Buntes

Arbeitslos: Freiberufliche TT-Trainer im Existenzkampf

Die Coronakrise macht Torben Wosik, Markus Reiter und Ingo Hansens ordentlich zu schaffen. (©privat)

07.04.2020 - Markus Reiter, Ingo Hansens und Torben Wosik haben eines definitiv gemeinsam. Alle drei sind hauptberufliche Tischtennistrainer und verbringen in einer normalen Woche viele, viele Stunden in der Halle. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie ist längst nichts mehr normal. Der Lockdown schränkt die Arbeit der Coaches zu 100 Prozent ein. Finanzielle Einbußen sind die Folge. Die Hoffnung auf Lockerungen besteht, doch die große Ungewissheit bleibt.

Die Hallen sind geschlossen, der Spielbetrieb komplett abgebrochen. Während sich die meisten deutschen Tischtennisspieler im Amateurbereich über ein ausgesetztes Hobby ärgern, macht die Krise den professionellen Tischtennistrainern derzeit deutlich mehr zu schaffen. "Außer E-Mails lesen, telefonieren und ein bisschen hoffen, dass man die nächste Saison planen kann, habe ich nicht viel zu tun", klagt Markus Reiter. Der 55-Jährige ist seit Urzeiten eine feste Größe im Trainergeschäft. Über 25 Jahre besitzt er die A-Lizenz, mit der es ihn bis in die erste Bundesliga führte.

Markus Reiter lebt von geschaffenen Rücklagen

Nach seinem Studium entschied sich Reiter seinen Traum zu verwirklichen. Er machte sein Hobby zum Beruf und wurde hauptberuflicher Tischtennistrainer. Aktuell durchläuft er die wohl schwierigste Zeit seiner langen Karriere. Markus Reiter befindet sich in einer Notsituation: "Ich bin kein angestellter Trainer (z.B. beim DTTB, LSB oder den Verbänden, Anm. d. Red.) und lebe momentan von meinen Rücklagen." Da auch alle Schulen dicht sind, liegen zudem sämtliche Seminare und Kurse auf Eis. Vom Prinzip her müsse bis zum 19. April ausgeharrt und gewartet werden, "bis die Politik ihr Osterei gelegt hat", so Reiter.

"Bis dahin hängt alles in der Schwebe. Erst dann kann von einer Drei-Monats-Perspektive gesprochen werden." Es ist ein Leben auf Sparflamme, das die Existenz von Tischtennistrainern massiv bedroht. Sollten die Maßnahmen irgendwann tatsächlich sukzessive gelockert werden, stünde der Tischtennissport nach Reiters Meinung jedoch eher an letzter Stelle. Die Befürchtung des Trainers: Je länger die Krise andauere, desto unsicherer und ängstlicher würden die Eltern, ihre Kinder wieder an einer Gruppenveranstaltung teilnehmen zu lassen. Ein großes Risiko, wenn man bedenkt, dass viele Vereine ohnehin vom Aussterben bedroht sind.

Hoffnung auf Hilfs- und Rettungspakete 

"Das Coronavirus könnte dazu führen, dass sich bestimmte Prozesse beschleunigen. Man wird sehen, was davon übrigbleibt", sagt Reiter. Das Leiden der Trainer in diesen Tagen ist groß. Der Verband Deutscher Tischtennistrainer hält seine Mitglieder auf seiner Homepage ständig auf dem Laufenden. Hoffnung machen könnten die versprochenen Hilfspakete und Rettungsschirme aus Bund und Ländern wie beispielsweise die Soforthilfe für Trainer*innen und Soloselbstständige. Markus Reiter steht diesen Hilfsprogrammen grundsätzlich positiv gegenüber. Aber: "Ob die selbstständigen Trainer, die diese Zuschüsse schnell brauchen, sie auch wirklich bekommen, wird sich zeigen."

In der „selbstständigen Trainerschaft“ hänge es viel mehr davon ab, ob genügend Rücklagen geschaffen worden sind. Fehlende Aufträge und laufende Kosten durch Mieten stellen die Trainer wirtschaftlich vor große Probleme. Auch im Arbeitsalltag von Ingo Hansens wurden die Uhren von jetzt auf gleich auf null gestellt. So ist auch der 49-Jährige auf die Unterstützung der Bundesregierung angewiesen. „Ich hoffe, dass das Geld vielleicht auch bei mir ankommt“, so Hansens optimistisch. 

Ingo Hansens: "Bin aktuell arbeitslos!"

"Ich bin aktuell arbeitslos", sagt der 49-Jährige, der sich während der Coronakrise viele Gedanken darüber macht, das Tagesgeschäft irgendwann wieder hochfahren zu können, sobald die Hallen wieder geöffnet werden. Mit festen Aufträgen ist seine Woche eigentlich komplett durchgeplant. Falls er möglicherweise schon im Mai wieder einsteigen könnte, hielten sich die Vorbereitungen in Grenzen. „Ich müsste nur wieder auf Play drücken und schon geht’s wieder los“, so Hansens.

Diesen Knopf würde auch Torben Wosik am liebsten sofort wieder betätigen. Der deutsche Meister von 1999 und 2008 war als Profi sehr erfolgreich und schaffte mit seinem Klub Hertha BSC kürzlich den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Doch auch der 46-jährige Familienvater hat hart mit den Maßnahmen zu kämpfen. Der Unterricht in der Wosik TT-Akademie ruht. „Finanziell und mental ist die Krise natürlich sehr stark zu spüren. Ich musste viele Lehrgänge absagen. Das ist für mich, die Kunden und das gesamte Trainerteam sehr schade“, sagt Wosik.

Torben Wosik: "Einzeltraining muss bald wieder möglich sein!"

Acht bis zehn Kunden pro Tag und Einsätze am Wochenende bilden die Berufsgrundlage Wosiks. Viele Kunden werden ungeduldig und fragten bereits nach Einzeltraining. „Wenn ich mit nur einem Kunden in der Halle bin, muss das natürlich irgendwann wieder möglich sein“, hofft Wosik. Mit getrennten Halleneingängen und den eingehaltenen Abständen am Tisch hält der 46-Jährige eine baldige Wiederaufnahme seines Trainingsbetrieb nicht für unwahrscheinlich.

Im Hintergrund schmiedet Torben Wosik bereits Pläne für die Zukunft. Neben Kindern und Jugendlichen gehören auch viele Senioren im Alter von 40 Jahren aufwärts zu seinen Stammkunden. Bis zum Saisonstart möchte Wosik seine ausgefallenen Lehrgänge dann nachholen. „Sobald die Hallen offen sind, wird am Wochenende danach direkt ein Lehrgang stattfinden“, versichert er. Soweit der weitere Verlauf der Corona-Pandemie es denn zulässt...

(FKT)

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