Buntes

Pitchford spricht offen über Depressionen in der Vergangenheit

Hatte mit Depressionen zu kämpfen: Englands Nummer eins Liam Pitchford (©ITTF)

01.08.2018 - Vor zwei Jahren verließ Liam Pitchford die TTF Liebherr Ochsenhausen und schloss sich Hennebont TT in Frankreich an, obwohl er bei den Oberschwaben noch einen für eine Saison gültigen Vertrag besaß. Von "starkem Heimweh in Verbindung mit Trennungsschmerz" war damals in der TTF-Pressemitteilung die Rede. Offen sprach der Engländer nun gegenüber der ITTF auch über Ängste und Depressionen, die ihn seit einigen Jahren begleiteten.

Ein Auslöser sei der plötzliche Tod des langjährigen TTF-Präsidenten Rainer Ihle im Jahr 2013 gewesen: "Vor mehr als vier Jahren habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt und ich nicht glücklich bin. Ich wurde vom Tod des Klubpräsidenten erschüttert, merkte, dass meine Tischtenniskarriere stagniert und ich ein wenig Leidenschaft für den Sport eingebüßt hatte. Ich fühlte mich beim Training nicht wohl, hatte wenig Selbstwertgefühl und spielte mit dem Gedanken, aufzuhören", erklärt Pitchford in einem ITTF-Artikel offen. "Ich mag es nicht, über Dinge zu sprechen. Ich habe versucht, die Dinge für mich zu behalten, ich wusste damals nicht viel über mentale Probleme. Ich habe versucht, damit klarzukommen, und habe mit niemandem darüber gesprochen", so der 25-Jährige weiter. 

Leistung am Tisch brachte Pitchford trotz seiner privaten Probleme auch weiterhin, sowohl für den Klub als auch für die englische Nationalmannschaft, mit der er im März 2016 bei der WM überraschend Bronze gewann. Laut einer TTF-Pressemitteilung aus demselben Monat hatte man in Ochsenhausen versucht, seinen Schützling, der schon als 16-Jähriger ins Schwabenland ans Liebherr Masters College gekommen war, mit sporttherapeutischer Unterstützung zu betreuen – ohne Erfolg. Um künftig mehr Zeit mit seiner in Schweden lebenden Freundin und in seiner englischen Heimat verbringen zu können, wechselte Pitchford nach Frankreich, da die Spieler dort erst kurz vor ihren Einsätzen anreisen und nicht in feste Trainingsgruppen vor Ort integriert sind. "Wir sind Liam nicht nur als Spieler, sondern auch menschlich verbunden. Es hat mit seinem Wohlbefinden zu tun – und das ist hier derzeit angesichts seiner privaten Situation nicht gegeben", erklärte Kristijan Pejinovic zum Abschied von Pitchford aus Ochsenhausen. Der Engländer habe sich in den letzten Monaten zusammengerissen und werde auch in den verbleibenden Spielen alles für den Klub geben, "wir halten es aber auch für angebracht, dass er sich eine Auszeit nimmt, um wieder zu sich selbst zu finden", so der TTF-Präsident Ende März 2016. 

"Die Leute sollten darüber sprechen"
Damals wandte sich Pitchford auch an den englischen Verband, über den der Kontakt zur Psychologin Ceri-Ann Davies entstand. "In einem Gespräch trat alles zutage. Da wusste ich, dass ich meinen Zustand verbessern und wieder die Person werden musste, die ich vorher war. Als ich mehr über das Thema seelische Gesundheit erfahren hatte und dass bei jedem Menschen Probleme damit auftreten können, ging es mir sofort besser und es fiel eine Last von mir ab." 

Seitdem habe er mit Davies zusammengearbeitet und Strategien erarbeitet, die er nutzen kann, um vor und während Spielen mit Drucksituationen umzugehen. Viel hätten ihm in dieser Zeit auch seine Familie und seine Freundin geholfen. Über seine Probleme zu sprechen, sei im Rückblick enorm wichtig gewesen: "Über die seelische Gesundheit zu sprechen, ist immer noch verpönt. Ich möchte die Leute ermutigen, darüber zu reden. Als ich mich das erste Mal geöffnet habe, habe ich mich gleich besser gefühlt." Es müssten nicht zwingenderweise Gesprächspartner sein, die man kennt. Es gibt auch sonst Leute, die einem dabei helfen." Damit zielt Pitchford auf "Samaritans" ab, eine Organisation, die im Vereinigten Königreich und in Irland Telefonseelsorge anbietet und die der 25-Jährige in Zukunft unterstützen wird. 

(DK)

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