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Bald sechs Jahre Plastikball: ITTF-Materialexperte Küneth zieht Fazit

Wie zufrieden sind Sie inzwischen mit dem Plastikball? (©Koch)

07.02.2020 - Im Juli 2014 löste der Plastikball den Zelluloidball bei internationalen Turnieren ab. In den deutschen Bundesspielklassen, d. h. von den Oberligen bis zu den ersten Bundesligen, kam er (spätestens) ab der Spielzeit 2017/18 bei allen Spielen verpflichtend zum Einsatz, in den Ligen darunter ist er seit dieser Saison das einzig zulässige Spielgerät. Der Zelluloidball ist also endgültig verbannt. In einem ITTF-Artikel zieht Dr. Torsten Küneth, Mitglied des ITTF-Materialkomitees, ein Fazit zur Umstellung. 

Gründe für den Umstieg vom Zelluloidball auf den Plastikball gab und gibt es genug: Die Produktion von Zelluloid gilt als giftig und umweltschädlich und die hohe Brennbarkeit barg für Produzenten große Risiken. In einigen Ländern war das Material schon damals verboten, als die Entscheidung der ITTF fiel, dem Zelluloidball nach über 100 Jahren den Rücken zu kehren. Als Gefahrgut deklariert war der Transport der Bälle zudem stets sehr teuer gewesen.

Im Zuge der Umstellung, so schreibt es Torsten Küneth auf der ITTF-Website, seien die Zulassungsvoraussetzungen mit Blick auf Größe, Rundheit und Absprunghöhe verschärft worden. Die Hürden für die Produzenten, die mit neuem Material experimentierten, seien hoch gewesen. Man habe möglichst nahe an die Spieleigenschaften des Zelluloidballs herankommen wollen. "Es war eine große Herausforderung, rechtzeitig passable Bälle zu erhalten", schreibt Küneth und spielt damit auf die anfänglichen Probleme an. Die richtige Kombination von Härte, Rundheit und Absprunghöhe zu erhalten, sei nicht einfach gewesen. Doch man habe an den Zulassungsvoraussetzungen festgehalten, was sich bewährt habe. Denn "im Januar 2014 konnten alle Hersteller Modelle präsentieren, die die Labortests bestanden und am Ende des Jahres waren 26 verschiedene zelluloidfreie Ballmodelle in Umlauf", so Küneth weiter. 

Zunächst vor allem geringe Haltbarkeit
Natürlich sei die Entwicklung damit noch nicht abgeschlossen gewesen. Schließlich hätten die Bälle in dieser Zeit eine geringe Haltbarkeit gehabt und seien nicht ganz rund gewesen. Anfängliche Schwierigkeiten seien laut Küneth nicht zu vermeiden gewesen. Auch eine Verschiebung des Plastikballeinstiegs hätte diese Probleme nicht gelöst, denn es habe Fristen gebraucht. "Meiner Meinung nach hat der Umstieg wie geplant funktioniert", meint Küneth, "auch wenn das etwas unbesonnen klingt." Aber der Plan habe von vornherein umfasst, sich der Schwierigkeiten der Spieler und Trainer mit dem neuen Spielgerät anzunehmen. 

Forschung und Entwicklung hätten schließlich den ABS-Ball hervorgebracht, Mitte 2016 hätte diese zweite Plastikball-Generation den Markt erobert. Durch die längere Haltbarkeit und größere Rundheit hätten die Sorgen der Spieler abgenommen. Seit Ende 2019 seien nun fast 100 verschiedene zelluloidfreie Bälle auf dem Markt, produziert z. B. in China, Japan, Südkorea oder Deutschland. Das Entwickeln der Bälle habe am Anfang natürlich Millionen Dollar verschlungen. "Es war klar, dass das zunächst durch höhere Marktpreise kompensiert werden musste", so Küneth weiter. Die Preise seien aber gefallen, die Plastikbälle seien eben aufgrund der geringeren Entflammbarkeit leichter zu lagern und der Wettbewerb habe die Preise fallen lassen – zum Teil bis auf ein Niveau unterhalb des Zelluloidballs. 

Herweg: "Qualitätsunterschiede weiter reduzieren"
Claudia Herweg, "Head of Equipment" bei der ITTF, fügt zum Schluss des Artikels hinzu: "Die Abschaffung des Zelluloidballs war ein wichtiger Meilenstein, aber nicht der letzte. Der nächste wird sein, die Qualitätsunterschiede der Bälle zu reduzieren und ein finales Testverfahren zu definieren." Dazu sei als eine Maßnahme mit allen Herstellern ein zweitägiger Workshop anberaumt worden. "Wir wissen, dass wir die Qualität noch verbessern müssen. Wir nehmen es ernst, die Spieler auf der ganzen Welt zufriedenzustellen", so Herweg abschließend. 

Zum ITTF-Artikel

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(DK)

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