Buntes

Benedikt Duda: Alter Tisch in Papas Wintergarten als Plan B

Benedikt Duda würde am liebsten bald wieder in den normalen Turnieralltag zurückkehren (©Gohlke)

17.03.2020 - Das Coronavirus legt nicht nur die Tischtennisligen in Deutschland lahm, es hindert auch die Nationalspieler daran, ihrem gewohnten Trainingsalltag nachzugehen. Ab heute ist das Deutsche Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf auch für die Stars geschlossen, so dass diese nun zum Teil tatsächlich ohne Tisch dastehen. Wir haben mit Benedikt Duda über diese ungewohnte Situation gesprochen und gefragt, wie sich nun seine nächsten Wochen gestalten - so ganz ohne Wettkämpfe.

myTischtennis.de: Es ist ja fast schon ein wenig ironisch. Da hört man oft die Kritik aus dem Topsportbereich, dass der Turnierkalender zu voll sei und die Spieler von einem Termin zum anderen hetzen müssen. Und jetzt tritt ungewollter Weise das genaue Gegenteil ein. Wie fühlt sich diese Zwangspause gerade an?

Benedikt Duda: Es ist wirklich ziemlich ungewohnt. Man hat gerade unfassbar viel Zeit. Zumal seit heute das Tischtennis-Zentrum bis auf Weiteres geschlossen wurde und wir uns in der - durch das Coronavirus verursachten - Wettkampfpause doch nicht so gut vorbereiten können wie gedacht. Aktuell wissen wir nicht, ob und wo wir trainieren können.

myTischtennis.de: Das heißt, du hast gerade keinen Zugang zu einem Tisch? Hättet ihr im Notfall auch einen zu Hause in eurer WG?

Benedikt Duda: Das nicht, aber bei meinen Eltern steht noch ein alter Tisch im Wintergarten. Wenn sich das Problem nicht lösen sollte, werde ich wahrscheinlich dort mal vorbeischauen. 

myTischtennis.de: Gibt es denn einen Plan, wie man das Problem lösen will?

Benedikt Duda: Wir hoffen alle, dass das DTTZ schnellstmöglich wieder für uns zugänglich wird. Bis dahin sind wir auf uns alleine gestellt. Wir versuchen gerade alle, uns überall umzuhören und irgendwo einen Tisch aufzutreiben.

myTischtennis.de: Du gehörst ja zu den Trainingsfleißigsten im deutschen Team. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dich von der Tischproblematik vom Training abhalten lässt. Wie sieht dein Alltag aktuell aus?

Benedikt Duda: Gerade komme ich vom Laufen - das habe ich mit Krafttraining im Wald kombiniert. Und heute Nachmittag werde ich mir ein paar alte Videos meiner Spiele anschauen und mir aufschreiben, was ich im Training noch verbessern kann. Es geht also gerade eher in die Richtung Theorie und körperliche Fitness. Und ansonsten habe ich gerade tatsächlich ein bisschen mehr Zeit, um alte Freunde aus der Heimat zu treffen, zu lesen oder spazieren zu gehen. Nichtsdestotrotz hoffe ich, bald zu meinem normalen Alltag zurückkehren zu können.

myTischtennis.de: Ihr seid alle viel unterwegs, habt Kontakt zu Spielern, Schiedsrichtern, Offiziellen aus aller Welt. Schwang da bei dir in letzter Zeit ein wenig die Sorge mit, dich bei irgendwem anzustecken?

Benedikt Duda: Eigentlich nicht. Man hat das alles natürlich mitbekommen, aber ich habe versucht, mich davon nicht beeinflussen zu lassen, sondern vor allem meine Leistung abzurufen. Und das ist mir bei den letzten Turnieren, finde ich, auch gut gelungen. 

myTischtennis.de: Bist du denn in deinem Bekanntenkreis schon mit dem Coronavirus in Berührung gekommen?

Benedikt Duda: Zum Glück noch nicht - aber fast. Dang und Nils (Qiu und Hohmeier, Mitbewohner in Dudas WG, Anm. d. Red.) waren letzte Woche bei den Polish Open. Am Freitagmorgen bekam ich die Info, dass eine Spielerin dort unter Verdacht stand, mit dem Coronavirus infiziert zu sein. Und da Dang und Nils zurückkamen und das Haus nicht verlassen sollten, habe ich hektisch meine Sachen zusammengepackt und bin kurzzeitig ausgezogen. Allerdings nur für eine Nacht - denn am nächsten Morgen kam schon die Entwarnung, dass die Spielerin nicht infiziert sei. Vor ein paar Wochen noch schien das alles so weit weg zu sein - und dann war es fast bei einem zu Hause.

myTischtennis.de: Dein Kalender wurde wegen des Virus ziemlich durcheinandergewirbelt, zum Beispiel wurde der letzte Bundesligaspieltag gestrichen. Ist dieser Fall, dass Spieltage ausfallen, eigentlich auch in deinem Spielervertrag geregelt?

Benedikt Duda: Bei mir steht es nicht drin. Aber ich habe auch noch nie darüber nachgedacht. Tatsächlich hätte ich es mir im Traum nicht vorstellen können, dass das einmal passiert. Ich hätte gerne noch einmal für Bergneustadt gespielt. Da muss ich wohl bis September warten. 

myTischtennis.de: Und auch international wurde vieles gestrichen: Die WM ist verschoben worden, einige World-Tour-Turniere auch, Olympia ist noch ungewiss. Auf welche Ziele arbeitest du denn gerade hin?

Benedikt Duda: Das ist eine gute Frage. Sportliche Ziele habe ich mir erst einmal nicht gesetzt. Ich will mich vor allem als Spieler weiterentwickeln. Und wenn sich die Lage wieder beruhigt hat, setze ich mir wieder sportliche Ziele. 

myTischtennis.de: Eines davon wird sicherlich sein, als vierter Mann mit nach Tokio fahren zu dürfen, denke ich mir. Wie sehen deine nächsten Wochen aus, um dich dafür in Stellung zu bringen?

Benedikt Duda: Ja, es ist tatsächlich noch offen, wer als vierter Mann mit zu den Olympischen Spielen fahren darf. Aber wir werden in den nächsten Wochen sehen, wie es weitergeht. Ich schaue jetzt von Tag zu Tag und arbeite an meiner körperlichen Fitness. Das ist ja sehr gut möglich. Vielleicht fahre ich auch mal zu Hause vorbei und trainiere ein bisschen mit meinem Bruder - am alten Tisch im Wintergarten.

(JS)

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