Buntes

1249 Einzel im Jahr! Lüner holt sagenhaften Rekord

Im Oktober hatte Dominik Rautert sein Ziel erreicht, später schraubte er den Rekord noch auf 1249 Einzel hoch (©privat)

18.01.2019 - Wie viele Einzel haben Sie im vergangenen Jahr gespielt? 50? 100? Vielleicht sogar 200? Dann können Sie sich vielleicht grob vorstellen, was es bedeutet, 1249 Einzel im Jahr zu spielen, so wie es Dominik Rautert aus Lünen 2018 getan hat. Gerechnet auf das ganze Jahr bestritt der 31-Jährige also durchschnittlich drei bis vier Matches am Tag und sicherte sich so den Weltrekord. Möglich machte es die Turnierserie ‚andro WTTV-Cup‘, die besonders für Vielspieler interessant ist.

Am 21. Oktober 2018 um 20:50 Uhr hatte es Dominik Rautert geschafft. Dann hatte er die 1203 Einzel zusammen, die nötig waren, um die Messlatte zu überspringen, die Dr. Ingo Bettges vom TSV Erding aufgestellt hatte. Bettges war Anfang 2015 der erste myTischtennis.de-User, der für 1000 saisonübergreifende Einzel den Dino-Badge ergattern konnte. Später schaffte er es sogar, in zwölf Monaten 1202 Matches zu bestreiten. Diesen - inoffiziellen - Rekord machte ihm Rautert im Oktober streitig und übertrumpfte ihn sogar: Nach Ablauf des Jahres 2018 hatte der Spieler vom TTV Preußen Lünen sage und schreibe 1249 Einzel gespielt und ließ diese Zahl offiziell vom ‚Rekordinstitut für Deutschland‘ aufnehmen. Damit hält der 31-Jährige nun den Weltrekord für die meisten Tischtenniseinzel in einem Jahr.

„Ab Ende Februar ein Selbstläufer“

„Ursprünglich wollte ich mich eigentlich nur für das andro WTTV-Cup-Finale über die Anzahl der Turnierteilnahmen qualifizieren“, erzählt Rautert, wie die Rekordjagd begann. „Im Februar habe ich dann mal aus Spaß gegoogelt, wo eigentlich der Rekord liegt.“ Nachdem der Offensivspieler von den über 1200 Einzeln von Ingo Bettges erfahren hatte, wollte er die Flinte schon fast ins Korn werfen. Doch er spielte trotzdem fleißig weiter und fasste Anfang Juli, als er nach einer zwischenzeitlichen Hochrechnung erkannte, dass er es noch schaffen könnte, den Entschluss, es nun auch durchzuziehen. „Weil beim Rekordinstitut keine offizielle Zahl hinterlegt war, hätte ich an dem Punkt schon aufhören können, um den Weltrekord zu holen. Aber so viel Sportler ist man dann natürlich, dass man den bisher Besten auch schlagen will“, erzählt der Lüner. Ein direktes Duell zwischen den beiden Vielspielern gab es sogar auch, nachdem Bettges von Rauterts Vorhaben erfahren hatte. Der Bayer kam im Rahmen eines 24-Stundenturniers für eine Runde in der Lüner Halle vorbei, unterlag dem etwa 100 TTR-Punkte Besseren allerdings äußerst knapp mit 2:3.

Die beiden 24-Stundenturniere, die der TTV Preußen Lünen im vergangenen Jahr ausrichtete, halfen Rautert natürlich, auf einen Schlag eine Menge Einzel zu bestreiten. Zudem erklärte sich der Bezirksklassespieler bereit, sich jeden Sonntag um die Organisation eines andro WTTV-Cups in Lünen zu kümmern, an denen er selbstverständlich auch teilnahm. Insgesamt kam der TTV so auf 170 Turniere - das sind 29 % aller WTTV-Cups im Jahr 2018. Für Rautert war dies praktisch, für den Verein durchaus lukrativ. Bevor es die Turnierserie gab, hatte man die Vereinskasse einmal im Jahr mit der Ausrichtung der Lüner Open aufgebessert, nun floss regelmäßig Geld, mit dem man am Ende des Jahres neue Trainingsanzüge für alle Vereinsmitglieder finanzieren konnte. Und Rautert hatte regelmäßig Turniere vor der Haustür, bei denen er auf einen Schlag mehrere Einzel spielen konnte. Teilweise stand der Kaufmann im Großhandel, dessen Job dies dank geregelter Arbeitszeiten erlaubte, sechs Tage in Folge am Tisch. „Am Anfang des Jahres war ich morgens schon ziemlich k.o.“, erinnert sich Rautert. „Da habe ich auch noch mit Magnesium und Eisen gearbeitet. Aber ab Ende Februar war das ein absoluter Selbstläufer, da hatte ich keinen Muskelkater mehr.“

Vor dem Meisterschaftsspiel noch schnell ein Turnier

Kein Wunder, dass sich bei solch einem Pensum auch die Leistungen verbessern. Rautert erreichte sein großes Ziel, die 1700er-Grenze zu knacken und wunderte sich, dass ihm durch die gewonnene Muskelmasse die Boxershorts nicht mehr passten. Und auch im Vergleich mit seinen Teamkameraden merkte er, dass er sehr viel länger durchhalten konnte. „Wenn ich denen gesagt habe, dass ich vor dem Meisterschaftsspiel noch schnell ein Turnier spiele, haben sie schon manchmal gesagt, dass ich bekloppt bin“, lacht Rautert. „Aber sechs Spiele an einem Tag mache inzwischen locker, das ist nicht wirklich anstrengend für mich.“ Glücklicherweise nahm seine Partnerin, die für dieselbe Firma wie Rautert arbeitet und ihren Freund dadurch zumindest tagsüber sah, es locker, wenn er nach der Arbeit und am Wochenende von Cup zu Cup reiste. Und selbst im 14-tägigen Ägyptenurlaub, der eigentlich tischtennisfrei sein sollte, konnte es der 31-Jährige nicht lassen. „Da habe ich bei der Hotel-Olympiade mitgespielt“, lacht Rautert, der sich über diese Unterbrechung der TTR-relevanten Spiele schon fast ein wenig ärgerte. Da war es nur die logische Konsequenz, am Morgen nach der Rückkehr um 9 Uhr wieder am Tisch zu stehen, auch wenn man erst um 23 Uhr angekommen war.

„Es war schon etwas verrückt“, gibt Rautert zu, „aber den Spaß am Tischtennis habe ich in dieser Zeit nie verloren. Ich habe in dem Jahr 500 neue Menschen durch die Cups kennengelernt. Da waren dann natürlich bei jedem Turnier, zu dem ich gefahren bin, auch Bekannte.“ Denen hatte er natürlich auch von seinem Vorhaben erzählt. Aufgeben war also keine Option. „Trotzdem werde ich das so nie wieder machen“, ist sich Rautert sicher, der in den ersten Wochen des Jahres 2019 aber auch schon wieder 56 Einzel bestritten hat und in diesem Jahr drei Mannschaften zum Aufstieg verhelfen will. „Ich könnte mir vorstellen, dass Ingo Bettges den Rekord knacken will. Auf jeden Fall wird es ein Spieler, den ich auf einem andro WTTV-Cup kennengelernt habe und der in der nächsten Saison für uns spielen wird, versuchen.“ Michael Ulbrich hat dabei seine volle Unterstützung und kann sich sicherlich einige gute Tipps abholen. Rautert selbst hatte es in seinem Rekordjahr von April bis Juni etwas ruhiger angehen lassen und nur am Wochenende gespielt. „1800 Einzel sind realistisch zu schaffen, wenn man voll durchzieht“, glaubt Rautert. „Ich drücke ihm die Daumen, dass er es schafft.“ 

(JS)

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