Pro vs. Contra

Pro vs. Contra: Auf- und Abstieg im Winter – ja oder nein?

Theoretisch könnte schon im Winter eine Meisterschaft gefeiert werden (©Fabig)

08.01.2019 - Nach der Hinrunde spricht man vom ‚Herbstmeister‘, aber kaufen kann man sich von diesem Titel nichts. Schließlich markiert das Ende dieser Runde erst die Halbzeit der Saison, an deren Ende dann die wirkliche Meisterkrönung steht. Unsere beiden Streithähne Lennart Wehking und Jan Lüke beschäftigen sich im Pro vs. Contra diesmal mit der interessanten Frage, ob auch im Winter abgerechnet - und dann auch auf- und abgestiegen - werden sollte.

PRO

Das alte Jahr geht zu Ende, aber die alte Saison geht weiter. In den ersten Wochen des neuen Jahres nimmt das Tischtennis-Spieljahr wieder Fahrt auf. Und wie im echten Leben abseits des Tisches poppen die guten Vorsätze auf: Man will für diese oder jene Niederlage Revanche nehmen, TTR-Punkte einsammeln oder die schwarze Serie an Fünf-Satz-Niederlagen endlich enden lassen. Aber hat die zweite Saisonhälfte überhaupt denselben Drive wie die erste? Oder ist der Start in die Rückrunde eigentlich nur eine lange Zielgerade, auf der die allermeisten Mannschaften ohnehin nicht mehr zum Endspurt ansetzen müssen? Meistens doch wohl Letzteres. Und das muss nicht sein. Wenn es nach mir ginge, bräuchte es keine Hin- und Rückrunde. Stattdessen könnte man jedes halbe Jahr wieder von vorne anfangen: Auf- und Abstiege im Winter, danach geht es mit neuen Gegnern oder gleich in einer neuen Liga weiter.

10:10 Punkte, eine knapp positive Spieldifferenz. Meine Mannschaft wird in dieser Saison nicht aufsteigen und nicht absteigen. Wir sind graues Mittelmaß. Wir können uns mit viel Optimismus und nach fünf Bier auf der Weihnachtsfeier noch ins Aufstiegsrennen rechnen oder mit viel Pessimismus in den Tabellenkeller. Passieren wird beides nicht. Das wissen wir schon zur Saisonhalbzeit, dafür brauchen wir die Rückrunde nicht. (Und falls wir doch noch absteigen, hat es diesen Text natürlich nie gegeben.) Wie uns geht es vielen Mannschaften. Und in der Rückrunde werden es mit jedem Wochenende mehr. Mannschaftskapitäne können ein Lied davon singen, dass es mit jedem Spieltag schwieriger wird, eine Mannschaft zusammenzukratzen. Dass es auch den Gegnern so ergeht, lässt sich Woche für Woche daran ablesen, dass sie ihre Mannschaft mal wieder mit ein paar Jugendspielern auffüllen.

Der personelle Aderlass mag auch daran liegen, dass eine Tischtennissaison mit allwochenendlichen Spieltagen eine recht lange Angelegenheit werden kann, bei der einem schon mal die Motivation abhandenkommen kann. Das hat aber meiner Meinung nach vor allem den Grund, dass die sportlichen Anreize im Laufe einer Saison irgendwann auf der Strecke bleiben. Es geht um nichts mehr – wenn man vom Bier danach in der Kneipe um die Ecke mal absieht.

Mir mag so recht kein Grund einfallen, warum eine Saison erst vorbei sein soll, wenn man gegen jede Mannschaft zweimal gespielt hat. Damit man auch wirklich alle Sporthallen der Region kennen lernt? Wohl kaum. Die Saison zu halbieren, hätte dagegen viele Vorteile: Es liegt in der Natur der Dinge, dass man dann länger um den Aufstieg oder gegen den Abstieg spielt. Auch rotieren die Gegner schneller, man steht gegen mehr Vereine und Spieler am Tisch. Und falls man mal in einer Liga gelandet ist, die nicht dem eigenen Niveau entspricht, ist man schneller wieder dort, wo man eigentlich hingehört.

Wenn wir schon in dieser Spielzeit aus einer Saison zwei gemacht hätten, dann wäre das alte Jahr auch mit einem gebührenden Spektakel zu Ende gegangen: Wir hätten bis zwei Spieltage vor dem Saisonende gegen den Abstieg gespielt und uns dann mit zwei Siegen so gerade noch rechtzeitig ins Tabellenmittelfeld gerettet. Leider aber war es erst das Ende der Hinrunde – und für uns geht’s im Niemandsland der Tabelle weiter. 

(Jan Lüke)

CONTRA

Der Weihnachtsbaum ist gerade abgeschmückt, das Jahr 2019 feierlich begrüßt worden, schon steht die erste Partie der Rückserie auf der Agenda. An diesem Wochenende startet ganz Tischtennis-Deutschland in die zweite Hälfte der Saison - bestimmt mit einigen sportlichen Vorsätzen und großem Ehrgeiz, das zweite Aufeinandertreffen (noch) erfolgreicher zu gestalten. Ich mag diesen zweiten Turn in der Saison und dass nicht nur aus dem rein persönlichen Motiv, weil ich in der Regel besser spiele als noch im Herbst. In der Rückrunde geht es ums Ganze, die Entscheidungen im Ligabetrieb über Auf- und Abstieg rücken näher: Nach dem Abtasten in der Vorrunde liegen die Verhältnisse und Ansprüche von Mannschaften und Spielern klar auf dem Tisch. Es geht also nicht bei 0:0 los, sondern mit völlig anderen Vorzeichen: Wer kann seine Lehren aus dem ersten Turn ziehen? Welche Mannschaftsumstellung bringt die erhoffte Trendwende? Kann man durch den Heimvorteil eine fiese Schlappe in der Ferne vergessen machen? Lag es wirklich nur an der brillanten (oder desolaten) Tagesform? In der zweiten Runde ist für genug Spannung gesorgt und deshalb ist die Rückserie für mich unabkömmlich! 

Natürlich steigt die Fieberkurve nicht bei allen Teams in der Liga gleich rasant an. Nicht alle grüßen wie wir als Weihnachtsmeister von ganz oben in der Tabelle und haben mit dem Ziel Meisterschaft einen ganz besonderen Anreiz in der Rückrunde. Im gesicherten Mittelfeld platzierte Mannschaften agieren fernab von Aufstiegsrennen und Abstiegskampf; dennoch können neue Ziele definiert werden, die Spannung sollte auch aufgrund der persönlichen Ziele hoch genug sein. Und was ist so schlimm daran, mal mit ein bisschen weniger Druck das persönliche und mannschaftliche Leistungsbarometer nach oben schrauben zu können? Das eine oder andere Derby, die eine oder andere offene Rechnung liegt mit Sicherheit auch für die Mittelfeldteams an, so dass die zweite Spielrunde so oder so einen Mehrwert bietet und abwechslungsreich bleibt. 

Ich würde sogar behaupten, dass die Rückrunde doch eben diese so charmante Chance auszeichnet, beim zweiten Kräftemessen cleverer zu agieren, den Gegner mit neuen Spielzügen zu überraschen, eine knappe, unglückliche Pleite vergessen zu machen. Außerdem verändert sich in vielen Mannschaften das Gesicht. Entweder werden intern Positionen getauscht oder aus der nächsthöheren oder -tieferen Equipe stößt ein neues Teammitglied hinzu – dadurch verändern sich nicht selten rasch alle Vorzeichen für die zweite Hälfte der Spielzeit. Nicht zu vergessen der Wechsel des Heimrechts in der zweiten Runde der Saison: es ist doch mehr als fair, nach einem heißen Auswärtstanz den Gegner zum Showdown in den eigenen vier Hallenwänden zu begrüßen. 

Der Auf- und Abstieg im Winter würde in meinen Augen extrem viel Hektik in eine Saison bringen und die sportlich sinnvolle Option des bisherigen Systems zerstören, sich dem Niveau anzupassen, Gegner zu analysieren und durch eine zweite Spielrunde das ‚echte‘ Leistungsvermögen in einer Liga darzustellen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Idee von einer Spielzeit über ein ganzes Jahr, wie sie ja auch traditionell in allen anderen Mannschaftssportarten umgesetzt wird, damit ad acta gelegt werden würde. Somit könnte man nur in jede zweite ‚Saison‘ mit einer Sommer- oder eben Wintervorbereitung starten und hätte keinerlei Möglichkeit, einen miserablen Saisonstart durch spätestens ein Trainingslager unterm Weihnachtsbaum wett zu machen – nein, eine Saison muss aus einer Hin- und Rückrunde bestehen!

(Lennart Wehking)

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