Buntes

Für die Geschichtsbücher: Elfjährige für Tokio qualifiziert

Elf Jahre alt und schon für die Olympischen Spiele qualifiziert: die Syrerin Hend Zaza (©ITTF)

11.03.2020 - Als die elfjährige Syrerin Hend Zaza Ende Februar das Finale des westasiatischen Olympia-Qualifikationsturniers in Jordanien gewann, liefen ihr die Tränen die Wange herunter. Kein Wunder - denn dieser Sieg war nicht nur ein persönlicher Erfolg. Die Elfjährige wird die jüngste Tischtennisolympionikin der Geschichte sein, voraussichtlich die jüngste Athletin in Tokio - und sie ist die erste Tischtennisspielerin Syriens, die sich jemals für die Olympischen Spiele qualifizieren konnte.

Sie ist erst elf Jahre alt, hat aber schon einen Platz in den Sportgeschichtsbüchern sicher. Hend Zaza durfte sich dort mit ihrem Sieg beim westasiatischen Olympia-Qualifikationsturnier in Jordanien Ende Februar sogar mehrfach eintragen: als jüngste Tischtennisspielerin bei Olympischen Spielen, als disziplinübergreifend jüngste Teilnehmerin der Spiele in Tokio, als erste Sportlerin ihres Landes, die sich für einen olympischen Tischtenniswettbewerb qualifizieren konnte. „Es ist ein Geschenk für mein Land Syrien, meine Eltern und all meine Freunde“, sagte die Elfjährige nach ihrem Triumph, der ihr einen Startplatz im Damen-Einzel einbrachte.

Seit sechs Jahren spielt Zaza Tischtennis. In ihrer von Gewalt und Krieg gebeutelten Heimatstadt Hama habe ihr das Hobby eine Atempause von der schwierigen Lage vor ihrer Haustür geboten, wie die ITTF berichtet. Zum ersten Mal aufgefallen sei die damals Siebenjährige 2016 bei der West Asia Hopes Week und Challenge in Katar. Damals begleitete sie ihren Bruder und durfte mit den älteren Spielern trainieren, wobei sie prompt alle Blicke auf sich zog. Daraufhin wurde sie selbst als Teilnehmerin zur weltweiten Ausgabe des Förderprogramms geschickt. Inzwischen spielt Zaza für den Al-Muhafaza Table Tennis Club in Damaskus und trainiert an sechs Tagen die Woche jeweils für drei Stunden. Die Bedingungen seien dabei alles andere als optimal. Ihre Halle habe nur vier relativ alte Tische, einen Betonboden und werde regelmäßig von Stromausfällen heimgesucht, so dass man sich mit dem Training am Tageslicht orientieren muss.

Nichtsdestotrotz strotzt die Syrerin vor Trainingsfleiß. Das hat auch Eva Jeler, die Cheftrainerin im DTTB-Jugendbereich, bemerkt: „Ich habe sehr selten einen Spieler dieses Alters gesehen, der mit so viel Freude und Intensität trainiert“, wird sie von der ITTF zitiert. „Sie ging nie, um den Ball zu holen - sie lief. Während ihre Technik natürlich noch Verbesserungsbedarf hatte und hat, sind ihre Entschlossenheit, ihre Ausdauer und ihr Wille zu spielen und zu gewinnen, eine sehr gute Ausgangslage für künftigen Erfolg.“ Bei ihrem ersten großen Triumph in Jordanien konnte Zaza ihren Siegeswillen dann auch eindrucksvoll unter Beweis stellen. Im Halbfinale hatte sie sich schon nach einem 0:3-Rückstand zurückgekämpft. Und auch das Endspiel gegen die 31 Jahre ältere Libanesin Mariana Sahakian ging über sieben Sätze. In beiden Spielen lautete am Ende das Ergebnis: 4:3 für die Elfjährige, was auch dem Präsidenten des Syrischen Tischtennisverbands, Bassam Khalil gefiel: „Diese Qualifikation zeigt jedem einzelnen Spieler im Land, dass es wirklich möglich ist, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, und dass wir das Potenzial haben, es wieder zu tun. Der Konflikt in Syrien hat unsere Teilnahme an vielen Turnieren in den vergangenen Jahren verhindert, aber wir haben unser Bestes getan, um teilzunehmen und Tischtennis in unserem Land so lebendig wie möglich zu halten.“

Hend Zaza hat noch viel Zeit, weiterhin ihren Teil zur positiven Entwicklung des Tischtennissports in Syrien beizutragen. Mit ihrer Qualifikation sorgte sie auf jeden Fall schon einmal für viele Schlagzeilen in internationalen Medien. Auch eine andere Spielerin wird sich wegen ihres Alters in Tokio in die Geschichtsbücher eintragen: Die Luxemburgerin Ni Xialian wird mit ihren dann 57 Jahren die älteste Teilnehmerin an Tischtenniswettbewerben in der Olympiageschichte sein. Sollte es in Japans Hauptstadt also zufällig zum Generationenduell von Zaza und Ni kommen, liegen sage und schreibe 46 Jahre zwischen den beiden Kontrahentinnen. Auch das wäre schon fast wieder rekordverdächtig…

(JS/ITTF)

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