit kreativen Schlägen überraschen, ihm fehlt aber noch die Konstanz. Wenn er das ändern kann, steht ihm eine große Karriere bevor. So eine Konstanz zu erreichen, dauert allerdings Jahre." 

Boll wiederum erklärt: "Ich mag auch Lin Yun-Ju (Anm.: Der wechselt zu Ovtcharovs Klub Orenburg), der spielt auch kreativ. Harimoto dagegen ist ein Arbeitstier. Lin ist für mich das größere Talent. Und Wang ist ein starker Linkshänder mit einer sehr guten Vorhand, der sich in den letzten zwölf Monaten noch einmal gesteigert hat." Überraschend sei es für beide, häufig zu sehen, wie junge Chinesen in der Super League schon starke Leistungen brächten, bei internationalen Turnieren dann aber kaum die Qualifikationsphase überständen. 

Hilfe für die Abwehrspieler?
Auf die Frage, was die ITTF tun könne, um die Situation der schwindenden Abwehrspieler im internationalen Tischtenniszirkus zu verbessern, antwortet Ovtcharov: "Das ist kein Fehler der ITTF. Man muss einfach überdurchschnittlich begabt sein und gute Trainer haben, die hinter einem stehen. Vielleicht geben diese zu früh auf inzwischen, was schade ist, weil das Abwehrspiel für die Zuschauer natürlich sehr interessant ist." 

Später möchte ein Fan wissen, wen beide für den derzeit besten Chinesen halten. Ovtcharov ist der Meinung, dass Ma Long, Fan Zhendong und Xu Xin in dieser Zeit auf einem ähnlichen Niveau spielen, da Ma Long an einer Knieverletzung zu laborieren hatte und in den letzten Partien gegen Fan und Xu nicht so gut aussah. Aber: "Eigentlich ist Ma Long der beste. Gegen ihn zu spielen, ist wirklich unangenehm. Sein Spiel ist sehr unvorhersehbar, er kann seine Taktik sehr gut ändern. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich gegen ihn etwas ausrichten kann, dann spielt er schon wieder anders und bringt mich aus dem Rhythmus." Boll stimmt Ovtcharov zu: "Wenn alle an ihrem Limit spielen, dann ist Ma Long der beste von ihnen, weil er das gefährlichste Spiel hat, den gefährlichsten Aufschlag, die stärkste Vorhand. Auch die Rückhand ist in den letzten drei, vier Jahren besser geworden." In der Hinsicht habe der Weltmeister und Olympiasieger den größten Schritt gemacht, um Turniere zu gewinnen. Vorher sei die Rückhand sein Knackpunkt gewesen.

Die beste Leistung der Karriere?
Was die beste Leistung ihrer Karriere gewesen sei, fragt dann jemand. Nicht ganz so lange ist es bei Dimitrij Ovtcharov her. Er nennt den bereits erwähnten Viertelfinalerfolg gegen Fan Zhendong bei den diesjährigen German Open. Timo Boll hingegen blickt etwas weiter zurück und erinnert sich an den World Cup 2005 in Lüttich. "Das war das einzige Mal, dass ich drei Topchinesen nacheinander geschlagen habe. Das Publikum war toll, das ist mir in Erinnerung geblieben." 

Nach den Chancen auf Einzel-Gold bei den Olympischen Spielen befragt, müssen beide erst einmal schmunzeln, räumen dann aber ein, dass das wohl leichter zu erreichen sei, als Einzel-Gold bei einer WM zu gewinnen, weil pro Nation bei den Olympischen Spielen ja nur zwei Starter erlaubt seien. "Daher sollte man nicht im Vorfeld aufgeben", meint Boll. Ovtcharov erinnert sich an 2012, als er Bronze gewann: "Da war ich so auf Bronze fixiert, weil ich dachte, dass das mein Maximum ist. Ich habe dann im Halbfinale gegen Zhang Jike nicht mein bestes Spiel gezeigt, dafür aber im Spiel um Platz drei gegen Chuang Chih-Yuan." Vielleicht sei er jetzt eher bereit für höhere Ziele, während er den Druck bei Boll als nicht mehr so groß ansehe und das ein Vorteil für den Düsseldorfer sein könne. 

Zum gesamten Video!

(DK)

 

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