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Omar Assar: Trotz Ärger mit Ägyptens Verband den nächsten Schritt machen

Im Interview sprach Omar Assar u. a. über seine Ziele mit der Borussia aber auch die Probleme mit Ägyptens Verband (©Wendeler)

09.08.2018 - Zur Saison 2017/18 wechselte Omar Assar vom französischen Klub Istres TT zu Werder Bremen. In dieser Spielzeit schlägt der Ägypter nun für Borussia Düsseldorf auf. Im Interview spricht der 27-Jährige über die Zeit in Bremen, den Wechsel zu Düsseldorf, seine Probleme mit dem ägyptischen Verband und seinen Rivalen aber gleichzeitig auch sehr guten Freund Quadri Aruna.

myTischtennis.de: Nach einem sehr ordentlichen Jahr in Bremen bist du vor der Saison zu Borussia Düsseldorf gewechselt. Wie ist der Kontakt zustande gekommen, wie der Transfer über die Bühne gegangen?

Omar Assar: Ich bin in Düsseldorf viele Male für Trainingseinheiten gewesen. Nicht nur im letzten Jahr, auch schon davor häufiger. Ich habe die Trainingsmöglichkeiten, die es hier gibt, immer genossen, sowohl die Anlage als auch die Masse an Sparringspartnern und die unterschiedlichen Spielertypen. Hier hatte ich immer das Gefühl, mich zu verbessern. Im letzten Jahr sind wir mit Bremen dann gut in die Saison gestartet und vor dem World Cup in Belgien Mitte Oktober organisierte der Verein ein Trainingslager hier für mich. Ich hatte vorher gute Spiele in der TTBL absolviert und Andreas Preuß bat mich zu einem Gespräch, in dem er mich fragte, was ich von Borussia Düsseldorf halte, ob ich die Gruppe hier mag etc. Beide Seiten haben ihr Interesse bekundet, im November wurde über Details gesprochen und es kam zum Vertragsabschluss.

myTischtennis.de: Was bedeutet es dir für diesen Klub zu spielen? 

Omar Assar: Ich spüre eine große Verantwortung, der Klub hat eine große Geschichte, viele Weltklassespieler haben hier schon gespielt. Ich sehe es für mich als eine große Chance, ein noch besserer Spieler zu werden. Und wie schon erwähnt: Die Trainingsmöglichkeiten hier, das Management und alles drumherum ist fantastisch. Wenn man einen Schritt nach vorne machen will, dann ist man hier richtig. 

myTischtennis.de: In der letzten Saison hat die Borussia das Triple gewonnen. Was sind die Ziele des Klubs in dieser Saison und welche persönlichen Ziele hast du mit der Borussia? 

Omar Assar: Das Triple noch einmal zu gewinnen, wird natürlich nicht einfach. Ich habe mir in der letzten Saison viele Spiele angeschaut, für die Play-offs die Daumen gedrückt. Ich persönlich schaue von Match zu Match, denke noch nicht an Titel. Ich habe jetzt erst einmal den Saisonstart im Blick, mache mir noch keine Gedanken über Play-offs etc. 

myTischtennis.de: Wie bewertest du im Rückblick deine Zeit in Bremen? Beim Publikum warst du beliebt, hast den Verein nach 'nur' einem Jahr aber schon wieder verlassen...

Omar Assar: Ich hatte eine tolle Zeit in Bremen. Der Verein war meine erste Station in der Bundesliga, daher werde ich diese Erfahrung nie vergessen. Ich habe immer davon geträumt, in der Bundesliga zu spielen, weil sie die beste Liga in Europa ist. Wir hatten einen guten Start mit Bremen, haben die Tabelle angeführt, waren nach der Vorrunde Tabellenzweiter. U. a. durch Verletzungssorgen haben wir die Play-offs verpasst. Das hatten wir uns sicherlich anders vorgestellt. Trotzdem blicke ich auf ein sehr gutes Jahr zurück, eine wichtige Erfahrung. Mit dem Wechsel nach Düsseldorf will ich den nächsten Schritt machen, das habe ich Cristian Tamas, Sascha Greber und meinen Mannschaftskollegen so erklärt, die alle Verständnis dafür hatten. 

myTischtennis.de: Du hast nun schon in Schweden, Dänemark, Frankreich und Deutschland gespielt. Welche Unterschiede siehst du, welche Gemeinsamkeiten? 

Omar Assar: Ich hatte immer das Glück, bei Klubs zu sein, die den Anspruch hatten, oben mitzuspielen. Um diese Ziele zu erreichen, muss man natürlich auch etwas tun, mehr Einheiten trainieren als der Rest, das war eigentlich bei allen Vereinen so. Die Unterschiede liegen in der Spielstärke. In Schweden z. B. haben Spieler gespielt, die international nicht so erfolgreich waren, im Ligabetrieb aber starke Leistungen abgerufen haben. In Frankreich gibt es Top-30-Spieler, in Deutschland sogar Top-10-Spieler. Die Vorbereitung auf Duelle mit solchen Spielern sieht da noch einmal ein bisschen anders aus.  

myTischtennis.de: Wohl auch deshalb hast du im Dezember begonnen, mit dem langjährigen Bundesligaspieler und jetzigen Trainer Chen Zhibin zusammenzuarbeiten, Extraschichten zu schieben. Wie ist der aktuelle Stand bei dieser Geschichte? 

Omar Assar: Wir haben drei Monate gut zusammengearbeitet. Die Entfernung zwischen Grenzau, wo er als Trainer arbeitet, und Bremen zu der Zeit war aber zu groß, unser beider Terminplan zu voll. Er hat sehr gute Ideen eingebracht, ich habe eine Menge mitgenommen. 

myTischtennis.de: Im Juli bist du in die Schlagzeilen geraten, weil du bei den Mittelmeer-Spielen mit einem Betreuer eurer Nationalmannschaft aneinandergeraten bist. Im Raum steht eine einjährige Sperre des ägyptischen Verbands für sämtliche internationale Turniere...

Omar Assar: Mit dem Verband hat es schon viele Auseinandersetzungen in der Vergangenheit gegeben. Sie arbeiten mit Spielern zusammen, die nur kurzfristige Ziele haben, arabischer Meister oder  Afrikameister werden wollen. Diese Ziele habe ich schon früh erreicht, war mit 17 Afrikameister. Ich habe höhere Ziele, der Verband gibt sich mit wenig zufrieden, wir sind da unterschiedlicher Ansicht. Der Verband arbeitet nicht so professionell, wie er sollte. Die Meinung der Leute dort interessiert mich nicht so sehr. Ich will immer den nächsten Schritt gehen. Ich will mich beweisen, in die Top 20, vielleicht auch irgendwann in die Top 10 einziehen und die angestrebten Ziele mit Borussia Düsseldorf erreichen. 

myTischtennis: Ist es wahr, dass du im Zuge dessen die schwedische Staatsbürgerschaft annehmen willst?

Omar Assar: Aktuell geht die Tendenz nicht in diese Richtung. Ich habe lange in Schweden gelebt und gearbeitet. Daher habe ich eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Laut Gesetz könnte ich die schwedische Staatsbürgerschaft beantragen, das habe ich aber erstmal nicht vor. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt...

myTischtennis.de: In Afrika ist Quadri Aruna dein größter Konkurrenz. Trotz der Rivalität scheint ihr gut miteinander auszukommen...

Omar Assar: Wir sind sehr gute Freunde, coachen uns gegenseitig bei Turnieren. Ich habe großen Respekt vor ihm. Er hat viel erreicht, obwohl das Umfeld in Nigeria das damals eigentlich nicht hergegeben hat. Er hatte kaum Unterstützung, hat die Leute aber dazu gebracht, an ihn zu glauben. Quadri hat in den letzten Jahren einige hochklassige Spieler geschlagen, bei den Olympischen Spielen in Rio ist er ins Viertelfinale eingezogen. Trotz schlechter Voraussetzungen hat er es weit gebracht, dafür bewundere ich ihn. In den letzten zehn Endspielen bei Afrikameisterschaften haben wir gegeneinandergespielt. In der Halle ist er ein toller Spieler, außerhalb der Halle ein toller Typ!

myTischtennis.de: Du hast von schwierigen Voraussetzungen gesprochen, wie sahen die Umstände denn in deinem Fall aus?   

Omar Assar: Ich habe sehr früh angefangen, mit vier Jahren. Mein Vater arbeitete in Teilzeit als Trainer. So habe ich viel Zeit in der Halle verbracht. In der Nähe von Alexandria habe ich in einem Verein angefangen, es hat mir viel Spaß gemacht, ich habe mich schnell verbessert. Dann hat unser Vater beschlossen, dass wir in die Nähe von Kairo ziehen, mein Bruder und ich uns da einem großen Klub anschließen, dem größten in Afrika sogar. Da habe ich dann ein paar Jahre gespielt, bevor es mit 13, 14 nach Schweden ging.

myTischtennis.de: Wo soll es denn noch hingehen in deiner Karriere?   

Omar Assar: Es war immer mein Ziel, mit Ägyptens Mannschaft einen Titel für mein Land zu gewinnen. Das Ziel sehe ich dahinschwinden durch das schlechte Management des Verbands. Ihre Pläne wechseln ständig. Das ist schwer für mich zu akzeptieren. Ich glaube immer noch daran, will mich nun aber auf die Saison mit Borussia konzentrieren. 

(DK)

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