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Vom Nobody zum Helden: Dimitrije Levajac im Interview

Dimitrije Levajac hat sich beim Olympia-Qualifikationsturnier ins Rampenlicht gespielt (©ITTF)

06.02.2020 - Bis zum Olympia-Qualifikationsturnier im portugiesischen Gondomar war Dimitrije Levajac ein unbeschriebenes Blatt, die Achtelfinal-Teilnahme bei der Jugend-EM 2019 sein größter internationaler Erfolg. In Portugal trumpfte der 18-Jährige dann groß auf, hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Serbien Österreich und Hongkong schlug und das Ticket nach Tokio löste. Die gelungene Qualifikation mit dem Team bedeutet auch, dass zwei Serben im Einzel starten dürfen.

Hallo Dimitrije, Glückwunsch erst mal zur gelungenen Olympia-Qualifikation. Ihr seid als Nummer 27 der Setzliste in das Turnier gegangen – und es wurden nur neun Olympia-Startplätze ausgespielt. Hattet ihr euch da vorher überhaupt eine Chance ausgerechnet?

Dimitrije Levajac: Naja, niemand geht an den Tisch, um zu verlieren. Wir sind dahingefahren, um zu kämpfen und unser Bestes zu geben. Wenn man für sein Heimatland spielt, hat man sowieso eine Extra-Motivation. Man kämpft nicht nur für sich, sondern für sein Land. Das war die Quelle all unserer Energie, so konnten wir über uns hinauswachsen.

Du hast unter anderem Stefan Fegerl und Wong Chun Ting geschlagen. International bist du vorher noch nicht groß in Erscheinung getreten, warst im Januar die Nummer 397 der Weltrangliste - wie konnten dir solche Siege gelingen? 

Dimitrije Levajac: Ich habe zuletzt hart gearbeitet, nicht nur am Tisch, sondern habe auch mehr für meine Physis getan. Ich habe mir da die Hilfe von einem Professor der Uni Belgrad geholt, der schon mit vielen prominenten Sportlern zusammengearbeitet hat. Außerdem hatte ich in Portugal die Unterstützung meiner Teamkollegen, die sehr erfahren sind. Wir haben quasi jedes Match zu dritt gespielt und nicht alleine.    

Wie habt ihr euren Triumph im Anschluss gefeiert?

Dimitrije Levajac: In Portugal hatten wir gar keine Zeit zum Feiern, weil unser Flieger so früh ging. Am Flughafen in Belgrad haben dann viele Journalisten auf uns gewartet. Es hat uns sehr gefreut, dass wir die Medien auf uns und unseren Sport aufmerksam machen konnten. Serbien ist eine Sportnation, da ist es gar nicht so leicht, ein bisschen Raum in den Medien zu bekommen. Zuhause hatte ich dann noch eine kleine Feier mit Familie und Freunden, und meine Vereinskollegen haben mich mit einem kleinem Feuerwerk empfangen.

Kannst du schon so richtig glauben, dass du an den Olympischen Spielen teilnehmen wirst?

Dimitrije Levajac: Natürlich ist das der Traum eines jeden Sportlers. Und zugegebenermaßen hatte ich solche Pläne. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so früh passiert…

In der Weltrangliste bist du aktuell nur fünftbester Serbe. Weißt du schon, ob du in Tokio auch im Einzel antreten darfst?

Dimitrije Levajac: Das weiß ich noch nicht, die Entscheidung liegt bei den Trainern. 

Bist du eigentlich Tischtennisprofi?

Dimitrije Levajac: Nein, nicht so wirklich. Ich bekomme etwas Unterstützung von meinem Verein, und ich habe auch ein nationales Sportstipendium. Aber richtiger Profi bin ich nicht, ich benötige auch Unterstützung von meiner Familie. Letzten Sommer habe ich das Mathegymnasium abgeschlossen und ein Fernstudium begonnen, das ist für mich eine gute Variante, um mich mehr dem Sport widmen zu können. Ich lebe und trainiere in einer kleinen Stadt nördlich von Belgrad, Zrenjanin und spiele dort für einen Klub namens Banat.

Wie populär ist Tischtennis eigentlich in deiner Heimat Serbien?

Dimitrije Levajac: Nicht sonderlich, da gibt es weit populärere Sportarten. Dabei hatten wir in der Vergangenheit durchaus immer wieder sehr erfolgreiche Spieler wie Ilja Lupulesku, Zoran Kalinic, Milovije und Aleksandar Karakasevic oder Slobodan Grujic. Und wir haben viele erfolgreiche Para-Tischtennisspieler, zum Beispiel Paralympicssieger Zlatko Kesler.

Wann und wie hast du denn mit dem Sport begonnen?

Dimitrije Levajac: Ich habe mit sieben Jahren angefangen. Damals hatte ich Probleme mit dem Sehen, es wurde eine Hornhautverkrümmung diagnostiziert. Mein Augenarzt hat mir dann geraten, einen Sport mit schnellen, kleinen Bällen zu betreiben, wie Tennis oder Tischtennis. Wir wohnten damals in Moskau, meine Eltern haben sich dann in der Nachbarschaft umgesehen und fanden eine Musikschule, wo im Keller Tischtennistraining stattfand. Es gab dort viel Staub und wenige Tische - und einen wundervollen alten Mann, der es geschafft hat, dass ich mich in den Tischtennissport verliebe. Sein Name ist Vladimir Borisovich Shiy, er hat mich bis zum zehnten Lebensjahr trainiert. 

Hast du spezielle Vorbilder?

Dimitrije Levajac: Zhang Jike und Vladimir Samsonov, das sind beides Legenden. Ich mag Zhangs aggressiven Stil. Samsonov ist ein ganz anderer Spielertyp. Ich mag es, seine Spiele anzuschauen und von ihm zu lernen. Wir haben eine ähnliche Statur und Größe. Ich sauge quasi alle seine Tricks und Kniffe auf.
 

In der Februar-Ausgabe des Magazins tischtennis, die am 7. Februar erscheint und einen Tag vorher (ab 15 Uhr) bereits als E-Paper verfügbar ist, lesen Sie mehr über Levajacs Werdegang und seinen Triumph beim Olympia-Quali-Turnier. Er ist der „Spieler des Monats“, den die tischtennis-Redaktion künftig in jeder Ausgabe kürt. Zur Magazin-Webseite!

(sue)

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