Buntes

Champions Tour: "King-Kara" gewinnt das Finale in Muggensturm und die Gesamtwertung

Das Endspiel in Muggensturm gewann Aleksandar Karakasevic glatt in drei Sätzen gegen Kilian Ort (©Vetter)

13.06.2018 - „Wäre Aleksandar Karakasevic Weltmeister geworden, wenn er die Athletik und den Willen von Jean-Michel Saive gehabt hätte?“ Für den Serben antwortete der daneben stehende Belgier auf die Frage des Moderators reaktionsschnell wie am Tischtennistisch: „Ja, natürlich!“, fiel Saive dem Kontrahenten ins Wort. Dass die Antwort durchaus ein Körnchen Wahrheit beinhaltete, bewies Karakasevic umgehend: „King Kara“ gewann am Sonntag dank seines genialen Händchens das Finale der Champions Tour in Muggensturm und damit auch die Gesamtwertung souverän.

Im Endspiel schlug der 42-Jährige den nur knapp halb so alten deutschen Vizemeister Kilian Ort glatt in drei Sätzen – ausgerechnet beide waren Nachrücker für die angeschlagenen Steffen Mengel (Aufbautraining nach Rücken-OP) und Jakub Dyjas, der wegen einer Allergie passen musste. Somit überflügelte Karakasevic noch den Bad Königshofener Ort, der wie Abwehr-Ass Ruwen Filus zwei der fünf bundesweiten Vorturniere gewonnen hatte. „King Kara“ hatte sich einmal Platz eins gesichert bei den Gastspielen in Ebermannstadt, Fürstenfeldbruck, Merseburg, Vreden und Münster. Weil das Finale beim TTC Muggensturm doppelt zählte, überholte „King-Kara“ die beiden Führenden. 

Die letzten Hoffnungen von Stefan Fegerl, der bei zwei Wettbewerben Rang zwei verbuchte, zerschlug Ort gleich im Auftaktspiel. In einem sehenswerten Duell ließ er dem österreichischen Nationalspieler, der Borussia Düsseldorf mit zum Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokal geführt hatte, überraschenderweise keine Chance und deklassierte ihn mit 3:0. Noch mehr auf Betriebstemperatur brachte die rund 200 Zuschauer das Match am Nebentisch: Altmeister Saive mimte gegen Ruwen Filus den Spaßvogel. Der Publikumsliebling zauberte nicht nur dem deutschen Vizeweltmeister manches Grinsen auf die Wangen, sondern auch den Fans. Mit Lachsalven und Ovationen dankten sie es den beiden, die sich sehenswerte Ballwechsel boten – teilweise eine Minute lang mit Saive-Topspins und Unterschnitt-Returns von Filus, garniert mit absichtlich lautem Gestöhne ob der Anstrengung. Bei denen verließ Saive auch schon mal die Spielbox und tauchte hinter den Banden im Publikum ab, um von dort weiterzuspielen. Welch brutale Schnittvariationen der weltbeste Abwehrspieler besitzt, bekam Christoph Geiger zu spüren. Der WM-Schiedsrichter, den der erschöpfte Saive an die Platte schickte, versuchte einen Ball von Filus zu ziehen – doch der Topspin des Bezirksklassen-Spielers vom TV Bühl versank tief im Netz.

Weniger Spaß verstand Karakasevic im Kampf um den Titel. Er fertigte mit seinem Zauberhändchen Saive glatt ab. Mehr Widerstand bot in Gruppe 1 der gesetzte Filus. Doch auch der Abwehrkünstler musste hernach einräumen, dass „King Kara“ „stark gegen Abwehr spielt und man oft nicht sieht, wohin der Ball kommt“. Im letzten Moment klappt der Serbe das linke Handgelenk noch um, so dass der Plastikball doch in der anderen Richtung einschlägt. Filus lag zwar permanent zurück, steckte jedoch nie auf und garantierte so einen spektakulären Ballwechsel nach dem anderen - vor allem bis zum 15:17 im dritten Durchgang, als er mehrere Gelegenheiten zur 2:1-Satzführung ausließ. So endete das spektakuläre Match 3:1 für Karakasevic.

In der zweiten Gruppe sorgte der fünffache Weltmeister Jörgen Persson für die gute Laune. Da wurde schon mal die Platte verschoben, damit der Abwehrball auf den Tisch zurückkam. Oder als in den Zuschauerreihen eine Bierflasche ein bisschen zu laut aufploppte, war für den humorvollen Ort genügend Zeit, ein „Prost“ vor dem Aufschlag in die Runde zu werfen. Persson schloss sich natürlich an… Als er einmal einen Abwehrball mit der Fußsohle über dem Tisch stoppte und der Return nur im Netz landete, deutete der Schwede sofort unter den Schuh und befand treffend: „schlechter Belag!“ Ort bewies neben viel Talent an der Platte mehrfach solches als Showman. Als sich Moderator und TTC-Präsident Hartmut Metz angesichts des 0:4 im Finale der deutschen Meisterschaft erkundigte, wie viel Jahre alt Timo Boll wohl werden müsse, ehe ihn Ort schlagen kann, antwortete der Bad Königshofener schlagfertig und grinsend: „In den Fünfzigern.“

Der vom TTC Muggensturm erhoffte Zuschauerandrang blieb angesichts der Hitze am Sonntag aus. Letztlich musste der Tischtennisclub froh sein, das Finale überhaupt ausrichten zu können. Nach dem sintflutartigen Gewitter am Samstagabend stand neben zahllosen Kellern die Wolf-Eberstein-Halle unter Wasser. Dank einer Nachtschicht sorgten die Gemeindebediensteten für die Bespielbarkeit des „Platzes“. Zu Beginn ehrte der TTC noch kurz seine besten Mini-Meister, Joshua Rieß, der bei den südbadischen Meisterschaften siegte, und Michel Walkowiak. Letzterer belegte am Morgen beim Bundesfinale in Trier Platz 20 und wollte unbedingt am Abend bei den Stars zuschauen. Zudem hatte sich Mia Warth qualifiziert, die in Trier Rang elf erreichte.

Nachdem „King Kara“ den großen Pokal für seinen Triumph nach oben gereckt hatte, trugen sich die sechs Tischtennis-Asse zum Abschied ins Goldene Buch der Gemeinde Muggensturm ein. Bürgermeister Dietmar Späth war begeistert von den Show-Einlagen. Der sportbegeisterte Rathauschef freute sich, dass der TTC nach Gastspielen von Timo Boll über Jacques Secrétin und Saive bis Jörg Roßkopf nun mit einer „weiteren tollen Veranstaltung“ ein Highlight zur 825-Jahr-Feier des Orts beitrug.

(Metz/TTC Muggensturm)

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