Buntes

16-jähriger Österreicher steckt hinter Lego-Tischtennis-Clips

Und Action! Harald Müllers Zimmer verwandelt sich des Öfteren in ein Filmstudio (©privat)

22.05.2020 - Kennen Sie die Lego-Stopmotion-Videos von BrickHario, die in den vergangenen Wochen im Internet die Runde machten? Darin kann man zum Beispiel Timo Boll als Legofigur dabei bewundern, wie er Ma Long im World-Cup-Halbfinale 2017 besiegt. Dieser Film begeisterte nicht nur die Tischtennisfans, sondern auch den Rekordeuropameister selbst, der ihn auf seinem Facebookprofil teilte. Ein toller Erfolg für BrickHario, der erst 16 Jahre alt ist und aus Österreich kommt.

Die Illusion ist perfekt. Natürlich sind es nur Legofiguren, die wir in den Filmen des YouTubers BrickHario sehen. Doch wenn man die Lego-Versionen von Timo Boll und Ma Long dabei beobachtet, wie sie den Ball über den Tisch spielen und ihren Fans zujubeln, kann man fast vergessen, dass sich Legomännchen eigentlich nicht bewegen können. Die Technik, die der YouTuber für seine Videos verwendet, nennt sich ‚Stopmotion‘. Hierfür werden in mühevoller Kleinarbeit Hunderte Fotos geschossen, auf denen sich die Protagonisten und Requisiten nur minimal bewegen. Aneinandergereiht und mit der entsprechenden Software animiert sieht man im fertigen Video dann flüssige Bewegungen. Ein digitales Daumenkino quasi, das BrickHario nun auch auf die Tischtennisszene überträgt. Doch wer verbirgt sich hinter dem YouTube-Kanal mit 315 Abonnenten? Wir dürfen Ihnen Harald Müller aus Österreich vorstellen: 16 Jahre alt, Schüler der Medienschule „Die Graphische“ in Wien und seit September selbst im Tischtennisverein aktiv.

1000 Fotos, fünf Tage

„Es ist entspannend“, sagt Harald Müller auf die Frage, was ihm an der Produktion seiner Videos am meisten gefällt. „Und es ist toll zu sehen, wenn sich die Figuren dann tatsächlich bewegen - dass man aus Fotos Filme machen kann.“ Der 16-jährige Wiener hat sich auf eine Sonderform des Stopmotion-Films spezialisiert: den Brickfilm. Hier bestehen die Figuren, Requisiten und Kulissen aus Legosteinen. „Ich habe Lego schon immer gemocht“, erinnert sich Harald Müller. „Vor sieben Jahren habe ich dann mit Stopmotion angefangen.“ Wie viele Legosteine er inzwischen gesammelt hat, kann er gar nicht mehr sagen. „Aber sie sind alle nach Farben und Formen sortiert, damit ich sie schneller finde.“ Platz ist in seinem Zimmer also Mangelware, vor allem, wenn ein Dreh ansteht und auch noch die Kamera und Scheinwerfer aufgestellt werden. Dann verwandelt sich das Zimmer des 16-Jährigen in ein Filmstudio. 

Dabei geht der Schüler der „Graphischen“, der sein Hobby natürlich perfekt mit seinen Aufgaben an der Medienschule verbinden kann und das dort Gelernte in seinen Videos anwendet, höchst professionell vor. Wenn er zum Beispiel ein Tischtennisvideo produzieren will, sucht er sich zunächst ein reales Spiel aus, das er nachstellen möchte, und schreibt sich die einzelnen Spielzüge heraus. Als nächstes skizziert er die Einstellungen auf einem ‚Storyboard‘, um sich die späteren Szenen besser vorstellen zu können. Wenn das Studio eingerichtet ist und die Kulisse mithilfe vieler Legosteine aufgebaut wurde, schießt Harald Müller schließlich ein Foto nach dem anderen, überprüft die minimalen Bewegungen seiner Figuren auf dem Bildschirm und verbindet sie später am Computer miteinander. Hier wird auch der fliegende Ball digital eingefügt und Sound, Zeitlupen sowie Punktestände erstellt. „Ein zwei- bis dreiminütiges Tischtennisvideo von mir besteht aus etwa 1000 Fotos“, erklärt der Wiener. „Aber die Produktion geht eigentlich ganz schnell. Wenn ich nicht zur Schule muss, wie in der aktuellen Coronazeit, schaffe ich einen Tischtennisfilm innerhalb von fünf Tagen.“

Wenn Vorbild Boll das eigene Video teilt…

Auf BrickHarios YouTube-Kanal findet man über 30 Videos, davon haben die meisten nichts mit Tischtennis zu tun. Dass in letzter Zeit Ma Long und Timo Boll öfter in die Rolle der Protagonisten schlüpfen, ist kein Zufall. „Ich spiele selbst Tischtennis, seit September auch im Verein“, verrät der YouTuber. „Im Februar habe ich bei der Wiener U18-Meisterschaft den dritten Platz belegt.“ Ein Vorbild hat er dabei besonders im Kopf: „Timo Boll natürlich!“ Um so glücklicher war der Jugendliche, als ausgerechnet der technikbegeisterte Rekordeuropameister eines seiner Videos auf Facebook teilte. „Ich konnte es gar nicht glauben“, erzählt Harald Müller. „Wer soll es jetzt noch teilen? Besser geht es ja nicht mehr.“ Aber nicht nur Boll verbreitete das Video über seinen World-Cup-Erfolg gegen Ma Long, auch die ITTF sprang auf den Zug auf und BrickHarios Filme verbreiteten sich wie ein Lauffeuer in der Tischtennisszene. „Ich hatte vorher schon gedacht, dass es möglich ist, dass sich die Video verbreiten. Aber dass es dann auch wirklich passiert ist und so schnell ging, hat mich überrascht und wirklich sehr gefreut.“

Seine neu gewonnenen Fans will Harald Müller in nächster Zeit auch weiterhin mit Tischtennisvideos begeistern. „Auf jeden Fall bis September möchte ich das so weitermachen. Dann muss ich wieder normal in die Schule“, erzählt der Spieler des TTC Wohnpark Alterlaa, der beruflich nach seiner Ausbildung in der Filmbranche unterkommen möchte. Wir sind gespannt, welche spannenden Szenen aus der Tischtenniswelt wir bis dahin noch in der Legoversion bewundern dürfen.


Hier ist das neueste Video von BrickHario:

(JS)

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